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Nörgelt über Rangnick: Hoffenheims Tobias (li.), hier gegen Frankfurts Marco Russ © imago

Nach dem 1:1 in Frankfurt stellt der Mittelfeldmann Trainingsmethoden in Frage. Rangnick wirft seinem Team Überheblichkeit vor.

Frankfurt - In der Traumwelt von 1899 Hoffenheim (zur Vereinsseite) werden erste Misstöne laut.

Während Mittelfeldspieler Tobias Weis nach dem glücklichen 1:1 (1:0) bei Abstiegskandidat Eintracht Frankfurt das Training von "Fußball-Professor" Ralf Rangnick infrage stellte, ging der Coach nach dem sechsten sieglosen Spiel in Serie wegen offensichtlicher Arroganz auf seine Spieler los.

"Ich bin zum ersten Mal in dieser Saison so richtig enttäuscht von meinen Jungs", sagte Rangnick (Porträt), nachdem der Aufsteiger aus dem Kraichgau zum vierten Mal in Folge nicht über ein mageres Unentschieden hinausgekommen war.

Und weiter: "Ich sehe es auch so, dass unser Auftreten in der zweiten Halbzeit etwas mit Überheblichkeit zu tun hatte."

"Klar hat es mit Überheblichkeit zu tun"

"Als es nach dem Ausgleich darum ging dagegenzuhalten, war von keinem meiner Spieler mehr etwas zu sehen. Am Ende hätten wir das Spiel auch noch verlieren können", motzte der Coach. (zum SPIELBERICHT: Hoffenheim lässt schon wieder Federn)

Auch der eingewechselte Selim Teber stellte in den eigenen Reihen Arroganz fest: "Klar hat es mit Überheblichkeit zu tun, wenn man so ein Spiel noch aus der Hand gibt."

Des Kapitäns Vorwurf: "Nach 15 Minuten haben die Frankfurter Fans schon gegen ihren eigenen Trainer gebrüllt, aber wir waren einfach nicht geil genug auf das zweite Tor." Innenverteidiger Marvin Compper bewertete das Remis als "deutlichen Rückschlag" im Rennen um Meistertitel und Champions League.

Letzter Auswärtserfolg im November

Mittlerweile warten die Hoffenheimer bereits seit dem 22. November des vergangenen Jahres auf einen Auswärtserfolg (3:1 in Köln).

Mittelfeldspieler Weis gab zu bedenken, dass den Hoffenheimern im Gegensatz zur Hinrunde derzeit bereits nach gut einer Stunde die Puste ausgeht: "Uns hat nach 60, 70 Minuten eindeutig die Kraft gefehlt. Dabei war das ja eigentlich immer unsere Stärke."

Bemerkenswert: Angesprochen auf eine offenbar falsche Trainingssteuerung in Hoffenheim unter Trainer Rangnick meinte Weis (Porträt) mit zustimmendem Blick: "Vielleicht kann man das so auslegen."

"Funkel-raus"-Rufe

Dabei hatte der Herbstmeister in den ersten 30 Minuten nahtlos an die Leistungen der Hinrunde angeknüpft. Die Gäste spielten die Frankfurter zunächst derart an die Wand, dass die Eintracht-Fans bereits nach 15 Minuten zum wiederholten Mal lauthals "Funkel raus" skandierten.

Folgerichtig erzielte der zunächst überragende Carlos Eduardo mit einem feinen Heber die Führung (10.) und das insgesamt 50. Bundesliga-Tor der Badener in der laufenden Saison. 20 gute Minuten folgten noch, ehe das Rangnick-Team nur noch zaubern wollte und dabei völlig den Faden verlor.

Nach dem 1:1 durch den vierten Saisontreffer von Frankfurts Mittelfeldspieler Michael Fink (47.) hatte die Eintracht durch Martin Fenin (72.) und Alexander Meier (75./82.) sogar mehrfach die große Chance, den ersten Heimsieg des Jahres einzufahren.

Nur drei Punkte bis zur Relegation

Mit Blick auf die Tabellensituation wäre ein Heimsieg für die Eintracht (zur Vereinsseite) extrem wichtig gewesen. Denn die Teams im Tabellenkeller punkten bis auf den Karlsruher SC weiterhin, so dass der Abstand auf den Relegationsplatz nur noch drei Punkte beträgt.

"Trotzdem war der Punkt gegen Hoffenheim richtig gut für unser Selbstvertrauen. Jetzt versuchen wir, auch am nächsten Wochenende in Leverkusen was zu holen", sagte Fink (Porträt).

Was den Mittelfeldmann genauso gefreut haben dürfte: Durch seinen Treffer hat er auch in den anstehenden Vertragsverhandlungen mit der Eintracht wieder bessere Karten.

Eintracht-Coach freut sich über Punkt

Und auch bei Funkel war die Gemütslage positiv: "In der zweiten Halbzeit haben wir so gespielt, wie ich mir das vorstelle und hätten dank unserer Chancen am Ende sogar noch gewinnen können. Mit dem Punkt sind wir zufrieden."

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