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Jose Ernesto Sosa (l.) absolvierte sein achtes Saisonspiel für die Bayern © getty

Die Münchner siegen erneut, obwohl Ribery und Toni fehlen und Klose sich verletzt. Vor allem Sosa trumpft plötzlich auf.

Von Mathias Frohnapfel

München/Bochum - Bis vor kurzem galt eine Aussage über den FC Bayern als unumstößlich: Ohne Franck Ribery und Luca Toni sind die Münchner nur die Hälfte wert.

Der 3:0-Sieg beim VfL Bochum zeigt indes, dass die Bayern sehr wohl ohne ihre Stars triumphieren können.

Zumal Ribery bereits seit drei, Toni gar schon seit fünf Partien nur daumendrückende Zuschauer sind.

Ganz nebenbei fehlen ja aktuell auch noch Hamit Altintop und Tim Borowski. Zwei Spieler, die ebenfalls die halbe Bundesliga nur zu gerne in ihren Reihen wüsste.

Tore im 30-Minuten-Takt

In Bochum besorgten Ze Roberto (32.), Philipp Lahm (60.) und Martin Demichelis (90.) die Treffer (zum Spielbericht: Bayern setzen Aufholjagd fort).

Lukas Podolski konnte sich gar den Luxus leisten, einen Foulelfmeter mit Schmackes neben das Tor zu ballern (49.).

Dennoch gehört auch Podolski zu den Gewinnern aus der zweiten Reihe, die von der Verletzungsserie im Bayern-Team profitieren.

Vom Stürmer Nr. 4 zur Nr. 1

Vom Stürmer Nummer vier, zu dem er in der Winterpause von Trainer Jürgen Klinsmann kurzzeitig degradiert wurde, ist er urplötzlich zum Angreifer Nummer eins geworden.

Denn: Miroslav Klose musste schon in der 31. Minute humpelnd den Rasen in Bochum verlasen. Manager Uli Hoeneß eilte gleich in die Kabine, um sich nach dem Zustand des Top-Angreifers zu erkundigen.

Wie ernsthaft die Verletzung am Knöchel ist, steht noch nicht fest. Am Sonntag soll eine Kernspintomographie Aufschluss bringen.

Klinsmann sorgt sich um Klose

FCB-Trainer Jürgen Klinsmann trieb das nach dem Abpfiff tiefe Sorgenfurchen ins Gesicht. "Miroslav Klose ist in ein Loch getreten. Er hat einen Kompressionsverband bekommen und wir hoffen, dass es nichts Schlimmeres ist."

Der Unglücksrabe selbst sagte zu der Aktion: "Es hat nur noch gekracht. Dann konnte ich nicht mal mehr auf dem Fuß stehen."

Auf einmal läuft es auch für Sosa

Für Klose kam Jose Ernesto Sosa ins Spiel. Und der Argentinier überraschte wohl am meisten. Dabei bemühten sich die Bayern noch im Winter händeringend darum, Sosa zu verleihen. Letztlich winkte aber auch US Palermo ab.

Spielfreudig und laufstark half Sosa (Porträt) in Bochum immer wieder neue FCB-Angriffswellen aufzubauen. Längst war nicht alles perfekt bei "el principito" ("der kleinen Prinz"), doch Selbstvertrauen hat sich der junge Mann mit diesem Auftritt allemal geholt.

Wie ein Neuzugang

"Er hat gezeigt, was in ihm steckt", verteilte Klinsmann ein kleines Kompliment. Hoeneß lobte den Techniker gleichfalls und hatte auch gleich eine Erklärung parat: "Er hat nach seinen Wechselwünschen in der Winterpause den Kopf frei. Eigentlich kann man ihn jetzt als Neuzugang sehen."

In der zweiten Hälfte half Sosas Zusammenspiel mit Lukas Podolski die Partie vorzeitig zu entscheiden.

Nachdem ihn "Poldi" auf den Weg Richtung Strafraum geschickt hatte, stoppte ihn Marc Pfertzel per Foul. Schiedsrichter Michael Weiner entschied auf Notbremse, Elfmeter und Rot.

Ab diesem Zeitpunkt dominierten die Bayern trotz des vergebenen Elfers die verbliebenen zehn Bochumer.

Podolski froh über "drei gute Spiele"

Podolski bereitete kurz vor Schluss auch den Siegtreffer mit einem präzisen Pass auf Demichelis vor. "Es ist ein schönes Gefühl, wenn man auf dem Platz steht. Ich denke, dass ich die letzten drei Spiele gut bestritten habe", kommentierte der 23-Jährige knapp.

Das ganze Münchner Team kann nach dem hart erkämpften Pflichtsieg Fortschritte für sich beanspruchen.

Philipp Lahm sprach daher von "einem souveränen Sieg" und erklärte: "Wir halten den Ball besser in den eigenen Reihen, unser Passspiel ist besser geworden. So kommen die Gegner auch nicht zu so vielen Chancen."

Bochum will Pleite rasch vergessen

Der Münchner Dominanz hatten am Ende auch die Bochumer nicht mehr allzu viel entgegenzusetzen. Trainer Marcel Koller ärgerte sich deshalb besonders über die vergebene Großchance von Christoph Dabrowski zu Spielbeginn (13.) "Dann gehen die Bayern mit der ersten Chance in Führung. Das ist der Unterschied."

Das nächste Problem: Mit dem rotgesperrten Pfertzel muss Koller nun erneut einen Innenverteidiger ersetzen.

Bochums Abwehrmann Daniel Imhof wollte die Niederlage rasch abhaken. "Niemand hat erwartet, dass wir gegen Bayern gewinnen. Das nächste Spiel ist gegen Gladbach, da geht es um den Klassenerhalt. Da müssen wir punkten."

Den Bayern dürfte derweil trotz allen Verletzungspechs Mut machen, dass auch ohne Toni und Ribery die Voraussetzungen für ihre große Aufholjagd geschaffen sind.

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