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Marcell Jansen (l.) im Zweikampf mit Cottbus' Dimitar Rangelov © imago

Der HSV erledigt mit dem Sieg gegen Cottbus seine Pflicht. Doch so ungefährdet der Erfolg war, ihm fehlt jede Aussagekraft.

Von Martin Hoffmann

München - Ganz klar, der Hamburger SV tat das, was gefordert war.

"Wir mussten das einfach gewinnen, egal wie", stellte Marcell Jansen nach dem 2:0 gegen Energie Cottbus fest(zum Spielbericht).

Es war kein Sieg, mit dem sich der HSV irgendwelche Lorbeeren verdient hätte, aber auch keiner, nachdem sich die Rothosen irgendetwas vorzuwerfen hätten.

Und doch hatte der Erfolg auch eine etwas schale Note - denn echte Antworten auf die Fragen, die das Team von Trainer Martin Jol mit seinem Auftreten in den vergangenen Wochen aufgeworfen hatte, lieferte er nicht.

Zu wenig gefordert

Der HSV hielt sich im Titelrennen und verhinderte, dass sich die beiden jüngsten Pleiten gegen Wolfsburg (1:3) und in Mönchengladbach (1:4) zu einer ausgewachsenen Negativserie fortentwickelten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) - mehr allerdings erreichten die Norddeutschen nicht.

Davon, dass die Hamburger bei ihrem Pflichtsieg Selbstvertrauen getankt hätten, kann keine Rede sein.

Dafür wurden sie von den harmlosen Gästen nämlich schlicht zu wenig gefordert.

Zu Null, aber kein Bollwerk

Speziell die von Verletzungen geplagte und zuletzt oft umgestellte Abwehr kann sich nichts darauf einbilden, dass ihr mal wieder ein Zu-Null-Spiel gelang.

Auch gegen Cottbus offenbarte sie nämlich öfters Unsicherheiten, die gegen eine besser strukturierte Offensive als die der Lausitzer wohl ein handfestes Problem gewesen wären.

Aufwärtstrend in der Offensive

In der Vorwärtsbewegung dagegen zeigte sich ein klarer Aufwärtstrend im Vergleich zu den Partien gegen Wolfsburg, Gladbach und Galatasaray (1:1) - zumindest in der ersten Hälfte.

Die mit Mladen Petric, Ivica Olic, Paolo Guerrero, Debütant Albert Streit und Jansen voll auf Attacke gepolte Elf entfaltete den erhofften Druck, an dem es ihr zuletzt öfters gemangelt hatte.

Durch die beiden Tore von Olic (32.) und den zunächst auf die Bank verbannten Piotr Trochowski (39.) führte sie dann auch die Entscheidung herbei.

"Spritzigkeit gefehlt"

Was danach kam, taugte jedoch nicht mehr zu einem Erweckungserlebnis.

"Es hat die Spritzigkeit gefehlt um noch fünf, sechs Chancen herauszuspielen und Tore zu machen", erklärte Jol.

Oder in der verkürzten Version von Jansen: "Wir waren müde."

Zeitweise Pfiffe

Die Art und Weise, wie Hamburg in Halbzeit zwei mit den Kräften haushaltete und bei Kontern dann auch unpräzise wurde, verleitete das Publikum stellenweise sogar zu ein paar Pfiffen.

Trotzdem war der HSV wohl gut damit beraten, die Drehzahl gegen Cottbus herunter zu fahren. Denn vor ihm liegen Aufgaben, für die ein höherer Aufwand gefordert ist.

Das knüppelharte UEFA-Cup-Rückspiel in Istanbul am Donnerstag, am Sonntag dann die Auswärtspartie auf Schalke - beides Hürden, die auch noch ohne Petric bewältigt werden müssen.

Petrics Ausfall "ein Schlag"

Der Stürmer zog sich ohne gegnerische Einwirkung eine Verletzung einen Muskelfaserriss zu. "Ich werde zwei bis drei Wochen aussetzen müssen. Der Zeitpunkt ist ganz bitter", sagte der Kroate.

Auch Jol musste festhalten: "Das ist ein Schlag für die Mannschaft."

Es gab offensichtlich schon Siege, die ihm mehr Freude bereitet haben.

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