vergrößernverkleinern
Jubel-Zeit: Die Hertha-Profis feierten in dieser Saison schon 15 Siege © getty

Viele Typen - eine Mannschaft. Lucien Favre hat in Berlin ein starkes Kollektiv geformt. Sport1.de stellt Spieler für Spieler vor.

Von Dustin Werk

Berlin - Ein Tänzchen im Kreise der Spieler - so etwas wagt ein Trainer im Profifußball nur, wenn die Chemie stimmt.

Lucien Favre wirbelte nach dem 1:0-Sieg über Bayer Leverkusen angefeuert von seinen Spielern.

Das wirkte nicht aufgesetzt und keiner hat danach behauptet, dass der Hertha-Trainer dadurch an Autorität eingebüsst habe.

Denn der Schweizer hat mit viel Umsicht und Akribie in Berlin eine Mannschaft geformt, die in der Gesamtheit stärker ist als in der Summe der Einzelteile.ad

Löw: "Favres Handschrift ist klar zu erkennen"

Auch Bundestrainer Joachim Löw traut Hertha BSC nun den großen Wurf zu, wie er im Sport1.de-Interview sagte. ("Hertha kann Meister werden")

"Ich wusste aus der Schweiz, dass sich die Spieler unter Lucien Favre enorm weiterentwickeln, wenn er über einen längeren Zeitraum mit einer Mannschaft arbeiten kann", erklärte Löw Favres Arbeitsweise.

"Jetzt ist seine Handschrift auch in Berlin klar zu erkennen, daher hat die Hertha eine gute Entwicklung genommen." Doch außer Kapitän Arne Friedrich, Abwehr-Ass Josip Simunic und Torgarant Andrej Voronin sind die meisten Eckpfeiler des Erfolgs einer großen Öffentlichkeit kaum bekannt.

Sport1.de stellt das Team des Tabellenführers vor - von Keeper Jaroslav Drobny bis zu den Talenten Patrick Ebert und Marc Stein.

Torhüter Jaroslav Drobny (29 Jahre): Der große Rückhalt. Der Tscheche führt die Liga mit 83 Prozent gehaltener Torschüsse an. Einige Male rettete "Jesus", wie ihn sein Trainer nach dem Hinspiel gegen Leverkusen nannte, die Siege für Hertha. In der Kabine sorgt der sonst so ruhig wirkende Keeper für die Stimmung. Er ist der Mannschafts-DJ. Bezeichnend: Nachdem Sieg gegen die Bayern antwortete Maximilian Nicu wie denn gefeiert wird mit: "Fragt den Drobny".

Marc Stein (23): Wurde vom Berliner Boulevard aufgrund seines BWL-Studiums "Ein-Stein" getauft. Im Sommer ablösefrei mit dem Prädikat "zukünftiger Nationalspieler" von Rostock zu Hertha gewechselt. Zunächst konkurrenzlos auf der Linksverteidiger-Position, spielt der gebürtige Potsdamer inzwischen rechts. War mal brandenburgischer Jugendmeister im Weitsprung.

Rodnei (23): Den Brasilianer entdeckten die Berliner in Polen, sollte zunächst nur als Ergänzungsspieler fungieren. Im Winter stand ein Wechsel unmittelbar bevor. Trainer Favre brachte den 1,90 Meter-Mann völlig überraschend gegen Bayern als Linksverteidiger. Seitdem hat er keine Minute mehr verpasst. Körperlich hoch veranlagt, Defizite im taktischen Bereich.

Josip Simunic (31): Seit 2000 im Verein und der vielleicht momentan beste Abwehrspieler der Bundesliga. Technisch absolute Weltklasse. Geriet vor zwei Jahren nach vier Platzverweisen in acht Monaten als Treter der Liga in Verruf. Favre wollte ihn verkaufen. Dank der Hilfe eines Mentaltrainers ist der in Canberra/Australien geborene Kroate mit sich im Reinen. Kann im Sommer für eine festgeschriebene Ablösesumme von sieben Millionen Euro wechseln.

Arne Friedrich (29): Der Kapitän. Er ist auch zum Leader der Mannschaft gereift. Nach nur zwei Bundesligaeinsätzen nominierte ihn Rudi Völler 2003 für die Nationalmannschaft, für die er bis heute 64-mal auflief. Einst Rechtsverteidiger bildet er mit Simunic das beste Abwehr-Duo der Liga. Jetzt plant auch Löw mit dem Berliner in der Zentrale.

Patrick Ebert (22): Ging durch die Hertha-Schule und ist seit elf Jahren im Verein. Gilt als großes Talent und zukünftiger Nationalspieler. Versucht es zu oft auf die komplizierte Art, spielt aber inzwischen häufiger schnörkelloser und direkter. Ist mit einer überragenden Schusstechnik ausgestattet und mit sieben Vorlagen in nur 13 Spielen der Chef-Assistent.

Pal Dardai (33): In Berlin gibt es eine Regel: Spätestens am achten Spieltag ist Dardai wieder Stammspieler. Der Ungar stieg mit Hertha 1997 auf, wurde oft abgeschrieben, aber weder Röber, Götz, Stevens oder Favre konnten auf den Kämpfer verzichten. Der Rotwein-Liebhaber lehnte 2000 ein Angebot des FC Bayern ab. Kann nächstes Jahr Michael Sziedat als meist eingesetzten Herthaner mit 280 Einsätzen ablösen.

Cicero (24): Laut Dieter Hoeneß eine "Granate". Im Sommer von Fluminense für 800.000 Euro ausgeliehen, gibt der Brasilianer der Hertha im Mittelfeld viel Ballsicherheit. Galt in seiner Heimat als bester Kopfballspieler der Liga. Im Elfmeterschießen im Finale der Copa Libertadores 2008 war er der einzige, der für seine Mannschaft verwandelte. In der Halbzeit des Hannover-Spieles hielt er eine dreiminütige Brandrede auf Portugiesisch. Danach gewann Hertha 3:0.

Maximilian Nicu (26): Die Überraschung in Berlin. Aus Wehen geholt ist der gebürtige Oberbayer ein Allrounder im Mittelfeld und mit sechs Torvorlagen äußerst gefährlich. Der Torschützenkönig der Regionalliga Süd 2006 wird voraussichtlich Ende März für Rumänien, dem Land seiner Eltern, sein Länderspiel-Debüt geben.

Raffael (23): Lieblingsschüler von Favre, der ihn 2005 vom FC Chiasso nach Zürich holte und dort mit ihm zweimal Schweizer Meister wurde. Folgte dem Trainer ein halbes Jahr später nach Berlin. Überragender Techniker, der als Torschütze und Vorbereiter glänzt.

Andrej Voronin (29): Hat Marko Pantelic als Herthas Top-Torjäger abgelost. Der Ukrainer ist mit seiner Lauffreude wichtig für das Pressing von Favre und Vorbild, vor allem für die jungen Kollegen. Kollege Dardai hat bereits verkündet, dass Voronins Zopf im Falle der Meisterschaft abgeschnitten und im Hertha-Museum ausgestellt wird. Seine Frau legte aber bereits ihr Veto ein.

Marko Pantelic (30): Hat den Machtkampf mit Favre endgültig verloren. Einst hing Hertha am Tropf seiner Tore, zuletzt eroberte Berlin die Tabellenspitze ohne den verletzten Serben. Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Favre ist kein Fan von dem divenhaften egozentrischen Auftreten des Stürmers. Führt zusammen mit Bruno Labbadia die Liste der am meisten in Folge verschossenen Elfmeter in der Bundesliga an (4).

Gojko Kacar (22): Der Serbe ist das Juwel der Hertha. Im Januar 2008 von Novi Sad verpflichtet, ist er zur festen Größe im Mittelfeld geworden. Seine Spielübersicht und Veranlagung wird mit Arsenals Cesc Fabregas verglichen. Hat bereits fünf Saisontore erzielt. Fehlte zuletzt drei Monate nach einem Zusammenprall mit KSC-Torwart Markus Miller und einer Knieverletzung.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel