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Claudio Pizarro ist aktuell vom FC Chelsea an Bremen ausgeliehen © getty

Ein Medienbericht belastet den Werder-Stürmer schwer: Er soll am Transfer von Roberto Silva 900.000 Dollar mitverdient haben.

Von Martin Hoffmann und Mathias Frohnapfel

München - Werder Bremens Torjäger Claudio Pizarro gerät immer mehr in Bedrängnis.

Die Vorwürfe, der Peruaner habe sich in verbotene Spielervermittler-Aktivitäten verstrickt, haben durch einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" eine neue Wucht bekommen.

Das Blatt hat belastende Dokumente veröffentlicht, die große Zweifel an Pizarros Darstellung aufkommen lassen, er sei bei der Spielervermittlungsagentur "Image" nur stiller Teilhaber gewesen.

Die belastenden Unterlagen beziehen sich auf den Transfer seines Landsmanns Roberto Silva, über den schon Ex-Werder-Boss Jürgen L. Born gestolpert ist (Rücktritt! Werder-Boss Born schmeißt hin).

Laut "SZ" geht aus ihnen hervor, dass der Pizarro an dem Deal rund 900.000 US-Dollar verdient haben soll.

30 Prozent an Silvas Transferrechten?

Aus einem der Dokumente, das 1:1 abgedruckt wurde, ist zu lesen, dass "Claudio Pizarro Bosio" 30 Prozent an den Transferrechten für Silva gehalten hat, die "Image" dessen früherem Klub Cristal Lima für 250.000 Dollar abgekauft hat.

Silva wechselte 2001 von Lima nach Bremen (Vereinsseite Werder Bremen), wofür Werder laut "SZ" 1,35 Millionen Dollar bezahlte.

Das Geld sei demnach an "Image" überwiesen worden - wobei Bremen nach Darstellung von Manager Klaus Allofs damals nicht wusste, dass Silva der Agentur und nicht mehr dem Verein gehörte.

895.000 Dollar an "CPB"

Dazu habe "Image" von Bremen Vermittlungshonorar von 135.000 Dollar und noch einmal 125.000 Dollar für einen vorab abgeschlossenen Beratervertrag erhalten.

Von dem bezahlten Geld sollen laut "SZ" mindestens 895.875 Dollar an Pizarro geflossen sein.

Das geht aus einem ebenfalls abgedruckten, handschriftlichen Dokument hervor, in dem mutmaßlich aufgeschlüsselt ist, wie das geflossene Geld verteilt wird.

Neben der besagten Summe stehen die Buchstaben "CPB", die vollständigen Initialen von Pizarro. Neben einem anderen Posten über 100.000 Dollar stehen die Initialen "JB", die auf Jürgen Born hindeuten.

"Wärmste Empfehlung" in neuem Licht

Dafür, dass die genannten Summen auch tatsächlich geflossen seien, gebe es laut "SZ" Überweisungsbelege - aufgehoben von Fiorella Fare, der Verflossenen von "Image"-Chef Carlos Delgado, die sich mit ihm einen Scheidungskrieg liefert.

Die Vorwürfe werfen die Frage auf, für welche Leistung Pizarro - dem als aktiven Spieler Vermittlertätigkeiten untersagt sind - die angeblich geflossenen 900.000 Dollar erhalten hat, wenn er in der Sache nicht beratend aktiv gewesen sein will.

Zuletzt erklärte Werder-Manager Klaus Allofs, dass Pizarro bei dem Silva-Transfer keine Rolle spielte. Er habe ihn zwar über seinen Landsmann und ehemaligen Klubkameraden befragt, aber die Antwort bekommen: "Du, ich kenne den gar nicht richtig."

Zeitungsberichte von damals widersprechen dieser Version: So schrieb der "Weser-Kurier" 2001, dass Pizarro Allofs seinen Landsmann "wärmstens empfahl" - was durch die jetzt kursierenden Vorwürfe in einem ganz anderen Licht erscheint.

Bloße Beteiligung wäre wohl "in Ordnung"

Eine Reaktion von Werder Bremen auf die neuen Dokumente steht noch aus.

Vor der Veröffentlichung erklärte Aufsichtsratschef Willi Lemke noch gegenüber Sport1.de: "So wie es sich im Moment für mich als Aufsichtsratsvorsitzender darstellt, ist das alles mit dem geltenden Recht noch machbar, weil er nicht im operativen Geschäft gearbeitet hat."

Pizarros bloße Beteiligung an der Agentur scheine "in Ordnung zu sein". Das müsse von der FIFA geklärt werden: "Wir haben auch noch nicht alle Fakten auf dem Tisch."

Harte Sanktionen drohen

Sollte der Weltverband Verstöße gegen seine Regularien feststellen, droht Pizarro im schlimmsten Fall ein Verbot aller im Zusammenhang mit Fußball stehenden Tätigkeiten.

Auch Werder könnte bestraft werden - die Palette möglicher Sanktionen reicht von Geldstrafen über ein Transferverbot bis zu Punktabzug oder gar Zwangsabstieg.

"Schaden entstanden"

Das Image von Werder hat laut Lemke schon an der Affäre gelitten: "Auf jeden Fall ist ein Schaden durch die Diskussionen entstanden. Ob wir den weiter begrenzen können, hängt von der Entwicklung der nächsten Tage und Wochen ab."

Die Aufklärung der Affäre liegt Lemke am Herzen: "Als Aufsichtratsvorsitzender habe ich eine besondere Verantwortung. Wir machen das alles sehr eng abgestimmt, um uns nichts vorwerfen zu müssen. Ich habe daher die Hoffnung, dass wir das begrenzen können."

Eine Hoffnung, die sich inzwischen wohl schon verflüchtigt hat.

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