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Jan Schindelmeisers erste Station als Manager war Eintracht Braunschweig (1996 bis 1998) © imago

Bei Sport1.de erklärt 1899-Manager Jan Schindelmeiser, warum in Hoffenheim trotz diverser Rückschläge niemand pessimistisch ist.

Von Daniel Rathjen

München - Kein Verein wirbelte die Liga in der Hinrunde so durcheinander wie 1899 Hoffenheim (Vereinsseite).

Vor dem FC Bayern wurde der Aufsteiger aus dem Kraichgau Herbstmeister und gehörte damit zwangsläufig zu den Favoriten auf die Meisterschaft.

Doch die Crew von Trainer Ralf Rangnick muss aktuell diverse Rückschläge verkraften.

Die Vorbereitung verlief zäh, phasenweise stand nur die halbe Mannschaft auf dem Trainingsplatz. Nach sieben Spielen belegt Hoffenheim mit acht Punkten nur Rang zehn in der Rückrundentabelle (Ergebnisse und Tabelle).

Gerade in der neuen Arena 55311(die Bilder) sprang bislang nur ein dreifacher Punktgewinn gegen Energie Cottbus heraus.

Nicht zuletzt auch, weil mit Vedad Ibisevic (Kreuzbandriss) ein entscheidender Mann verletzt fehlt.

Doch das junge Team steckt nicht auf: "Jetzt kommt es darauf an, sich gegen Widerstände zu behaupten", sagt Manager Jan Schindelmeiser zu Sport1.de.

Im ausführlichen Sport1.de-Interview spricht der 45-Jährige über Trainerkritik, Siegermentalität und Frust.

Sport1.de: Herr Schindelmeiser, in Hoffenheim gab es schon harmonischere Tage. Immerhin ist jetzt das Urteil in der "Dopingtest-Affäre" gefallen. Sind Sie damit zufrieden?

Jan Schindelmeiser: Ich glaube, dass es ein salomonisches und kluges Urteil ist. Ich hoffe, dass Andreas Ibertsberger und Christoph Janker damit endgültig aus der Schusslinie sind und das Thema beendet ist.

Sport1.de: Auch sportlich gab es zuletzt Turbulenzen, Tobias Weis hat nach dem Spiel gegen Frankfurt öffentlich Trainerkritik geübt. Wie haben Sie das aufgenommen und wie gehen Sie damit um?

Schindelmeiser: Tobi hat sich etwas unglücklich geäußert und dafür bereits entschuldigt. Wir haben dies intern besprochen. Er wird daraus lernen.

Sport1.de: Welche Eigenschaften sind gefragt, um nicht nach unten durchgereicht zu werden?

Schindelmeiser: Ich habe nicht den Eindruck, dass sich unsere Mannschaft nach unten durchreichen lässt. Wir haben in den letzten Wochen einige Male richtig guten Fußball gespielt - gegen Stuttgart und Dortmund auswärts oder gegen Werder zuhause. Da konnten wir phasenweise an die Leistungen aus der Hinrunde anknüpfen.

Sport1.de: Sind die vielen Verletzungen ausschlaggebend dafür, dass die Resultate in der Rückrunde bislang eher dürftig sind?

Schindelmeiser: Wenn wie zuletzt Vedad Ibisevic, Chinedu Obasi, Luiz Gustavo, Tobias Weis und Sejad Salihovic ausfallen, ist das für unseren kleinen Kader ein großer Substanzverlust. Wir beschweren uns nicht darüber, sondern schenken denjenigen das Vertrauen, die auf dem Platz stehen. Und die machen ihren Job großartig. Aber es ist doch klar, dass wir in dieser Konstellation nicht genau so aufspielen können wie in der Vorrunde mit voller Besetzung.

Sport1.de: Frustriert Sie das?

Schindelmeiser: Wir haben vor zwei Jahren noch Regionalliga gespielt. Nun stehen wir im oberen Viertel der Bundesligatabelle. Wie könnte man da frustriert sein? Auf Rückschläge waren wir vorbereitet. Jetzt kommt es darauf an, sich gegen Widerstände zu behaupten. Für die Mannschaft ist dies auch eine Chance, sich weiterzuentwickeln, daran zu wachsen.

Sport1.de: Woraus schöpfen Sie Zuversicht?

Schindelmeiser: Unsere Mannschaft ist immer noch hungrig. Die Atmosphäre ist sehr gut. Die Jungs haben sich von den Rückschlägen - insbesondere im personellen Bereich - nicht unterkriegen lassen. Und sie haben noch Luft nach oben. Ein Dreier gegen Hannover würde sie zusätzlich beflügeln. Durch die Länderspielpause steigt die Chance, dass sich die Personalsituation weiter entspannt.

Sport1.de: Sehen Sie 1899 noch als Titelkandidat?

Schindelmeiser: Was meinen Sie mit "noch"? Wir haben uns zu keiner Zeit als Titelaspiranten gesehen. Dieser Erwartungshaltung kann unsere junge Mannschaft gar nicht gerecht werden. Wir sehen aber auch die Wertschätzung, die darin zum Ausdruck kommt. Die Jungs haben so viele Sympathien für sich und den Club gewonnen. Dieses Vertrauen möchte die Mannschaft zurückgeben. Sie spüren auch ein Stück Verantwortung, diese Menschen nicht zu enttäuschen.

Sport1.de: Wie erklären Sie sich dann die angemahnte zwischenzeitliche Überheblichkeit?

Schindelmeiser: Unsere Mannschaft ist weit davon entfernt, überheblich zu sein. Der exzellente Tabellenplatz nach der Hinrunde hat den klaren Blick für die Wirklichkeit vielleicht ein wenig verzerrt. Wer will es den Jungs verdenken? Auch die Begehrlichkeiten der Medien sind nicht geringer geworden.

Sport1.de: Aber Sie geben jetzt nicht den Medien die Schuld an den Ergebnissen?

Schindelmeiser: Nein, aber wir müssen eine gute Balance herstellen zwischen öffentlichem Interesse und dem Interesse des Clubs. Wir können und wollen uns niemandem verschließen. Im Prinzip heißt es aber schon auch für jeden Einzelnen: Back to the roots, Konzentration auf das Wesentliche.

Sport1.de: Was nimmt sich Hoffenheim jetzt gegen Hannover 96 vor?

Schindelmeiser: Hannover hat nur noch drei Punkte Abstand zum Relegationsplatz. Dies spiegelt aber nicht das Leistungsvermögen dieser Mannschaft wider. Eingedenk unserer aktuell nicht ganz einfachen Personalsituation wird dies ein weiterer Härtetest. Wir werden an unsere Grenzen gehen müssen, um Hannover 96 in Verlegenheit zu bringen. Die letzten Wochen waren turbulent. Ein Dreier würde uns sehr gut tun und die Mannschaft für Ihr Engagement in den zurückliegenden Spielen belohnen.

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