In seiner Kolumne für Sport1.de kommentiert Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher das aktuelle Geschehen in der Bundesliga.

Die Momentaufnahme Bundesliga nach Spieltag 25: Mann, ist das gemütlich im Meisterkampf, kuschelig, eng.

Ein Pünktchen liegt zwischen Titel und Uefa-Cup, zwischen Schale und "Niemandsland" sogar nur sieben Zähler.

Spannung pur. Weil die "Methode Magath" weiter marschiert, die Bayern wieder im Gleichgewicht sind, der HSV trotz Lazarett keine Achterbahn-Ergebnisse mehr produziert und Hoffenheim zwar das Siegen verlernt hat, aber auch nicht verliert.

Wer wird denn nun Meister?

Die nächste Runde nach der Länderspielpause bringt eine erste Vorentscheidung: Wolfsburg gegen Bayern im direkten Vergleich, HSV gegen Hoffenheim und Hertha gegen Dortmund. Nach diesen Duellen wissen wir alle mehr, zeigt die Tabelle die Titeltendenz.

Wenn man sich die Tordifferenz ansieht, dann haben Wolfsburg und Bayern mit den stärksten Sturmreihen der Liga ein treffendes Argument und kleine Vorteile. Und dann wird das Spiel in der Autostadt ein erstes Finale?

Gefühlt ist die Saison für zwei Klubs schon beendet: Schalke 04 und Bayer Leverkusen. Alle Ambitionen, Ziele und Korrekturen sind letztlich im Nichts geendet. Auch wenn das internationale Geschäft dennoch nur sechs bzw. sieben Punkte entfernt liegt, mache ich mir Sorgen um diese Mannschaften und Vereine.

Denn der Anspruch und die Möglichkeiten der beiden 04er sind vom aktuellen Status so weit entfernt wie Schweine vom Weltall. Und Besserung oder klare Maßnahmen nicht in Sicht.

Baustelle Schalke: Wenn selbst Verhandlungen mit Manager-Kandidaten schon medial "vermarktet" werden, wird so eine totale Orientierungslosigkeit demonstriert.

Solche Gespräche dürfen nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Und schon gar nicht vom Aufsichtsrats-Boss Clemens Tönnies geführt werden. Denn: damit ist ein taktisches Verhalten bereits nach Runde eins beendet.

Wie will Tönnies "auf Zeit" spielen, wie will er "wirtschaftliche Eckdaten" zum Wohl von Schalke verhandeln, wenn der Alleinherrscher schon am Tisch sitzt.?

Normalerweise kann sich mit "ich muss erst mal meine Gremien sprechen oder den Chef fragen" in die nächste Runde retten. Doch hier wird über die Medienlandschaft offenbar die Gemütslage der Menschen abgefragt, ob Oliver Kahn vielleicht zu Schalke passt?

Heißt: Keiner weiß aktuell wohl wirklich , was er will. Mein Eindruck: Kahn geht nicht nach Schalke.

Und auch sonst ist beim Kult-Klub eine seltsame Stimmung: Gegen den HSV war in der einstigen Arena-Hölle keine Atmosphäre, nach dem Treffer zum 0:2 verließen die Fans scharenweise und fast wort- und klaglos die "schönste Fußball-Halle der Welt". Der Mannschaft fehlt Frischblut und Sauerstoff, ihr mangelt es an Typen, die ständig Leistung bringen und unangreifbar sind. Warum beim Partnerklub Zenit. St. Petersburg keiner auf Einkaufstour gegangen ist, um Spieler wie Arschawin zu holen ? das bleibt das Geheimnis von Schalke.

Nur wen man dazu fragen muss, ist genauso unklar. Denn es gibt kein Gesicht, keinen, der das Machtwort spricht. Arschawin spielt jetzt bei Arsenal?

Sehe ich mir Schalke an, blutet mir angesichts des Potenzials das Fußball-Herz.

Auch bei der externen Analyse von Bayer 04 Leverkusen. Mit Rudi Völler gibt es zwar den Frontmann, doch die Krisen-Symptome sind ebenso deutlich und markant.

Die fußballerische Abteilung "Jugend forscht" hat in der Hinrunde die Liga phasenweise verzaubert und an die Wand gespielt, doch eine zerstörerische Kraft ist ausgeblieben.

Der Mannschaft fehlt - wie in Schalke - eine Führungsfigur, ein Kämpfer, der die Richtung vorgibt. Hinzu kommt, dass die "Heckenschützen" im Klub bereits Trainer Bruno Labbadia ins Zielfernrohr genommen haben.

Die Formel junger Trainer + junge Mannschaft = Erfolg ist bereits im Papierkorb gelandet. Und am Ende wird in Leverkusen wieder nicht international gespielt. Schade, denn das neue Stadion wird mit einem Länderspiel eingeweiht?

Mehr wird's nicht geben. Obwohl ? wie in Schalke ? viel mehr drin sein müsste.

Vielleicht sollte man mal Felix Magath fragen. Mit der Methode ? ob antiquiert oder nicht ? klappt's: "Geld + Boss = Champions League"

Bis nächste Woche

Euer Toni Schumacher

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