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Clemens Tönnies (r.) wird in den nächsten Tagen erneut vor die Mikrofone treten © getty

Schalkes Aufsichtsratsboss Tönnies wählt zwischen vier Managerkandidaten. Kahn ist Favorit und wird aus München weggelobt.

Von Martin van de Flierdt

München - Die Suche nach dem Nachfolger des beurlaubten Managers Andreas Müller auf Schalke steht vor einem zügigen Ende.

"Wir haben vier Kandidaten in die engere Wahl genommen, und wir werden nun den raussuchen, der uns jetzt richtig weiterhilft", sagte Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies bei "Premiere" vor Schalker Spiel gegen den Hamburger SV.

"Ich denke, die Entscheidung werden wir wohl im Laufe der nächsten Woche fällen." Als aussichtsreichster Bewerber gilt Ex-Nationaltorwart Oliver Kahn.

"Er ist ein Guter", meinte Tönnies. "Er hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen, aber die anderen Kandidaten auch."

Zu diesem Kreis gehört DFB-Sportdirektor Matthias Sammer nicht mehr. "Ich hätte ihn gerne genommen", räumte Tönnies ein. "Ich habe ihn zweimal gefragt, aber er hat gesagt, er ist fest eingebunden."

Dass sich Kahn reif für eine tragende Rolle bei einem großen Klub in der Bundesliga fühlt, ist nach dessen öffentlichem Bewerbungsauftritt in Rheda-Wiedenbrück auch bei seinem Ex-Klub Bayern München angekommen. (Schalke-Chef lobt: "Kahn ist ein geiler Typ")

Hoeneß hat kein Interesse

Wenn Kahn mit der Aktion allerdings bezweckt hat, dass Manager Uli Hoeneß bei der Besetzung seiner eigenen Nachfolge beim FC Bayern Ende des Jahres doch bitte zügig auf ihn zukommen möge, ist dieser Schuss nach hinten losgegangen.

"Ich weiß nicht, warum man sich auf Oliver Kahn fokussiert, wenn es um meine Nachfolge geht", sagte Hoeneß nach dem Münchner 1:0-Erfolg gegen Karlsruhe.

"Ich glaube nicht, dass nur er dafür in Frage kommt."

Lattek vermutet Uneinigkeit

DSF-Experte Udo Lattek vermutet, dass sich die Bayern-Führung aus einem bestimmten Grund Zeit lässt bei der Auswahl des Hoeneß-Erben:

"Ich habe das Gefühl, dass keine Einigkeit zwischen Hoeneß, Rummenigge und Beckenbauer in dieser Frage herrscht. Keiner will die Macht aus der Hand geben", meinte der Ex-Trainer im DSF-Doppelpass.

"Man braucht einen starken Mann, aber er darf nicht so stark sein, dass die anderen nichts mehr zu sagen haben."

Daher scheint es Hoeneß durchaus in den Kram zu passen, wenn Kahn anderswo seine Tauglichkeit für den Managerjob unter Beweis stellt, ehe er sich an die Herausforderung Bayern heranwagt.

"Ausleihe" abseits des Rasens

"Wenn er bei Schalke unterschreibt, dann ist das ja nicht für 100 Jahre, sondern für drei, wie ich meine", bemerkte er.

Bei einem jungen Spieler spräche man in diesem Zusammenhang von einer Ausleihe, die Spielpraxis bringen soll.

Franz Beckenbauer nannte Kahn einen "jungen und intelligenten Menschen, der in Uli Hoeneß 14 Jahre lang den besten Lehrmeister hatte".

Der "Lehrling Kahn" könne sein Gesellenstück ja auch im Betrieb Schalke 04 machen, ehe die Meisterprüfung in München folgt.

"Vielleicht ist es für ihn von Vorteil, wenn er mal woanders hingeht und dann später zum FC Bayern zurückkommt", mutmaßte auch der "Kaiser" in der "Bild".

Rummenigge voll des Lobes

Und Karl-Heinz Rummenigge, der am Samstag seine Bereitschaft signalisierte, seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag als Vorstandsvorsitzender zu verlängern, gratulierte den Königsblauen bereits zur "hervorragenden Wahl" Kahn. (Rummenigge: "Kahn ein Glücksgriff")

"Er hat ohne Frage die Qualitäten, Schalke wieder auf die Bahn zu bringen, wie man es sich wünscht", lobte der FCB-Boss den 39-Jährigen über den grünen Klee.

An dessen grundsätzlicher Eignung für den Job hat auch Schalkes Ex-Manager Rudi Assauer keine Zweifel.

"Seine Erfolgsbesessenheit, seine sicherlich glänzenden Kontakte im Fußballgeschäft und seine Intelligenz" sprächen prinzipiell für Kahn, meinte Assauer in der "Bild am Sonntag".

Assauers Bedenken

Allerdings machte er aus seinen Bedenken keinen Hehl: "Der Klub Schalke ist zuletzt dermaßen aus den Fugen geraten, dass er eigentlich einen Meister oder mindestens Gesellen und keinen Lehrling für den erfolgreichen Neuanfang braucht."

Kahn traut er eine Zukunft auf Schalke nur dann zu, wenn er besonders schnell Erfolg hat. "Denn Oliver kommt von den 'verhassten' Bayern", begründet Assauer.

"Viele Anhänger haben immer noch ganz tief in der Birne, dass vor allem er uns 2001 den Titel in letzter Sekunde weggeschnappt hat."

Wie Kahn seine Mannschaft an jenem 19. Mai nach dem späten Rückstand in Hamburg als Fleisch gewordenes "Immer weiter"-Mantra zum meisterschaftsbringenden 1:1 in der Nachspielzeit angetrieben hat, werden die Schalker nie vergessen. (Asamoah: "Kahn müsste sich integrieren")

Sammer: "Kahn passt überall hin"

Sammer sieht in der prinzipiellen Abneigung des "Knappen"-Anhangs aber trotzdem keinen Grund für Kahn, den Job nicht anzutreten: "Menschen mit einem Sieger-Gen wie Kahn passen überall hin."

Rudi Völler schlägt in die gleiche Kerbe. "Das macht doch einem Souverän wie Olli nichts aus", sagte der Leverkusener Sportchef der "WZ".

"Ich weiß nicht, was daraus wird und kenne auch seine konkreten Pläne nicht. Aber wenn Olli solche Pläne hat, dann sollte er nicht so lange warten. Du gerätst schnell in Vergessenheit."

Nach der jüngsten Reaktion aus München gibt es für Kahn auch keinen Grund mehr, mit einer Entscheidung aus Rücksicht auf Bayern zu warten.

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