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Wer ist/war eher geeigent fürs Manager-Amt auf Schalke: Kahn (re.) oder Müller? © getty

Wird der 39-Jährige tatsächlich Schalke-Manager, braucht er ganz besondere Fähigkeiten. Ob Kahn die hat - der Sport1.de-Check.

Von Christian Paschwitz

München - Oliver Kahn als Manager beim FC Schalke: Bayerns Ex-Profi verhandelte darüber mit S04-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies in dessen ostwestfälischer Heimat Rheda (zum Artikel: Schalke-Chef lobt: "Kahn ist ein geiler Typ").

Kahn spricht von einer Aufgabe auf Schalke, die "sehr interessant" ist. Ihn reize es "vor allem, mit einer Mannschaft zu arbeiten." Was für den 39-jährigen früheren Nationalkeeper ebebnso wichtig ist: "Es geht darum, was man als Voraussetzung dort vorfindet, und wie man sich dort dann verwirklichen kann."

Tönnies sagt: "Kahn ist ein geiler Typ und wir sind total d'accord! Wir haben ein Konzept besprochen und das passt alles gut."

Doch zwei Fragen müssen erlaubt sein: Was wiederum können die krisengeschüttelten Schalker mit Kahn verwirklichen? Und: Hat der einstige Weltklasse-Keeper tatsächlich das Zeug dazu, als Manager-Novize ein Bundesliga-Flaggschiff in ruhiges Fahrwasser zu manövieren? (zur Vereinsseite)

Kurzum: Ist Kahn dazu imstande, das zu erreichen, was seinem potenziellen Vorgänger Andreas Müller versagt geblieben war? Sport1.de analysiert die Lage.

Erfahrung:

Kahn würde als Manager-Greenhorn praktisch bei null anfangen, müsste sich in ein fremdes Tagesgeschäft einarbeiten. Dazu in einem ihm fremden Verein, dessen Umfeld er nicht kennt.

Müller durfte als "Assistent" bei Rudi Assauer immerhin einige Jahre in die königsblaue Lehre gehen, wurde langsam an seine erstmalige Chef-Aufgabe herangeführt.

So wie es Uli Hoeneß für Kahn einst auch bei den Bayern (zur Vereinsseite) angedacht hatte. Müllers Vorteil: Er kannte Schalkes Strukturen, spielte auch einige Jahre bei den "Knappen", gewann mit ihnen den UEFA-Cup (1997).

Fachkompetenz:

Sowohl Kahn als auch Müller haben nie eine "klassische Management-Ausbildung" genossen, wie sie in der freien Wirtschaft unabdingbar ist.

Allerdings umfasst das Know-how eines Bundesliga-Managers auch eher andere Kriterien: Allen voran Spielerverhandlungen, Kader- und Etat-Planung, Öffentlichkeits- und Sponsorenarbeit. Kahn kennt das Geschäft bestens von der anderen (Spieler-)Seite.

Und er hat anders als Müller zudem das theoretische Verständnis über die großen wirtschaftlichen Zusammenhänge: Schließlich absolvierte Kahn über mehrere Jahre ein BWL-Fernstudium an der Fernuniversität Hagen - allerdings ohne Abschluss.

Öffentliche Wahrnehmung:

Kahn kennt jeder, auch der Fußball-Uninteressierte. Er ist in Asien, wo er sich nun eigentlich seinem Torhüter-Casting widmen wollte, bald noch populärer als im Rest der Welt. Kahn hat das Gesicht des FC Bayern über Jahre geprägt, steht für eine absolute Sieger-Mentalität.

Ein ähnliches Image könnte er nun dem als Chaos-Verein verschrieenen FC Schalke verpassen. Bei der WM 2002 wurde Kahn nach überragenden Leistungen zum "Titan" hochstilisiert, sorgte überdies in den Klatschblättern wegen ehelicher Turbulenzen für Schlagzeilen.

Müller zählt zwar zu den siegreichen "Eurofightern", ist ansonsten aber nur Fußball-Fans bekannt.

Ausstrahlung/Autorität:

Ex-Teamkollege Daniel van Buyten sähe ihn lieber wieder bei den Bayern, meint aber zu Sport1.de über Kahn: "Er ist ein Gewinnertyp und macht keine halben Sachen. Zudem kann er durch Ausstrahlung und seinen Namen viel bewegen."

Gerade Kahns beispiellose Profi-Karriere (unter anderem Champions-League-Sieger, Vizeweltmeister, Europameister, achtmal deutscher Meister) dürfte ein großes Plus auch andernorts sein. Auf dem Platz war er ein "Besessener", der nie aufgab. Eine Respektsperson sowieso, Kahn auf der Nase herumzutanzen wagte niemand.

Seine Aussprüche "Immer weiter" und "Männer, wir brauchen Eier" passen zur Schalker Malocher-Mentalität. Und Schalke braucht gerade jetzt jemanden, der glaubwürdig die Ärmel hochkrempelt.

Müller wirkte dabei vor allem zum Schluss blutleer und mit seinem Latein am Ende.

Sozialkompetenz:

Auch auf dem rauen Schalke ist diplomatisches Geschick und Einfühlungsvermögen zwar wichtig. Um die königsblaue Gemengelage vieler starker Egos im Zaum zu halten, scheint bisweilen aber auch annähernd Brachialgewalt vonnöten.

Auf den Tisch zu hauen und Ellbogen auszufahren, ist Kahn noch nie schwergefallen 11615(zur DIASHOW: Titel, Tritte, Temperamente).

Wann sich professionelle Zurückhaltung gebietet, weiß der 39-Jährige aber genauso als langjähriger Mannschaftskapitän und verlängerter Arm von Ex-Coach Ottmar Hitzfeld.

Prognose:

Schalke sondiert weiter den Markt und wird laut Tönnies "in zwei bis drei Wochen" noch mal mit Kahn telefonieren.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass Oliver Kahn neuer Manager bei Schalke wird, ist sehr hoch", sagt der Aufsichtsratschef bei "Bild".

Der "Titan" steht vor einer Rückkehr in die Bundesliga - es scheint nur noch noch eine Frage der Zeit.

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