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Ein ungewohntes Bild in den letzten Wochen: Josip Simunic und die Hertha am Boden © imago

Der Tabellenführer aus Berlin landet in Stuttgart unsanft auf dem Boden der Tatsachen. Beim VfB warnt der Kapitän vor Euphorie.

Von Matthias Becker und Jürgen Blöhs

München/Stuttgart - Es war die bezeichnende Szene dieses Spiels für Tabellenführer Hertha BSC Berlin:

Freistehend, sechs Meter vor dem Tor, schaffte es der eingewechselte Torjäger Marko Pantelic, den Ball Torhüter Jens Lehmann vom VfB Stuttgart ans Bein zu schießen.

Und dabei wirkte Pantelic auch noch seltsam unentschlossen.

"Ich dachte, es wäre Abseits", sagte der Serbe anschließend bedrückt und räumte ein: "Normalerweise muss ich weiterspielen bis zum Pfiff."

Zum Zeitpunkt von Pantelics vergebener Großchance stand es aus der Sicht der Hertha schon 0:2 und die gesamte Berliner Mannschaft war bis dahin weitgehend so aufgetreten wie ihr Stürmer vor Lehmanns Tor: Unentschlossen.

Favre legt den Finger in die Wunde

"Der Sieg von Stuttgart geht in Ordnung. Wir haben in der ersten Halbzeit schlecht verteidigt, waren viel zu weit weg von den Leuten. Da war zu wenig Bereitschaft da", stellte Hertha-Manager Dieter Hoeneß im Gespräch mit Sport1.de fest. (zum Spielbericht: Hertha stolpert in Stuttgart)

Gestützt wurde diese Beobachtung von Trainer Lucien Favre. "Wir haben zwei verschiedene Mannschaften gesehen. Eine hat sehr gut gespielt, die andere schlecht", sagte der Schweizer und legte den Finger noch etwas tiefer in die Wunde:

"Wenn wir nicht bereit sind zu kämpfen, zu laufen und mit Leidenschaft zu spielen, ist es für uns gegen jeden Gegner schwer."

In die gleiche Kerbe schlug auch der verletzt und mit Verdacht auf Muskelfaserriss ausgewechselte Kapitän Arne Friedrich (Auch Friedrich fraglich für DFB-Team). "Wir sind eine Mannschaft, die immer an die Leistungsgrenze stoßen muss, um solche Spiele zu gewinnen."

"Wir sind kein Spitzenteam"

Nach zuvor drei Siegen in Folge war die Niederlage in Stuttgart für den Hauptstadtklub ein empfindlicher Dämpfer, auch wenn er wegen der Länderspielpause mindestens bis zum 4. April Tabellenführer bleiben wird.

Von neuen Höhenflügen und Meisterschaftsträumen wollte Realist Favre aber nichts wissen. "Wir sind kein Spitzenteam, das habe ich schon oft gesagt", erklärte er und richtete den Blick nach unten:

"Wir müssen uns auf unser Ziel konzentrieren, und das war, um den UEFA-Cup zu kämpfen. Das genügt uns."

Babbel und Heldt zufrieden

Auf Seiten der Stuttgarter stand die Erleichterung darüber im Vordergrund, das blamable 0:4 aus dem letzten Spiel bei Werder Bremen vergessen gemacht zu haben.

"Mich freut es, dass sie so eine Reaktion abgerufen hat", lobte Teamchef Markus Babbel seine Mannschaft und erhob den Sieg gegen die Hertha sogleich zur "besten Saisonleistung unter meiner Regie".

In die Lobeshymnen stimmte auch Sportdirektor Horst Heldt mit ein, der das Team nach dem Auftritt in Bremen scharf kritisiert hatte: "Das war mit unser bestes Heimspiel diese Saison", sagte er.

VfB schafft Anschluss an die Spitzengruppe

Mit 42 Punkten hat der in dieser Saison so wankelmütige VfB den Anschluss zur Spitzengruppe wieder hergestellt. Auf Platz fünf - und damit die Teilnahme am UEFA-Cup - haben die Schwaben nur noch zwei Punkte Rückstand.

Da die Leistungen unter Teamchef Babbel häufiger positiv als negativ ausfallen, trauen sich manche sogar schon wieder, ein wenig zu träumen

"Hertha ist noch sieben Punkte weg von uns bei neun verbleibenden Spielen. Es sind noch 27 Punkte zu verteilen und da kann eine Menge passieren", rechnete Torhüter Jens Lehmann vor.

Hitzlsperger warnt vor Euphorie

Euphorie wollte dagegen bei Thomas Hitzlsperger nicht aufkommen, zumal ihm das letzte Spiel immer noch im Kopf steckte. "Was mich gestört hat, war die Art und Weise, wie wir verloren haben", sagte der Stuttgarter Kapitän Sport1.de.

An Rechenspielen a la Lehmann wollte er sich deshalb auch nicht beteiligen: "Wir sind noch lange nicht so stabil. Uns fehlt die Kontinuität."

Für den unentschlossenen Tabellenführer hat es an diesem Tag immerhin gereicht.

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