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Wird Kahn neuer Manager auf Schalke? S04-Boss Tönnies (r.) traf sich mit Kahn © imago

Tönnies sieht sich in den Verhandlungen mit dem Manager-Kandidaten auf einem guten Weg. Eine Entscheidung wird aber vertagt.

Von Christian Paschwitz

München - Auch wenn die Verantwortlichen des FC Schalke 04 (zur Vereinsseite) eine Entscheidung erst in zwei drei Wochen fallen wollen:

Die Nachfolger-Suche für den geschassten Manager Andreas Müller wird immer konkreter - und Oliver Kahn ist dabei ein ganz heißer Kandidat:

"Kahn ist ein geiler Typ, und wir sind total d'accord", sagte Clemens Tönnies am frühen Donnerstagnachmittag nach Verhandlungen in seiner ostwestfälischen Heimatstadt Rheda-Wiedenbrück. "Wir haben ein Konzept besprochen, und das passt alles gut"

Zugleich meinte Schalkes Aufsichtsratsboss aber auch: "Wir sondieren weiter den Markt. Wir haben uns darauf verständigt, dass wir in zwei bis drei Woche nochmal telefonieren. Wir wollen aber noch mit anderen Kandidaten sprechen."

"Das passt schon alles"

Eine seltsame Mischung aus Euphorie und Zurückhaltung, zu der auch Kahn seinen Teil beitrug: Der Ex-Profi des FC Bayern hat großes Interesse an dem Posten beim krisengeschüttelten Klub.

Nach der Zusammenkunft im Königs Hotel am Schlosspark erklärte Kahn bei "Spiegel online", es habe bereits "mehrere Gespräche" gegeben. "Ja, das passt schon alles." Noch gibt es "nichts Definitives" zu verkünden.

Klar sei aber auch, dass er mit Schalke "keine Gespräche über die schöne Gegend um Gelsenkirchen" führe.

Es geht darum, "wie man sich verwirklichen kann"

Es reize ihn "vor allem, mit einer Mannschaft zu arbeiten. Das halte ich für sehr interessant. Ob man so etwas macht, hängt von vielen Faktoren und Facetten ab", so Kahn. "Es geht darum, was man als Voraussetzung dort vorfindet, und wie man sich dort dann verwirklichen kann."

Und weiter: "Was wir geführt haben, war ein Informationsgespräch, nicht mehr und nicht weniger."

Weniger eingehen wollte Kahn darauf, dass eine Entscheidung zugunsten eines königsblauen Engagements nicht nur für ihn als Manager-Novize brisant wäre. Dass sie auch für den S04 möglicherweise eine schwerwiegendere Bedeutung hat, anstelle eines Manager-Schwergewichts Kahn zu holen.

Von China nach Rheda

"Für Schalke geht es um viel. Man hat sich von Manager Andreas Müller getrennt und muss in Kürze die neue Saison auf den Weg bringen. Da gibt es wie bei allen Klubs viel zu tun", sagte der frühere Nationaltorwart (86 Länderspiele).

Der 39-Jährige, der im Sommer nach 557 Bundesliga-Partien seine aktive Laufbahn beim FC Bayern beendet hatte, war im Anschluss an eine China-Reise unmittelbar nach Rheda gereist.

Schon vor einigen Wochen hatte Kahn Gerüchte um seinen Einstieg als Schalker-Manager ("Ich lasse alles auf mich zukommen" ) nicht wirklich zerstreut.

Wobei die öffentliche Meinung darüber kontrovers ist: Laut einer Sport1.de-Umfrage (Stand: Donnerstag, 14 Uhr) hielten 55 Prozent von knapp 14.000 Usern Oliver Kahn für den richtigen Mann als Schalke-Manager.

Bedingungsloser Erfolgshunger

Einiges spricht nun dafür, dass Kahn den Job in Gelsenkirchen macht: Kahn hat sich in seiner zwei Jahrzehnte langen Profi-Karriere viel Autorität verschafft. 11615(zur DIASHOW: Titel, Tritte, Temperamente)

Der "Titan" verfügt zudem über Kontakte in die ganze Welt und steht für bedingungslosen Erfolgshunger (unter anderem einmal Champions-League-Sieger, Vizeweltmeister, Europameister, achtmal deutscher Meister).

Abgesehen von seiner fehlenden Erfahrung passt Kahn ins Schalker Anforderungsprofil an die Manager-Position, für die am Mittwoch auch Ex-Trainer Huub Stevens gehandelt worden war ("Ich bin jetzt frei, und wir hatten damals eine erfolgreiche Zeit").

Indirekte Empfehlung auch von Hoeneß

Auch Andreas Möller hatte sich für den Posten angedient (zum Artikel: Stevens zur Rückkehr bereit). Nun aber läuft es offenbar auf Kahn hinaus. Und: Kahn wäre ebenso sofort verfügbar.

Pikant allerdings: Der 39-Jährige war zuletzt auch als Nachfolger von Uli Hoeneß als Manager bei den Bayern (zur Vereinsseite) im Gespräch.

Denn: Auch in München würde Kahn offenbar ideal ins Anforderungsprofil der Stellenausschreibung passen. Zumal Hoeneß im Bayerischen Fernsehen sich kürzlich erst für einen jüngeren Kandidaten ausgesprochen hatte: Es sei nicht sinnvoll, "wenn ein 57-Jähriger aufhört, einen 58-Jährigen zu holen".

Rutten lehnt Doppelfunktion ab

Als seinen Erben sucht Hoeneß vielmehr "einen Mann um die 40, der den FC Bayern in den nächsten Jahren verändern kann". Wie zum Beispiel Kahn.

Schalkes Aufsichtsrat hatte Müller nach dessen Beurlaubung am 9. März am vergangenen Samstag auch offiziell abberufen. Schalke-Trainer Fred Rutten war zunächst mit einem Teil der Manager-Aufgaben betraut worden.

Der Niederländer hatte jedoch schnell durchblicken lassen, dass eine Doppelfunktion alles andere als nach seinem Geschmack ist.

Vorwurf: Verfehlte Transferpolitik

Müller hatte 2006 die Nachfolge von Rudi Assauer angetreten, wurde in den vergangenen Monaten aber für die Schalker Erfolgslosigkeit verantwortlich gemacht durch unter anderem verfehlte Transferpolitik.

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