vergrößernverkleinern
Diego (l.) und Pizarro (r.) sind auch abseits des Rasen für Schlagzeilen gut © getty

Transferskandal, Finanzaffäre: Im Umfeld von Werder Bremen rumort es dieser Tage gewaltig, die Mannschaft aber spielt groß auf.

Von Tobias Schneider und Jan Wilke

München - Die Nachricht sorgte vor Werders 4:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart (zum Spielbericht) für Unruhe im Weserstadion:

Im Zuge des Transferskandals um den Peruaner Roberto Silva könnte auch dem Bremer Stürmerstar Claudio Pizarro eine Menge Ärger drohen.

Sollte Pizarro, wie es in einem Artikel der "Bild" zu lesen war, tatsächlich als Berater tätig gewesen sein, wäre dies ein gravierender Verstoß gegen die FIFA-Statuten.

Sollten sich die Anschuldigungen bewahrheiten, droht dem vom FC Chelsea ausgeliehenen Angreifer laut "Welt" sogar eine zweijährige Sperre. (Zwei Jahre Sperre für Pizarro?)

Keiner Schuld bewusst

Von all dem zeigten sich die Bremer aber unbeeindruckt. Bereits vor dem Spiel sagte Manager Klaus Allofs bei "Premiere":

"Soweit ich mich erinnere, hatte Claudio Pizarro überhaupt keinen Einfluss auf die Gespräche und war in keinster Weise eingebunden."

Pizarro zeige sich durch die Anschuldigungen auch nicht belastet: "Er selbst sieht das relativ locker, weil er sagt, dass es keine Unregelmäßigkeiten gibt", erklärte Allofs.

Diego und Pizarro zaubern

Auf dem Rasen machten Pizarro und seine Teamkollegen den Wirbel schließlich vergessen.

Mit einem fulminanten Kracher markierte der Peruaner in der 53. Minute das vorentscheidende 2:0, nachdem Diego mit einem direkt verwandelten Freistoß in der 34. Minute das 1:0 markiert hatte.

Der Brasilianer war einmal mehr der überragende Akteur auf dem Rasen. Nicht nur wegen seines Kunstschusses unter die Latte des Stuttgarter Gehäuses.

Diego zog die Fäden im Bremer Spiel wie zu besten Zeiten, leitete Angriff um Angriff ein und war immer für einen Geniestreich gut.

"Es war ein wunderbares Spiel, ein Spektakel für die Fans," freute sich der Mittelfeldregisseur.

Fehde mit Lehmann

Doch die Stuttgarter unterstellten Diego, den Freistoß durch eine Schwalbe geschunden zu haben.

VfB-Keeper Jens Lehmann versuchte den Brasilianer zu verunsichern, in dem er den Ball vor der Ausführung durch Schiedsrichter Perl einen halben Meter weiter zurücklegen ließ.

Es half jedoch nichts. "Diego ist ein starker Freistoßschütze. Lehmann wollte ihn irritieren. Das ist eine sinnvolle Aktion", nahm Babbel seinen Schlussmann in Schutz.

Sinnlos war jedoch Lehmanns Attacke in der Pause, als er mit Diego im Kabinengang aneinander geriet. "Er soll Bälle halten und nicht rumlamentieren", meinte der Brasilianer gelassen.

Negativserie gestoppt

4:0 gegen Bremen - nach zuletzt drei Siegen und drei Niederlagen war es für die Hanseaten der erste Sieg in der Bundesliga im Jahr 2009.

Das Manko in der Rückrunde war bis dato die desaströse Chancenverwertung. Rund 120 Mal ballerten die Werder-Profis auf des Gegners Kasten, nur drei Mal zappelte der Ball im Netz.

Gegen Stuttgart war alles anders: Jeweils mit ihrem ersten Torschuss netzten Diego, Pizarro und Markus Rosenberg ein.

Werder verharrt mit 32 Punkten zwar weiterhin auf dem 10. Platz, der Abstand zu den begehrten Plätzen, die das internationale Geschäft bedeuten, hat sich aber verringert (DATENCENTER: 24 Spieltag).

"Völlig verdient verloren"

Während Bremen durch den hochverdienten Sieg ein kleiner Befreiungsschlag gelang, herrschte auf Stuttgarter Seite Ratlosigkeit.

Unter Babbel hatten die Schwaben in neun Bundesliga-Partien noch kein Spiel verloren - bis zur Partie im Weserstadion.

"Wir sind nur getrabt, haben schlampig gespielt. Uns hat einfach der Wille gefehlt, wir haben völlig verdient verloren", attestierte der 36-Jährige.

Von Müdigkeit keine Spur

Bremen war schlichtweg handlungsschneller, bissiger und spielfreudiger als der Gast aus Stuttgart.

Zur großen Verwunderung von Thomas Hitzlsperger: "Wir hatten den Vorteil der besseren Physis, diesen aber nicht ausgespielt," so Hitzlsperger in Anspielung auf das UEFA-Cup-Spiel der Hanseaten unter der Woche.

Von Champions-League-Form war der VfB am Sonntagabend meilenweit entfernt.

Dabei hatte Babbel vor dem Spiel noch vollmundig angekündigt, Platz zwei anzuvisieren und in die Champions League einziehen zu wollen

Nach der Klatsche hörte sich die Zielsetzung aber wieder ganz anders an - von Königsklasse ist keine Rede mehr.

"Das war eine ganz schwache Vorstellung. Wir müssen unsere Ziele nach unten korrigieren," so ein sichtlich geknickter Babbel.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel