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Kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten im November 2009 sagte er beim Besuch eines Fanclubs über seine Anreise: "Die Fahrt hierher war gemütlich, nur auf der Autobahn kam  plötzlich einer von hinten mit Lichthupe angerast. Ich denke mir:  Was ist das denn für ein Irrer? Er donnert vorbei - war's der  Schweini." Bastian Schweinsteiger war in gleicher Richtung auf dem Weg zu einem Fanclub in Inzell
Uli Hoeneß erzielte in 288 Bundesligaspielen 127 Tore © imago

Bayern-Manager Uli Hoeneß kann die Diskussionen um einen möglichen Platzverweis gegen Franck Ribery nicht nachvollziehen.

Von Martin van de Flierdt

München - Im Bauch der Münchner Allianz Arena blieb Uli Hoeneß noch einmal kurz stehen und schaute auf den Monitor.

"Ja, sind wir denn hier im Kindergarten?", sah sich Hoeneß dort unwirsch auf die Nachfrage antworten, ob der schwungvolle Griff von Franck Ribery ins Gesicht von Karlsruhes Andreas Görlitz nicht doch eine Tätlichkeit dargestellt habe.

"Ihr müsst mal aufhören, den Scharfrichter zu spielen und den Moralapostel zu geben", gab der Hoeneß auf dem Bildschirm seinem Gesprächspartner noch mit.

"Völlig harmlos"

"Er schiebt den weg. Das war völlig harmlos. Wenn du ständig in die Knochen gehauen kriegst, ist es normal, dass man mal reagiert. Das muss man doch verstehen."

Der Hoeneß vor dem Monitor, inzwischen deutlich weniger echauffiert, schüttelte den Kopf.

Dann gab er einem altgedienten Münchner Journalisten einen leichten Schubser, den man beim besten Willen nicht bösartig interpretieren konnte.

"So etwas war das", meinte Hoeneß, "mehr nicht."

Mit Händen in den Hosentaschen machte sich der Münchner Manager anschließend von dannen.

Das Thema aber blieb und sorgte bei den Fans für hitzige Diskussionen. (Einwurf: Kein Artenschutz für Ribery)

KSC-Harmlosigkeit verhilft zum Heimsieg

Es passte zum müden Münchner Kick, dass Riberys Foul in der 47. Minute das 1:0 gegen den KSC nahezu komplett überlagerte. (Spielbericht: Pflichtsieg für glanzlose Bayern)

Das Champions-League-Traumlos Barcelona noch im Hinterkopf durften sich die Bayern glücklich schätzen, dass der Tabellenletzte aus Baden eine Mitleid erregende Harmlosigkeit an den Tag legte.

Mit der einzigen hochkarätigen Torchance in der Nachspielzeit durch einen Kopfball von Lars Stindl, den Ze Roberto von der Linie kratzte, hätte er dennoch um ein Haar einen Zähler aus der bayerischen Landeshauptstadt entführt.

"Das war eigentlich eines dieser Spiele, in denen man Punkte liegen lässt", gestand Bayern-Kapitän Mark van Bommel. (Nachbericht: Harmlos, aber erfolgreich)

"Vielleicht alles ein bisschen viel"

"Die Champions-League-Auslosung mit Barcelona schwirrt natürlich überall herum, viele gehen jetzt weg mit den Nationalmannschaften zur WM-Qualifikation", meinte auch Trainer Jürgen Klinsmann.

"Das war vielleicht alles ein bisschen viel, deswegen haben wir vielleicht etwas den Spielfluss verloren."

Das lag auch daran, dass der Rekordmeister im Sturm nach den Ausfällen von Miroslav Klose und Luca Toni äußerst harmlos blieb.

Problem der einzigen Spitze Podolski

Lukas Podolski hing als einzige Spitze völlig in der Luft und zeigte auch sonst eine ganz schwache Vorstellung.

"Nichts gegen Lukas, aber ihn kann man eben nicht wie Luca oder Miro auch häufiger mal hoch anspielen", umschrieb van Bommel die Not zur Umstellung in der Spielweise.

Hinzu kam, dass das Münchner Offensivspiel in der zweiten Hälfte fast völlig zum Erliegen kam, weil Ribery - genervt von Gegenspieler Görlitz und dessen Teamkollegen - immer mehr die Arbeit einstellte.

Darüber und über seine Tätlichkeit reden wollte der Franzose im Gegensatz zu Hoeneß allerdings nicht, stattdessen floh er vor den Reportern mit Verweis auf seinen Besuch am späteren Abend bei "Wetten, dass...?".

Dafür sprach sein Gegenspieler Klartext: "Ich hätte Rot gegeben, aber ich bin nicht der Schiedsrichter", sagte Görlitz, der auf eine baldige Rückkehr zu den Bayern hofft.

Vielleicht hätte auch er besser vorher das Hoeneß-Interview im Fernsehen angeschaut.

So aber dürfte Görlitz mit dieser Äußerung das Klima für das nächste Gespräch mit dem Manager nicht unbedingt verbessert haben.

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