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Joachim Löw (r.) arbeitet seit 2004 im DFB-Team mit Lukas Podolski zusammen © getty

Nach Kloses Ausfall sieht Joachim Löw Podolskis große Chance. Zudem lobt der Bundestrainer Hertha BSC und Erfolgscoach Favre.

Von Martin Volkmar

München - Auch für Joachim Löw ist die lange Verletzungspause von Miroslav Klose ein Schock.

Trotz des Ausfalls des Bayern-Stürmers in den WM-Qualifikationsspielen gegen Liechtenstein (28. März) und Wales (1. April) reagiert der Bundestrainer aber gelassen. (WM-Qualifikation: Ergebnisse und Tabelle)

Nun müssten eben die Nachrücker ihre Chance nutzen, sagt Löw im Gespräch mit Sport1.de.

Das gelte auch beim FC Bayern - vor allem für Lukas Podolski, der seine Chance schon nach Luca Tonis Ausfall "eindeutig" genutzt habe.

Zudem spricht Löw über den spannenden Titelkampf in der Bundesliga und lobt besonders Tabellenführer Hertba BSC und dessen Erfolgscoach Lucien Favre. (Bundesliga: Ergebnisse und Tabelle) ad

Sport1.de: Herr Löw, wie groß ist der Schock über Miroslav Kloses Zwangspause von mindestens sechs Wochen?

Joachim Löw: Die Verletzung von Miroslav Klose ist natürlich bedauerlich. Für die beiden WM-Qualifikationsspiele fällt er sicher aus. Aber als Bundestrainer muss ich immer wieder damit leben, dass der eine oder andere wichtige Spieler wegen Verletzung absagen muss. Glücklicherweise verfügen wir über weitere gute Stürmer, die nun ihre Chance nutzen und unbedingt beweisen wollen, dass sie Miro gleichwertig ersetzen können.

Sport1.de: Wie schwer trifft der Ausfall den FC Bayern?

Löw: Natürlich ist das auch für den Verein und für ihn selber ein herber Schlag (zum Artikel: Klose droht Saisonaus). Aber ich hoffe, dass er möglichst schnell wieder fit wird und den Bayern zumindest in der Schlussphase der Saison wieder zur Verfügung steht.

Sport1.de: Können die Münchner den Ausfall kompensieren?

Löw: Sicherlich wiegt jeder Ausfall eines Stammspielers schwer, aber Bayern hat die Möglichkeit, dieses auch zu kompensieren. Sie haben Lukas Podolski ja im Winter bewusst nicht abgegeben, da sie wussten, dass sie nicht so viele Alternativen im Sturm haben. Deswegen habe ich schon vor längerem gesagt, dass Lukas Podolski für den FC Bayern noch wichtig sein wird.

Sport1.de: Im Gegensatz zu vielen anderen, die ihn schon abgeschrieben hatten. Fühlen Sie sich bestätigt?

Löw: Das hat mir einfach meine Erfahrung gesagt. Es ist ja keine Neuheit, dass man nie von Januar bis Mai mit ein und derselben Mannschaft auflaufen kann, wenn man in mehreren Wettbewerben spielt.

Sport1.de: Trotzdem wurde Podolski ein Rückrunden-Stammplatz auf der Tribüne prognostiziert.

Löw: Diese Behauptungen, er würde ein halbes Jahr nicht mehr spielen, habe ich nie Ernst genommen. Lukas hat zwar im Januar und Februar nicht gespielt. Aber mir war klar, dass er irgendwann wieder eine Chance bekommen wird.

Sport1.de: Hat er sie genutzt?

Löw: Eindeutig ja - nicht nur wegen seiner drei Tore in den letzten drei Spielen. Das sehe ich natürlich positiv. Auf solche Moment muss man als Ersatzmann vorbereitet sein: Plötzlich kann Lukas entscheidend dazu beitragen, dass Bayern seine Ziele erreicht.

Sport1.de: Haben die Münchner in der Liga die Kurve gekriegt und werden am Ende doch noch die Meisterschaft holen?

Löw: Eine Prognose wage ich im Moment nicht, weil es einfach mehrere Mannschaften gibt, die gute Chancen auf den Titel haben. Jetzt wird sicherlich die Konstanz in den nächsten Wochen eine große Rolle spielen. Ich finde den Mehrkampf an der Spitze absolut spannend und glaube, dass er die Bundesliga noch attraktiver macht.

Sport1.de: Kritiker monieren dagegen, dass die Spannung vor allem daher kommt, dass es der Liga an Qualität fehlt.

Löw: Ich sehe es grundsätzlich positiv, wenn mehrere Mannschaften um die Meisterschaft oder die Teilnahme am Europacup kämpfen. Das ist besser, als wenn eine Mannschaft alleine vorne weg marschiert.

Sport1.de: Sie haben sich nicht überrascht gezeigt über den Höhenflug von Hertha BSC. Warum?

Löw: Ich wusste aus der Schweiz, dass sich die Spieler unter Lucien Favre enorm weiterentwickeln, wenn er über einen längeren Zeitraum mit einer Mannschaft arbeiten kann. Das hat er auch beim FC Zürich bewiesen, der auch international wirklich guten Fußball gespielt hat. Jetzt ist seine Handschrift auch in Berlin klar zu erkennen, daher hat die Hertha eine gute Entwicklung genommen.

Sport1.de: Also kann Hertha Meister werden?

Löw: Ja, auf jeden Fall. Es spricht für sich, wenn eine Mannschaft nach 24 Spieltagen vier Punkte Vorsprung auf die Verfolger hat.

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