SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold ordnet die Lage beim Vizemeister nach zwei Pleiten und Subotics schwerer Verletzung ein.

Hallo Fußball-Freunde,

Dortmund hat gegen Arsenal und Wolfsburg hohen Aufwand betrieben und stand am Ende doch mit leeren Händen da.

In der Champions League wird es für den BVB jetzt richtig eng. Im Grunde genommen hätte man nach der Auslosung sagen können: Drei Punkte aus zwei Spielen gegen Arsenal sind in Ordnung, doch in der Gruppe ist eben mit Neapel noch ein zweiter großer Brocken dabei.

Ich verstehe nicht, warum der BVB das Spiel in Wolfsburg nach der 1:0-Führung noch aus der Hand gegeben hat. Sie haben ja konterstarke Spieler wie Marco Reus und Henrikh Mkhitaryan, das darf so einer Top-Mannschaft nicht passieren.

Den Dortmundern fehlte in dieser Saison schon mehr als einmal die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, sie nutzen ihre Chancen nicht. Da sind die Bayern viel effektiver und abgeklärter.

Und jetzt kommt in dieser wichtigen Phase noch der Kreuzbandriss von Neven Subotic dazu. Dieser Ausfall tut Dortmund richtig weh!

Gerade auf der Position haben die Borussen nicht mehr so viele Optionen. Ich gehe davon aus, dass sie in der Winterpause einen Innenverteidiger holen werden, was aber extrem schwer ist.

In der aktuellen Situation können nur Sokratis und Hummels in der Innenverteidigung spielen, weitere echte Alternativen sehe ich nicht. Und bis zur Winterpause hat Dortmund nur noch englische Wochen, das Risiko ist also enorm groß für den BVB. Da darf sich aber wirklich gar kein Defensivspieler mehr irgendwas zuziehen.

Der Druck vor dem Spiel gegen den FC Bayern ist jetzt ganz klar auf BVB-Seite. Das ist eine schlechte Ausgangsposition, auch wenn die Dortmunder mit einem Sieg bis auf einem Punkt heranrücken könnten.

Ich sage ganz klar: Falls Bayern den Gipfel gewinnt, ist eine Vorentscheidung im Titelkampf gefallen.

Die Bayern müssen nun länger auf Bastian Schweinsteiger verzichten. Aus meiner Sicht haben die Münchner aber genug Optionen, Javier Martinez ist ja auch wieder verfügbar. Zudem spielen sie nur noch mit einem Sechser. Schweinsteiger ist unbestritten eine wichtige Persönlichkeit, aber Pep Guardiola kann sein Fehlen kompensieren.

Zieht man eine erste Bilanz bis zum 12. Spieltag, fällt auf, dass die Saison bisher sehr torreich ist. Für die Zuschauer ist das natürlich prima, aber ich als ehemaliger Abwehrspieler wundere mich doch sehr über die zum Teil haarsträubenden Fehler.

Da frage ich mich, woran liegt es? An der Ausbildung der Spieler, an den Inhalten im Training? Manche Fehler passieren schon 30 Meter vor dem Tor. Der HSV verliert 3:5 in Leverkusen, das war teilweise vogelwild, schon in der Vorsaison kassierten die Hamburger insgesamt 53 Gegentore. So kann man keine Ambitionen hegen in der Liga.

Noch ein Aufreger war das nicht gegebene Tor in Gladbach: Nürnberg schmerzt das im Abstiegskampf sehr, doch so etwas kann jedes Team in der Saison einmal treffen.

Ich betone gerne nochmal, dass man hier technische Hilfsmittel braucht, bei der WM in Brasilien kommen sie ja gottlob schon zum Einsatz.

Bis zum nächsten Mal,Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt wöchentlich als Kolumnist für SPORT1.

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