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Zusammen mit Uli Hoeneß hatte Ottmar Hitzfeld seine erfolgsreichste Zeit © getty

Im Interview analysiert Ex-Bayern-Coach Hitzfeld die Lage in der Liga und erwähnt, dass er sich um einen guten Freund sorgt.

Von Conny Konzack

München - Ottmar Hitzfeld wirkt wieder entspannt und gelassen.

Der ehemalige Trainer des FC Bayern, der sich nach der vergangenen Saison mit dem Double aus Münchnen verabschiedete, genießt seinen Status als Schweizer Nationalcoach.

Mit großem Interesse verfolgt er weiterhin das Geschehen in der Bundesliga.

Speziell die Entwicklung seines Ex-Klubs und die Arbeit seines Nachfolgers Jürgen Klinsmann verfolgt der 60-Jährige ganz genau. Und seine Expertenmeinung ist momentan mehr denn je europaweit gefragt.

Im Interview spricht Ottmar Hitzfeld über ...

Uli Hoeneß und die Manager-Suche:

"Ich beobachte Uli, wie er oft innerlich brodelnd auf der Bank sitzt - und ich kann ihm nur raten, aufzuhören, solange er noch gesund ist.

Aber der Uli wird auch als Aufsichtsratsvorsitzender weiterhin die Fäden ziehen. Ich denke, für den nächsten Managerposten bei Bayern ist eine Aufteilung auf zwei Personen für Sport und für das Wirtschaftliche denkbar.

Oliver Kahn wäre ideal. Der hat alles: Ahnung vom Fußball, Erfahrung, Respekt und Intelligenz. Rudi Völler oder Klaus Allofs könnte ich mir ebenso vorstellen."

Jürgen Klinsmann:

"Ich glaube, Klinsmann ist der Richtige für Bayern. Dennoch war der Leistungsunterschied zwischen Champions League und Bundesliga schon deutlich. Dass Jürgen Klinsmann auf mein 4-4-2-System wieder zurückgriff, beurteile ich überhaupt nicht mit Genugtuung. Das war doch nur logisch.

Ebenso musste man ihm zugestehen, dass es für ihn legitim war, mal was anderes auszuprobieren. Dafür hatte man ihn ja eigentlich geholt. Das einzige, was mich in den letzten Wochen der Bayern-Krise überraschte, war die Schärfe einiger Beurteilungen.

Die Crux bei den Bayern ist: Wenn man nicht Erster ist, dann gibt es permanent Probleme."

Michael Rensing:

"Für mich ist Rensing die Nummer eins in Deutschland. Rene Adler spielt bisher nicht konstant und Robert Enke hat für mich zu wenig Ausstrahlung.

Es gibt zurzeit keinen Besseren als Rensing. Er hat die Chance, die Nummer eins in Deutschland zu werden und er wird auch gefestigter, wenn er mal zwei, drei Meisterschaften mit den Bayern eingefahren hat. Rensing ist jetzt schon weiter, als es Kahn im gleichen Alter war."

Lukas Podolski, van Bommel, Timoschtschuk

"Podolskis Pech sind Miroslav Klose und Luca Toni ("Poldi" allein im Sturm). Vielleicht zeigt er ja jetzt noch, dass er die gut ersetzen kann. Dass er lange nur die Nummer vier war, ist die Ansicht von Jürgen Klinsmann gewesen.

Für Mark van Bommel wäre es besser, wenn er geht, zumal Anatolij Timoschtschuk kommt. Der kann ein Spiel alleine entscheiden. Als Nummer 6 vor der Abwehr ist er nicht nur Abräumer, sondern auch Spielmacher aus dem Rückraum heraus. Er wird eine absolute Verstärkung für die Bayern, da bin ich mir sicher."

Hertha BSC:

"Hertha hat mich überrascht. Dieter Hoeneß hat offensichtlich eine gute Transfer-Politik betrieben.

Ich kenne auch Trainer Lucien Favre. Er ist ein akribischer Arbeiter, sehr leidenschaftlich - und er hat momentan das Glück des Tüchtigen.

Man muss einfach die Realität sehen: Berlin kann Meister werden!" ("Hertha kann Meister werden!")

Hoffenheim:

"Die Verletzung von Ibisevic zeigt, wie sehr das Team von so einem guten Spieler abhängig ist, den kein Trainer der Welt so schnell ersetzen kann.

Das Risiko von Hoffenheim bestand auch in der Zeit, als sie allein ganz oben standen, darin, dass sie im Abwehrverhalten Schwächen zeigen.

Was den Neid angeht, der hier und da immer mal wieder gegen Hoffenheim aufkam, so muss man eindeutig sagen, dass der Verein durchaus eine Tradition hat. Und wenn ein Mäzen mit viel Geld da ist, ist es eben Glück. Das kann nur die Qualität der Spieler erhöhen.

Ich sehe den Aufstieg der Hoffenheimer jedenfalls so, dass der ganze Fußball davon in Deutschland und in ganz Europa profitiert."

Schalke 04:

"Manager Müller war sicherlich nicht allein schuldig, aber die Transferpolitik war nicht optimal (Magath zu Schalke 04?). Doch bei Schalke dringt auch immer viel zu viel nach außen.

Im Falle Rafinha zum Beispiel hätte eine sehr hohe Geldstrafe am meisten bewirkt. Das kapieren die Spieler am besten.

Und was den Trainer betrifft: Ein Trainer kann eigentlich immer reagieren, das habe ich doch auch gemacht. Ohne immer den Vorstand zu fragen."

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