vergrößernverkleinern
Bayerns Franck Ribery (l.) entwischt Karlsruhes Christian Eichner © getty

Auch wenn die Bayern nach dem Sieg gegen Karlsruhe Hertha im Nacken sitzen, offenbart der Rekordmeister doch erhebliche Probleme.

Von Christian Stüwe und Martin van de Flierdt

München - Es ist erst einige Tage her, dass Bayern München Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge gefordert hatte, Tabellenführer Hertha müsse den Atem des Rekordmeisters spüren.

Nach dem 1:0 (1:0)-Sieg gegen den Karlsruher SC und dem Patzer der Hertha gegen Stuttgart (Spielbericht: Tabellenführer Hertha stolpert in Stuttgart) sind die Münchner nun auf einen Punkt an den Spitzenreiter herangerückt.

Doch wenn die Hauptstädter die Leistung der Münchner gegen das Tabellenschlusslicht gesehen haben, dürfte der "bayrische Atem im Nacken" wohl eher ein laues Lüftchen sein.

Fast hätten die Münchner die drei Punkte sogar noch verspielt. Doch nachdem Michael Rensing in letzter Minute zum wiederholten Mal eine Flanke verpasst hatte, kratzte Ze Roberto den Ball von der Linie. (Spielbericht: Pflichtsieg für glanzlose Bayern)

Stindl verpasst den Ausgleich

Da Karlsruhes Lars Stindl auch aus kürzester Distanz den Abpraller nicht im Tor unterbrachte, werden die Meisterträume des FCB konkreter.

"Wir waren schlecht, aber wir haben gewonnen", erklärte Kapitän Mark van Bommel:

"In dieser Phase der Meisterschaft muss man diese Spiele gewinnen und das haben wir gemacht. Alles andere ist egal."

Dabei hatten die Gastgeber gut angefangen. Franck Ribery und Bastian Schweinsteiger wirbelten in der ersten Hälfte auf den Außenbahnen, der Franzose spielte Traumpässe am Fließband.

Sosa macht erstes Bundesligator

Einer davon erreichte Jose Ernesto Sosa (Porträt), der nach 34 Minuten sein erstes Bundesligator erzielte.

In der zweiten Hälfte tauchten Ribery und Schweinsteiger dann aber ab, der Franzose fiel in erster Linie durch einen Schlag ins Gesicht von Andreas Görlitz auf, der mit Gelb milde bestraft wurde.

"Die zweite Halbzeit war katastrophal. Wir hatten viel zu viele Abspielfehler", zeigte sich Rensing einsichtig.

Nach vorne ging nichts mehr, die einzige Spitze Lukas Podolski (21 Ballkontakte) blieb bis zur Auswechslung ohne Wirkung, auch Sosa gelang nach dem Tor nicht mehr viel.

Die Münchner Zuschauer begannen zu pfeifen und taten das auch nach dem Abpfiff. "Wir müssen uns beim Publikum entschuldigen", gab van Bommel zu.

Bayern macht's wie Hertha

Doch der Großteil der Bayern wollte sich für nichts zu entschuldigen: "Man muss auch gerade die Spiele gewinnen, die nicht so schön sind. So hat Hertha die letzten zehn Spiele gewonnen", meinte Manager Uli Hoeneß.

"Im Moment haben wir nicht den Anspruch schön zu spielen, wir wollen nur erfolgreich spielen."

Auch Trainer Jürgen Klinsmann nahm das Team in Schutz: "Das darf sich die Mannschaft auch mal erlauben."

Was man sich allerdings gegen Karlsruhe erlauben darf, dürfte in der Champions League gegen den FC Barcelona und im anstehenden Bundesliga-Spitzenspiel gegen den VfL Wolfsburg (van Bommel: "Wenn wir da gewinnen, werden wir Meister") zu wenig sein.

Hoffen auf Toni

Natürlich werden die Bayern mit einer anderen Einstellung in die Spiele gehen, aber vor allem die Situation im Sturm ist bedenklich.

"Es ist nicht einfach als einzige Spitze zu spielen. Ich weiß, dass ich besser spielen kann als heute", sagte Podolski nach der Partie.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Nationalspieler in der Rolle des Stoßstürmers eine schwache Leistung zeigt. In den letzten Minuten gab der wuchtige Daniel van Buyten den Mittelstürmer und sorgte für Belebung.

Doch auch diese Variante hat sich zumindest gegen Wolfsburg erledigt, da Martin Demichelis die fünfte Gelbe Karte sah und der Belgier den gesperrten Argentinier in der Innenverteidigung ersetzen muss.

Bleibt nach Miroslav Klose langfristigem Ausfall also die Hoffnung auf die baldige Rückkehr des an Achillessehnenproblemen leidenden Luca Toni.

Sturmproblem vor entscheidenden Partien

Sollte der Italiener nicht fit werden, könnte das Sturmproblem aber in den entscheidenden Partien zum großen Manko werden.

Manager Uli Hoeneß zeigte sich nach dem Spiel gereizt und reagierte auf Nachfragen zu Riberys Tätlichkeit unwirsch: "Das ist Fußball und nicht Kindergarten. Das ist eine völlig harmlose Geschichte."

Ansonsten brachte es der Manager aber einmal mehr auf den Punkt: "Die Tabelle schenkt dir nichts für ein spektakuläres Spiel, wenn du am Ende das 1:1 fängst."

Solange die Bayern in der Tabelle auf Kurs bleiben, interessiert die gezeigte Leistung letztlich nicht. Aber die anstehenden schweren Spiele werden zeigen, wie heiß der Atem der Bayern wirklich ist.

Immerhin gelang das erste Spiel ohne Gegentor im eigenen Stadion in dieser Saison.

Karlsruhe wartet auf ein Tor

Was gegen Karlsruhe allerdings auch kein großes Kunststück ist. Seit 540 Minuten wartet der KSC auf ein Tor.

Fünf Punkte beträgt bereits der Rückstand des Tabellenletzten auf den Relegationsplatz, sieben sind es gar bis zum rettenden Ufer. (zur Tabelle)

"Es reicht so langsam. Irgendeiner möchte nicht, dass wir ein Tor schießen. Aber wir werden weitermachen. Diese Mannschaft möchte drin bleiben", sagte Kapitän Christian Eichner.

Dazu muss man aber auch mal das Runde ins Eckige bringen, sonst dürfte das ein aussichtloses Unterfangen werden.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel