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Jochen A. Rotthaus (l.) arbeitet seit zwei Jahren mit Trainer Ralf Rangnick zusammen © getty

Jochen A. Rotthaus, einer der Hauptverantwortlichen für Hoffenheims Aufschwung, spricht bei Sport1.de über das Image des Retortenklubs.

Von Conny Konzack

Hoffenheim - Vor zwei Jahren stieß Jochen A. Rotthaus zur TSG Hoffenheim. Der 42-Jährige, ein ehemaliger Tennis-Bundesligaspieler, war zuvor als Manager in der Filmbranche und Geschäftsführers des VfB Stuttgart tätig.

Dann lockte ihn eine SMS von TSG-Mäzen Dietmar Hopp in den Kraichgau. Bei Sport1.de spricht Hoffenheims Geschäftsführer über den steilen Aufstieg seines Klubs, die Neider und Visionen.

Sport1: Herr Rotthaus, Sie sind in nur zwei Jahren in Hoffenheim zum wichtigen Strippenzieher geworden. Wie kamen Sie zur TSG?

Jochen A. Rotthaus: Als ich noch beim VfB Stuttgart Geschäftsführer war, hat mir Dietmar Hopp eine SMS geschickt und mich gefragt, ob ich mitmachen möchte. Nachdem er mir seine Pläne mit 1899 Hoffenheim geschildert hatte, hatte ich zwar schlaflose Nächte, konnte aber nicht nein sagen. Es war ein Risiko, denn ich hatte noch einen Vertrag bis 2008 beim VfB. Stuttgart war zu dem Zeitpunkt in der Champions League und Hoffenheim in der Regionalliga. Aber ich sah hier die Chancen, einiges zu bewegen und wollte mich unbedingt mit einbringen. Nach zwei Jahren sage ich: Danke für diesen Gänsehaut-Job.

Sport1: Wie ist es vor der Heimpremiere gegen Mönchengladbach um die Erstliga-Euphorie in der 3300-Seelen-Gemeinde bestellt?

Rotthaus: Wir werden ja wegen des Baus unserer eigenen Arena bis Januar neun Heimspiele im Mannheimer Carl Benz-Stadion absolvieren. Aber wir haben schon über 13.000 Dauerkarten verkauft. Offenbar freut sich die ganze Region um Mannheim wieder auf Spitzenfußball. Wir wollen die hart gesottenen Fans von Waldhof Mannheim nicht von ihrem Lieblingsverein weglocken, aber vielleicht doch etwas von unserer attraktiven Spielweise begeistern.

Sport1: Wie hat die Wirtschaft auf den Aufstieg reagiert?

Rotthaus: Wir haben eine doch bemerkenswerte Anzahl an neuen Sponsoren, konnten unsere Sponsoring-Einnahmen um weit über 100 Prozent steigern. Unter anderen dank unseres neuen Haupt- und Trikot-Sponsors.

Sport1: Inwiefern ist der Klub noch von SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp abhängig?

Rotthaus: Die Meinung vieler, SAP macht bei der TSG Hoffenheim alles, entspricht nicht der Wahrheit. Dietmar Hopp bekleidet dort ja kein offizielles Amt mehr. Sicherlich sind die Anfangsinvestitionen durch Herrn Hopp getätigt worden und haben uns überhaupt ermöglicht, so zu denken und zu arbeiten, wie wir es jetzt tun. Aber wir sind dabei, uns wirtschaftlich unabhängig zu machen. Dank anderer Firmen haben wir starke Zuwachsraten und sind für einen Aufsteiger schon ganz gut aufgestellt.

Sport1: Dennoch gibt es immer noch Skeptiker, die vom Retortenverein sprechen.

Rotthaus: Ärgerlich, weil es nun mal nicht stimmt. Die TSG Hoffenheim ist sogar ein Jahr älter als der große FC Bayern. Dietmar Hopp hat hier früher selbst gespielt, sein erstes Tor geschossen, die ersten Würstchen mit verkauft. Sein Elternhaus steht nur 200 Meter vom Stadion. Also alles weit vor seiner erfolgreichen SAP-Zeit. Bei ihm ist alles authentisch ? da sind viele gewachsene Emotionen im Spiel, nicht nur Geld.

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