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Zunge raus - und bald zu den Bayern: Gladbachs "Zehner" Alexander Baumjohann © getty

Bayerns Neuer aus Gladbach gibt sich locker vor der künftigen Herausforderung. Bis dahin gilt sein Augenmerk aber nur Borussia.

Von Daniel Rathjen

München - Er versucht sich ab kommender Saison bei keinem geringeren Klub als dem deutschen Rekordmeister.

Doch Gladbachs Alexander Baumjohann (Porträt) sieht seine Zukunft beim FC Bayern (zur Vereinsseite) unter einem guten Stern: "Ich weiß, was ich kann", sagt der 22-Jährige selbstbewusst im Interview mit Sport1.de.

Dass nicht wenige bei den Bayern sich zunächst mit der Reservisten-Rolle zufrieden geben mussten, schreckt Baumjohann nicht. Schließlich hatten ihm Rudi Assauer ("der nächste Ballack, das größte Talent seit Olaf Thon") und sein Mentor Jupp Heynckes einst eine große Karriere prophezeit.

Und Baumjohann selbst sagt: "Ich bin fest davon überzeugt, dass ich mich auch bei Bayern durchsetze."

Ein Zehner wie Zidane

Vor dem Spiel gegen den VfL Bochum (ab 20 Uhr LIVE) verrät der Westfale aus Waltrop zudem seine Erwartungshaltung im Abstiegskampf mit Gladbach, seinen Umgang mit Exzentrik-Trainer Hans Meyer - und warum er als Kind ein Zehner wie Zinedine Zidane sein wollte.

Sport1.de: Herr Baumjohann, viele haben Mönchengladbach schon abgeschrieben, jetzt ist der Klassenerhalt wieder greifbar. Wie kam es zur Wende?

Alexander Baumjohann: Wir haben immer an uns geglaubt, auch in der Hinrunde. Auch da haben wir gute Spiele abgeliefert. Nur die Ergebnisse haben eben nicht gestimmt. Wir haben unseren Optimismus nicht verloren, elf Punkte in der Rückrunde gesammelt. Und jetzt sind wir wieder dran.

Sport1.de: War der Trainerwechsel entscheidend?

Baumjohann: Sicher. Er hat uns in der Vorbereitung gesagt, was er mit uns vorhat ? zudem haben wir uns gut verstärkt. Insgesamt lassen wir hinten weniger zu, sind also defensiv stabiler geworden, so dass wir nicht immer drei Tore schießen müssen, um ein Spiel zu gewinnen.

Sport1.de: Inwiefern profitieren Sie von der gestärkten Defensive?

Baumjohann: Mir gibt das mehr Kraft und Selbstvertrauen. Ich habe nicht mehr das Gefühl, ständig auf die Defensive achten zu müssen. So kann ich mich besser auf meine Offensivqualitäten konzentrieren.

Sport1.de: Jetzt ist der VfL Bochum zu Gast: Ist Mönchengladbach nun sogar Favorit?

Baumjohann: Gerade das wird die Partie so schwierig machen. Zuletzt waren wir immer Außenseiter. Aber es ist alles drin. Ein frühes Tor würde uns sicherlich in die Karten spielen. Und: Wir sind 2009 zuhause noch ungeschlagen.

Sport1.de: Wie kommen Sie mit Hans Meyer zurecht?

Baumjohann: Nach außen mag er auf einige schwierig wirken. Aber er hat überall, wo er war, Erfolg gehabt. Der gibt ihm Recht, und ich war nach seiner Verpflichtung fest davon überzeugt, dass wir auch in Mönchengladbach Erfolg haben werden. Geschafft haben wir zwar noch nichts, aber wir sind auf einem guten Weg.

Sport1.de: Wie laut wird es bei seinen Ansprachen in der Kabine?

Baumjohann: Er versucht uns natürlich schon zu motivieren. Das schafft er, und er ist deshalb genau der Richtige für uns in unserer Situation. Ich habe kein Problem mit ihm.

Sport1.de: Was schätzen Sie an einem Trainer denn eher: Kommunikationsfähigkeit oder Durchsetzungsfähigkeit?

Baumjohann: Ich hatte schon einige Trainer. Ich kann gar nicht sagen, was mir mehr liegt. Letztlich kann man sich den Coach ja nicht aussuchen und nicht verändern. Deswegen nehme ich es, wie es kommt.

Sport1.de: Brauchen Sie vielleicht auch jemanden, der Sie ständig reizt? Ihnen wird beizeiten eine lethargische Spielweise nachgesagt...

Baumjohann: Das weiß ich nicht. Ich bin einfach froh, dass Hans Meyer mir das Vertrauen schenkt und ich alle Spiele von Anfang an machen konnte.

Sport1.de: Betrübt es Sie, dass die aktuelle Mannschaft am Saisonende quasi wieder zusammenbricht? Sie gehen nach München, Marko Marin liebäugelt ebenfalls mit einem Wechsel...

Baumjohann: So ist das Geschäft. Es gibt wenige Mannschaften, die jahrelang mit der gleichen Formation spielen. Für uns ist nur wichtig, dass wir die Klasse halten. Für alles, was danach kommt, macht sich der Verein sicherlich seine Gedanken.

Sport1.de: Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor?

Baumjohann: Ich glaube an mich. Ich weiß, was ich kann und wusste auch immer, dass ich es schaffen werde. Deswegen bin ich fest davon überzeugt, dass ich mich auch bei Bayern durchsetze.

Sport1.de: Sie sind erstmals zur U 21 eingeladen worden. Was bedeutet das für Sie?

Baumjohann: Natürlich freue ich mich über die Einladung und auf die beiden Länderspiele. Aber im Vordergrund steht für mich im Moment ganz klar Borussia und unser Ziel, den Klassenerhalt zu schaffen.

Sport1.de: Beschäftigen Sie sich noch gar nicht mit München?

Baumjohann: Nein, auch das nicht. Ich stehe hier bis zum 30. Juni unter Vertrag. Bis dahin ist der FC Bayern für mich kein Thema.

Sport1.de: Wie schnell haben Sie Ihre Entscheidung zum Wechsel getroffen? Musste Uli Hoeneß Überzeugungsarbeit leisten?

Baumjohann: Wenn ein Verein wie der FC Bayern an einem interessiert ist, gibt es nicht viel zu überlegen. Natürlich habe ich mich gefragt, ob es für mich passen würde. Aber ich denke, dass Bayern das Beste für mich ist.

Sport1.de: Hat Jupp Heynckes Ihnen zu diesem Schritt geraten?

Baumjohann: Geraten nicht. Aber ich habe mit ihm natürlich darüber gesprochen. Er hat aber auch gesagt, dass es allein meine Sache ist.

Sport1.de: Fühlen Sie sich als echter Zehner?

Baumjohann: Definitiv, der ganz klassische Spielmacher. Als Kind haben mich Zinedine Zidane und Maradona fasziniert. So wollte ich auch werden.

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