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Christoph Metzelder spielte für Dortmund, Schalke und Real Madrid © getty

Bei SPORT1 erklärt Metzelder die Gemeinsamkeiten seiner Ex-Klubs BVB und S04. Zudem spricht er über ihre Transferpolitik.

Von Marcel Guboff

Hamm ? Die Erzrivalen FC Schalke und Borussia Dortmund sind ähnlicher, als es ihnen wohl lieb ist.

Zumindest nach Ansicht von Christoph Metzelder. Der Ex-Nationalspieler weiß, wovon er spricht. Schließliich spielte er in seiner aktiven Karriere für beide Vereine.

"Auf Schalke ist es sicherlich etwas nervöser", sagte der 33-Jährige im Gespräch mit SPORT1 über das Umfeld in Gelsenkirchen, um dann hinterherzuschieben: "Aber der Wahnsinn regiert eigentlich auch in Dortmund." Der Fußball werden in beiden Städten "unglaublich gelebt".

Dies führt zu Begeisterung, Leidenschaft - und immer wieder auch zu Unruhe. Eine weitere Gemeinsamkeit: Gemessen an den eigenen Ansprüchen spielten der BVB und S04 eine enttäuschende Hinrunde.

Vor der zweiten Halbserie analysiert Metzelder bei SPORT1, was besser werden muss. Und er spricht über die Transferpolitik der beiden Vereine.

SPORT1: Herr Metzelder, wie schätzen Sie die aktuelle Situation bei Ihren Ex-Klubs Dortmund und Schalke ein? Bei beiden lief es zuletzt ja nicht sonderlich gut.

Christoph Metzelder: Beide Vereine hatten mit enormen Verletzungsproblemen zu kämpfen. Schalke hat das mehr am Anfang der Hinrunde, Dortmund eher zum Ende hin getroffen. Ich denke, beide sind nicht zufrieden mit der Halbserie. Und wenn man Jürgen Klopp in den letzten Tagen gehört hat, ist das schon sehr angriffslustig und kampflustig. Ich glaube, dass gerade Borussia Dortmund in der Rückrunde ein anderes Gesicht zeigen möchte.

SPORT1: Was müssen die Dortmunder tun, damit es wieder bergauf geht?

Metzelder: Ich glaube, dass Borussia Dortmund in den letzten Jahren mit unheimlich viel Aufwand Fußball gespielt hat. Und das hat den deutschen Fußball noch einmal umgekrempelt. Viele Mannschaften waren in der Anfangszeit geradezu überfordert mit der Spielweise der Dortmunder. Mittlerweile - gerade wenn man sich das Spiel gegen die Hertha (Dortmund verlor die Partie gegen Berlin am 17. Spieltag 1:2, Anm. d. Red.) anschaut - finden andere Teams Mittel dagegen.

SPORT1: Der BVB erweckte zuletzt den Eindruck, dass ihnen der Überraschungsmoment gefehlt hat - gerade gegen defensiv agierende Mannschaften.

Metzelder: Vor einigen Jahren haben viele Mannschaften noch gegen Dortmund mitgespielt. Da war das Gegenpressing, das schnelle Kontern, möglich. Heute wissen viele Gegner dann gerade im Westfalenstadion, was sie erwartet. Sie stehen dann sehr defensiv, und da fehlt Borussia Dortmund auch manchmal das eine oder andere spielerische Mittel - und gerade in den letzten Wochen auch die spielerische Frische und personelle Qualität.

SPORT1: In Robert Lewandowski, der im Sommer zu den Bayern wechselt, fehlt der Borussia bald ihr Top-Stürmer. Wie können Sie diesen Verlust kompensieren, mit einem Kracher oder eher einem jungen Talent?

Metzelder: Auf diesem schmalen Grat hat sich Borussia Dortmund schon in der Transferperiode im Sommer bewegt. Ich finde, sie haben das gut gemacht. Diese absoluten Schnäppchen a la Kagawa wird es nicht mehr geben. Das gilt jetzt auch für das kommende Jahr. Sie hatten genug Zeit, um sich darauf vorzubereiten. Und man kann davon ausgehen, dass sie einige mögliche Nachfolger in der Pipeline haben. Wie schnell er funktioniert? Das hat man auch bei Robert Lewandowski gesehen: Das kann schon ein Jahr dauern.

SPORT1: Kommen wir zum FC Schalke. Wie erklären Sie sich das ständige Auf und Ab bei Königsblau?

Metzelder: In den drei Jahren, in denen ich dort war, war es ja auch so. Das gehört schon ein bisschen zur Genetik des Vereins. Das macht es auf der einen Seite unheimlich spannend, auf der anderen Seite verzweifeln auch viele Fans an dem, was Schalke 04 die eine Woche so, die andere Woche so bietet. Ich glaube, das können wir auch in der Rückrunde erwarten. Ich hoffe aber, dass sie gerade im Defensivverhalten das eine oder andere verbessern und sich langsam wieder an die ersten vier Positionen heranarbeiten.

SPORT1: Nach starken Verpflichtungen wie zuletzt der von Kevin-Prince Boateng oder jetzt Sidney Sam glaubt man jedes Mal: Jetzt muss doch mal Konstanz hereinkommen und nach vorne gehen.

Metzelder: Andere Mannschaften ihre Sachen in der Entwicklung besser gemacht. Aber ich glaube, dass das Potenzial bei Schalke 04 sehr, sehr groß ist. Wenn man sich auch anschaut, was an jungen, fantastisch ausgebildeten Spielern schon hochgekommen ist oder auch sicher in den nächsten Jahren in den Startlöchern steht. Ich wünsche den Verantwortlichen auch den Mut, auf diese Jungs zu setzen.

SPORT1: Die Diskussion um Trainer Jens Keller ist erst einmal beendet. Inwieweit hat das die Mannschaft zuletzt beeinflusst, und inwiefern könnte das nun für mehr Ruhe sorgen?

Metzelder: Ich glaube schon, dass es eine Mannschaft durchaus nervt, wenn sie ständig Fragen zum Trainer und dessen Zukunft beantworten muss, die man selbst gar nicht beantworten kann. Das ist daher nun eine klare Aussage bis zum Saisonende: Die Mannschaft weiß, woran sie ist, und es gibt in dieser Richtung auch keine Alibis mehr.

SPORT1: Inwiefern spielen das Umfeld auf Schalke und in Dortmund eine Rolle?

Metzelder: Auf Schalke ist es sicherlich etwas nervöser. Aber ich glaube, beide sind sich ähnlicher, als es ihnen vielleicht lieb ist. Es sind beides Vereine, in denen Fußball unglaublich gelebt wird und wo die Vereine auch eine große Bedeutung im direkten Umfeld haben. Dortmund ist durch die Erfolge in den letzten Jahren etwas gesetzter, etwas ruhiger - vielleicht auch mit etwas mehr Kontinuität auf den entscheidenden Positionen. Aber der Wahnsinn regiert eigentlich auch in Dortmund.

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