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Andrej Voronin erzielte gegen Bayer Leverkusen sein elftes Saisontor © imago

Ein Weggefährte Voronins sieht seine Tore auf übersinnlichem Weg voraus. Die Erfolgsserie seines Teams ist aber ganz irdisch.

Von Martin Hoffmann

München - Womöglich waren ja wirklich parapsychologische Kräfte mit Andrej Voronin im Bunde.

Die Art und Weise, wie dem Hertha-Stürmer bei seinem Siegtor gegen Leverkusen nach einem parierten Schuss an die Schulter und von dort ins Netz prallte - sie ließ Interpretationen offen für diejenigen, die an Übersinnliches glauben (SPIELBERICHT: Voronins Schulter ist Herthas Glück).

So wie Kölns esoterisch veranlagtem Masseur Dieter Trzolek, der für Voronin - die beiden sind Weggefährten aus gemeinsamen Leverkusener Tagen - an jedem Spieltag mit einem Pendel ermittelt, ob und wie oft er trifft.

Auch den Siegtreffer gegen Leverkusen sah das Pendel voraus: "Mit Geduld schießt du ein Tor heute", lautete die SMS des Physiotherapeuten an den Ukrainer. Und Voronin hielt sich dran.

Ganz irdische Erfolgssträhne

Zu "90 Prozent" behält "Trzolli" laut Voronin recht. Wobei: Noch zuverlässiger, als Voronins alter Freund pendelt, punktet derzeit sein aktueller Verein.

Und das tut er auf ganz irdischem Weg - auch wenn die nicht verstummenden Kritiker von Herthas Art Fußball zu spielen bei Berlins Erfolgssträhne wohl böse Mächte am Werk sehen.

Gegen Leverkusen feierte die Hertha wieder kein rauschendes Fußballfest. Es war einmal mehr eine Demonstration taktischer Disziplin und kühler Effizienz.

Kontrolliert erwirtschaftet

Zum elften Mal in dieser Saison reichte der Hertha ein Tor mehr, um drei Punkte zu holen. Und wiederum wurden diese Punkte mit kontrolliertem Einsatz erwirtschaftet.

Drei Chancen brauchen die Herthaner laut Statistik für ein Tor, so wenig wie kein anderes Team.

Und wie auf Bestellung wiesen die Herthaner diese Rechnung auch nach. Erste Chance: Kopfball von Rodnei in Minute 27. Zweite Chance: Raffaels Flachschuss in Minute 47.

Dritte Chance: Voronins Schulterpraller nach dem Doppelpass mit dem emsigen Maximilian Nicu - und der saß.

Leverkusen offenbart alte Schwäche

Es war der entscheidende Wirkungstreffer, nachdem Leverkusen bis dahin eigentlich leichte Vorteile hatte.

Durch eine hohe Fehlpassquote aber spielte sie aus Sicht von Coach Bruno Labbadia der Hertha "in die Karten" - und fiel dann nach dem Gegentreffer praktisch in sich zusammen.

Erneut offenbarte die Werkself damit die Schwäche, keine Antwort darauf zu finden, wenn sich der Spielverlauf gegen sie wendet.

Die von Keeper Rene Adler initiierte "Phlegma-Debatte" wird so kaum verstummen - und Leverkusens Felle schwimmen langsam immer weiter davon. Punktet der Hamburger SV am Sonntag gegen Cottbus (16.30 Uhr LIVE), sind die UEFA-Cup-Plätze schon sechs Zähler weg (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Favre tanzt - und bremst

Die Hertha dagegen ist durch den zehnten Heimsieg in Folge weiterhin mit vier Punkten Vorsprung Tabellenführer - und es häufen sich die Sichtungen von nachgebauten Meisterschalen im Publikum.

Tanzte in der Vorwoche Manager Dieter Hoeneß im Kreis der Spieler, fiel die Ehre diesmal Coach Lucien Favre - auch wenn er sich vorher sichtlich zierte.

Doch auch, wenn er am Ende doch mitwippte, betätigte er hinterher gleich wieder die sprichwörtliche Euphoriebremse.

"Für mich bleibt das Ziel, um ein UEFA-Cup-Platz zu kämpfen, das Gleiche", stellte er angesprochen auf den Titelkampf fest.

Voronin leitet weiter

Vielleicht ist Favre da aber auch einfach der falsche Adressat für solche Fragen.

Als Matchwinner Voronin hinterher bei "Premiere" gefragt wurde, ob er sich den Titelgewinn mit Hertha vorstellen kann, leitete er sie jedenfalls direkt an jemanden weiter, der es wissen muss.

"Ich muss Trzolli fragen - wenn er mir sagt, dass Hertha Meister wird, sag ich euch das."

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