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Während der HSV den Sieg bejubelt, verschärft sich die Schalker Krise weiter © imago

Allen Widrigkeiten zum Trotz gewinnt der HSV auf Schalke. Sportlich liefert "Königsblau" erneut eine Bankrotterklärung ab.

Von Tobias Schneider

München - Paolo Guerrero ist kein Mann der lauten Töne:

Nach dem 2:1-Erfolg gegen Schalke (zum Spielbericht) flüsterte der Peruaner regelrecht in die Mikrofone.

"Das Glück bleibt mir treu. Donnnerstag zwei Tore, heute auch - das war eine perfekte Woche für uns", sagte der 25-Jährige.

Dabei hätte Guerrero Grund genug gehabt, seiner Freude freien Lauf zu lassen.

Zwei Doppelpacks binnen weniger Tage, die in Istanbul den Einzug ins UEFA-Cup-Viertelfinale bescherten und den HSV in der Liga im Kampf um die Meisterschaft weiter im Rennen halten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Vorzeichen pro Schalke

Während Schalke bis auf den verletzten Bordon in Bestbesetzung antrat, sorgten sich die Hanseaten um einige Baustellen:

Neben etlichen Langzeitverletzen musste der HSV auf Stürmer Mladen Petric (Muskelfaserriss) und kurzfristig auch auf den erkrankten Ivica Olic verzichten. Daneben konnte auch Nationalspieler Piotr Trochowski nicht auflaufen.

Hinzu kam das kräfteraubende Spiel unter der Woche in Istanbul und die personell bedingte System-Umstellung auf eine Spitze.

Die Vorzeichen sprachen nicht für den HSV, aber Schalke präsentierte sich wie so oft kopf- und konzeptlos:

Jol überrascht

Dabei wollten die "Knappen" im ersten Heimspiel nach der Entlassung von Manager Andreas Müller ein Zeichen setzen und die Trendewende einleiten. Weit gefehlt.

Selbst HSV-Coach Martin Jol war überrascht, tatsächlich drei Punkte aus Gelsenkirchen mitgenommen zu haben.

"Die Schalker hatten neun Tage zur Vorbereitung, für uns war es das 11. Spiel in 33 Tagen. Das hätte ich nicht erwartet. Das ist einmalig," strahle der Niederländer, dessen Team sich an Spitzenreiter Hertha BSC bis auf einen Punkt herangepirscht hat.

Schalker Nebenkriegsschauplätze

Es sind nicht die dürftigen Leistungen der Mannschaft, welche die S04-Verantwortlichen derzeit umtreiben.

Das alles beherrschende Thema ist die vakante Managerposition und die öffentliche Suche nach einem geeigneten Nachfolger für den geschassten Müller.

Immerhin: Langsam zeichnet sich eine Lösung in dieser Frage ab:

"Wir haben vier Kandidaten in die engere Wahl genommen", erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies: "Wir müssen nur den raussuchen, der uns jetzt richtig weiterhilft."

Nach wie vor gilt Ex-Bayern-Keeper Oliver Kahn als der aussichtsreichste Bewerber.

Im Niemandsland

Ob dann allerdings Ruhe auf Schalke einkehrt, darf bezweifelt werden.

Egal ob Kahn oder ein anderer: Auf Schalke hat noch kein Manager Flanken geschlagen oder Tore geschossen. Das ist Aufgabe der Mannschaft - und die wird sich bis Saisonende nicht verändern.

Seit Saisonbeginn befinden sich die Leistungen der "Knappen" auf schwachem Niveau, das internationale Geschäft ist mit sieben Punkten Rückstand praktisch außer Reichweite.

Da wird auch ein neuer Manager wenig ausrichten können.

Rutten lässt Zukunft offen

Auch Trainer Fred Rutten wirkt von Spieltag zu Spieltag ratloser: "Wir müssen das Spiel verarbeiten, das war ein richtiger Schlag", sagte der Holländer und äußerte sich auch nebulös zu seiner eigenen Zukunft:

"Ich mache mir auch meine Gedanken, wie es weiter geht. Momentan ist alles spekulativ. Ich denke von Woche zu Woche." Ein Bekenntnis pro Schalke hört sich gewiss anders an.

Willkommene Pause

Zwei Wochen sind es bis zum nächsten Spiel in der Bundesliga - der Länderspielpause sei Dank.

Eine Pause, die Rutten wie gelegen kommt: "Es ist gut für die Spieler, dass sie mal den Kopf frei bekommen."

Vielleicht hilft's ja.

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