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Schon legendär ist Hoeneß' Auftritt während der Jahreshauptversammlung 2007, als er sich mit meckernden Fans anlegt: "Das ist eine populistische Scheiße! Es kann doch nicht sein, dass wir kritisiert werden, die wir uns hier jahrelang den Arsch aufreißen. Was glaubt Ihr, wer Euch finanziert? Die Leute aus den Logen, denen wir das Geld aus der Tasche ziehen." ... "Die Scheißstimmung, für die seid ihr doch zuständig und nicht wir."
Für seinen Vorschlag einer "Bundesliga-GEZ" erntet Uli Honeß viel Kritik © getty

Sein Vorschlag einer Fußball-Zusatzabgabe für TV-Zuschauer beschert Uli Hoeneß mächtig Gegenwind. Politiker und Fans rebellieren

Von Christian Paschwitz

München - Wenn's nach Uli Hoeneß geht, soll jeder der 37 Millionen deutschen Haushalte zwei Euro TV-Gebühr mehr bezahlen, damit die angeblich notleidende Bundesliga im europäischen Vergleich mithalten kann.

"Das wären im Jahr gut 900 Millionen. Damit kämen wir den 1,2 Milliarden in England und den 1,2 Milliarden in Italien sehr nahe", hatte der der Manager des FC Bayern (zur Vereinsseite) am Wochenende erklärt. (zum Artikel: "Zwei Euro im Monat für den Fußball")

Doch für seinen Vorstoß erntet Hoeneß sowohl aus der Politik als auch von der Fan-Basis eine klare Abfuhr.

"Seine Gedanken halte ich für unrealistisch und völlig überzogen. Das ist so irrwitzig, wie es nur irgendwie geht", sagte Peter Danckert (SPD), Vorsitzender des Sportausschusses im Bundestag.

"Bodenhaftung verloren"

Ins gleich Horn stieß Christoph Waitz, kultur- und medienpolitischer Sprecher der FDP: "Hoeneß hat vollkommen die Bodenhaftung verloren. Ich frage mich, wie eine Abgrenzung zu anderen Sportarten möglich ist."

Und weiter: "Zahlen wir dann künftig zusätzlich 20 Cent für die Tour de France, 80 Cent für die Formel 1 und 1,20 Euro für die Handball-Bundesliga?"

Das Gros der Fans sieht das offenbar ähnlich: Nach einer Sport1.de- Umfrage erklärten bis zum späten Montagnachmittag knapp 60 Prozent von rund 26.000 Usern, Hoeneß Forderung nach einer "Bundesliga-GEZ" sei "eine Unverschämtheit".

Sache der Politik

Einfach umzusetzen ist sie ohnehin nicht, denn: Eine Fußballabgabe für alle TV-Haushalte kann nur vom Staat beschlossen werden. In diesem Fall wären es die für das Fernsehen zuständigen Bundesländer.

Die Länder haben auch die derzeitige Rundfunk- und Fernsehgebühr von 17,98 Euro im Monat in einem Staatsvertrag festgelegt, den die Landesparlamente verabschiedeten.

Hoeneß rechtfertigte seinen Vorstoß nun nochmals als Nutzen für alle Beteiligten: Für zwei Euro im Monat "könnten alle Spiele live bei ARD und ZDF übertragen werden. Jeder könnte dann alle Spiele live plus zeitversetzt plus eventuell kostenfrei auf Abruf sehen."

Jetzt sogar Drei-Euro-Forderung

Er sei davon überzeugt, dass die aus seiner Sicht zwei Drittel Fußball-Interessierten der 37 Millionen TV-Haushalte "sogar bereit wären, drei Euro im Monat zu investieren".

Beim finanziell angeschlagenen TV-Sender Premiere wollte Unternehmenssprecher Torsten Fricke dazu keinen Kommentar abgeben. Hintergrund: Fußball-Liveübertragungen sind das Zugpferd des Bezahlsenders.

Deutlichere Töne kamen dagegen von ARD und ZDF. "Ich glaube nicht, dass die öffentlich-rechtlichen Sender dafür da sind, Fußball zu finanzieren", so ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky.

ARD und ZDF fassungslos

Ohne viel Worte ließ auch ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz an seiner Einschätzung keinen Zweifel: "So etwas muss man nicht kommentieren."

Die Liga reagierte tendenziell eher ablehnend auf den Vorstoß des Bayern-Managers: "Hoeneß weiß genau, dass das nicht umsetzbar ist", meinte Hoffenheims Manager Jan Schindelmeiser. "Vielleicht hat er das aber nicht ganz ernst gemeint."

Hannovers Klubchef Martin Kind ergänzte: "Auf einem freien Markt sollte man die freien Kräfte walten lassen." (EINWURF: Ein Traum für jeden Fußball-Manager)

Watzke springt Hoeneß bei

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke begrüßte dagegen den "positiven Denkanstoß. Es ist gut, dass Hoeneß den Finger in die Wunde legt, denn wir haben eindeutig ein Fernsehgeld-Problem."

Bayern Leverkusen GeschäftsWolfgang Holzhäuser plädierte als Sprecher der Geschäftsführung von Bayer Leverkusen für Sachlichkeit: "Das ist eine nette Idee. Man muss aber abwarten, ob sich die Einnahmen aus dem Pay-TV-Bereich noch steigern lassen."

Derzeit kassieren erste und zweite Liga pro Jahr rund 300 Millionen Euro. Ab der neuen Saison steigen die TV-Einnahmen auf 412 Millionen Euro.

Champions League als Aufhänger

Davon kommen allein von der ARD für die Sportschau-Berichterstattung 100 Millionen Euro und von Premiere 225 Millionen Euro.

Der finanzielle Rückstand der Bundesliga werde "auf Dauer dazu führen, dass der deutsche Fußball enorme Schwierigkeiten bekommt, international mitzuhalten und noch einmal die Champions League zu gewinnen", so Hoeneß.

Europas TopKlubs erhalten laut dem Bayern-Manager aus der TV-Vermarktung der nationalen Ligen jeweils zwischen 80 und 130 Millionen Euro.

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