In seiner Kolumne für Sport1.de kommentiert Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher das aktuelle Geschehen in der Bundesliga.

Als Jürgen Klinsmann vor der Saison in München als Trainer präsentiert wurde, waren die Worte "Methode" und "Konzept" die zentralen Bestandteile der Beschreibung des zukünftigen Bayern-Weges.

Moderne Trainingsformen, ein junger Coach, der Fußball mit einer jüngeren Sprache erzählt, andere Worte schon während der WM 2006 entdeckt hat, der eine Saison zum "Projekt" erklärt.

An der Säbener Strasse wollte man weg vom üblichen Geruch des Fußballs, weg vom Mief des Trainingsanzugs oder des Zweireihers mit Krawatte a la Ottmar Hitzfeld.

Weg vom Diktator-Trainer, hin zum Team-Work auf der Bank mit einem strahlenden Verkäufer als Front-Mann.

Die Methode Klinsmann. Oder die Methode Klopp. Oder die Methode Labbadia. Eloquente, dynamische Trainer-Models.

Die Methode des Monats heißt aber für mich Felix Magath.

In München trotz Doppel-Double ausgemustert, marschiert der Manager-Trainer einsam und hart durch die Liga. Wortkarg, ironisch, konfliktbereit. Mit einem glasklaren Ziel: Erfolg um jeden Preis.

Kein Entertainment, kein gezwungenes Lächeln für die Kameras. Manchmal auch kein Wort für die Spieler, nur Entscheidungen.

Zwischen der 24-Spiele Bilanz der Methode Klinsmann und der Methode Magath liegt 1 Tor Unterschied.

Nur: Magath hat sich den VfL Wolfsburg selbst gebastelt. Ohne wenn und aber. Eine Mannschaft konstruiert, die keiner so wirklich kannte. Grafite. Pekarik, Barzagli, Okubo.

Wo auch immer Felix diese Profis aufgespürt hat, er wusste was er haben wollte. Und was diese Spieler können. Oder können sollten.

Aus welchem Land er auch immer seinen Kader verstärkt hat - in Wolfsburg scheint es keine Sprachprobleme zu geben, sitzen keine Dolmetscher auf der Bank, trägt keiner einen Knopf im Ohr wie bei Thomas Gottschalks "Wetten, dass...?"-Couch, wenn internationale Gäste auf Ballhöhe gebracht werden...

Magath versteht wohl jeder. Klare Anweisungen und Ansagen. Nach dem Sieg über Schalke sagt der WOB-Alleinherrscher: "Wir sind noch nicht reif für den Titel". Torjäger Grafite hört zu und erklärt: "Wir wollen Fünfter werden."

Die Methode Magath lächelt dann. Vergnügt, ein wenig verschlagen. Denn in Wirklichkeit arbeitet sein Kopf am Überraschungstitel schlechthin.

Auch wenn es nicht klappt: Was in Wolfsburg passiert ist in den letzten zwei Jahren ist purer Wahnsinn, im positiven Sinne natürlich.

Dabei geht es nicht um die teuren Transfers, sondern welche Spieler geholt wurden. Wenn Grafite solch eine bekannte Granate gewesen wäre, würde er heute unter Klinsmann lächeln...

Wolfsburg beweist: Fußball braucht einen BOSS. Klare Richtung, keine Ausreden. Überhaupt haben es mir am Spieltag 24 die Trainer angetan. Bielefeld-Coach Michael Frontzeck beispielsweise.

Nach dem 1: 0- Sieg im K.o.-Duell mit Karlsruhe war seine Analyse erfrischend ehrlich: "Der Sieg war unverdient. Aber wir müssen uns dafür nicht schämen."

Sein Gesicht verdeutlichte das Mitgefühl mit dem Kollegen Ede Becker. Denn das "Badener Lied" wird im Wildpark in der kommenden Saison in Liga 2 gespielt werden müssen.

Die Pleite gegen die Arminia ist für mich die erste Entscheidung der Saison: Der KSC steigt ab. Und dass, obwohl in Karlsruhe gut gearbeitet wird, guter Fußball gespielt wird, eine junge Mannschaft geformt wurde. Nur Tore schießt man eben zu wenig. Schade.

Bleiben noch zwei "freie" Plätze im Fahrstuhl nach unten: Gladbach atmet nach dem Derby-Sieg in Köln Frischluft, mein "Geheimtipp" Hannover lebt ebenfalls noch, trotz 50 (!) Gegentoren.

Doch die Art und Weise wie sich die Mannschaft gegen den BVB gewehrt hat, dokumentiert, dass 96 funktioniert.

Also: Münzwurf zwischen den üblichen Verdächtigen. Aber nächste Woche sieht es wahrscheinlich schon wieder anders aus.

Deshalb freue ich mich schon auf die Ausgabe Nr. 25 der Liga - und das nächste Kapitel der Methode Magath?

Bis dahin, Euer Toni Schumacher

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