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In Enschede wurde Fred Rutten 2008 zum Trainer des Jahres gekürt © getty

Schalke ist auf der Suche nach einem neuen Manager. Gut möglich, dass neben dem neuen Manager bald auch ein neuer Trainer präsentiert wird.

Von Thorsten Mesch

München - Nach der erneuten sportlichen Bankrotterklärung gegen den Hamburger SV am Sonntag (HSV verblüfft den eigenen Trainer) scheint nun auch die Zeit von Trainer Fred Rutten auf Schalke abgelaufen.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung wird Rutten spätestens Ende der Woche entlassen.

Gut möglich, dass diese Entscheidung sogar noch schneller fällt. Rutten, der am Montag in seiner niederländischen Heimat weilte, kehrt am Dienstag nach Schalke zurück. Dann "werden wir reden" will die "Westfälische Rundschau" aus Vortsandskreisen erfahren haben.

Rutten hat Zweifel

Rutten scheint mit seinem Latein am Ende und hat offensichtlich erkannt, dass er auf Schalke gescheitert ist.

Er hat zwar noch einen Vertrag für die kommende Saison, äußerte aber jüngst Zweifel: "Ich habe Vertrag bis 2010, aber ich mache mir auch Gedanken, wie es im Sommer weitergeht. Ich arbeite von Woche zu Woche."

Nachdem die Hoffnungen auf eine Qualifikation für den UEFA-Cup so gut wie begraben sind, würde Schalke-Boss Clemens Tönnies demnach nur zwei Wochen nach der Entlassung von Manager Andreas Müller die nächste Konsequenz aus dem aktuellen achten Tabellenplatz ziehen.

Auch an der anderen Baustelle tut sich etwas, den neuen Manager will Schalke 04 in den nächsten Tagen vorstellen.

"Die Entscheidung wird wohl nächste Woche fallen", erklärte Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies am Wochenende. (zum Artikel: "Entscheidung fällt wohl nächste Woche")

Entscheidung in der Länderspielpause?

Der neue Manager bekommt auf jeden Fall sofort viel Arbeit. Vielleicht muss er direkt nach einem Rutten-Nachfolger Ausschau halten.

"Die Liga ist noch nicht zu Ende. Wir können nicht die letzten neun Spiele einfach wegschmeißen", meinte Rutten - und legte damit den Verantwortlichen indirekt nahe, die Länderspielpause zu einer Entscheidung zu nutzen.

Tief blicken ließ auch seine Aussage, die auf die zahlreichen Nationalspieler gemünzt war: "Manchmal ist es gut für den Kopf, wenn man eine Woche weg ist von Schalke."

Die Turbulenzen der letzten Wochen und Monate haben ihre Spuren hinterlassen. Sollte Rutten gehen (müssen), würde er relativ weich fallen. Der 46-Jährige, den Müller im Sommer von Twente Enschede geholt hatte, gilt bei der PSV Eindhoven als Topkandidat für den Trainerposten.

Stevens nicht abgeneigt

In Eindhoven war Huub Stevens im Januar als Trainer zurückgetreten. Eine Rückkehr des ehemaligen Schalker Coaches, der 1997 mit den Königsblauen den UEFA-Pokal gewann, scheint nicht ausgeschlossen.

Für Stevens spricht, dass er den Verein aus seiner sechsjährigen Tätigkeit (1996 bis 2002) bestens kennt und als Trainer, Manager oder vielleicht auch in Doppel-Funktion arbeiten könnte.

"Warum nicht? Ich würde zu Schalke gehen. Ich bin jetzt frei, und wir hatten damals eine erfolgreiche Zeit", sagte der Niederländer der "Bild" zu einer eventuellen Nachfolge des entlassenen Müller.

Allerdings habe sich noch niemand bei ihm gemeldet, erklärte der 55-Jährige vergangene Woche. "Ich werde noch mit Huub Stevens sprechen", kündigte Tönnies am Wochenende bei "Premiere" an.

Kahn erbittet weitere Bedenkzeit

Top-Favorit scheint jedoch weiterhin Oliver Kahn zu sein. Der ehemalige Nationaltorwart habe bei den Verhandlungen am vergangenen Donnerstag "einen sehr guten Eindruck hinterlassen", sagte Tönnies.

Der Ex-Nationaltorwart ist offenbar nicht abgeneigt, erbittet sich aber weitere Bedenkzeit. "So etwas braucht Zeit. Natürlich gibt es noch einige Fragen, die ich für mich beantworten muss", sagte Kahn dem "Bayerischen Rundfunk".

Er müsse sich vor allem überlegen, ob er auf Schalke "die Strukturen vorfindet, die es möglich machen, optimal zu arbeiten und Konzeptionen umzusetzen".

Bei Sport1.de-Kolumnist Toni Schumacher stößt die Schalker Art und Weise, wie Schalke einen neuen Manager sucht, auf Unverständnis. "Wenn selbst Verhandlungen mit Kandidaten schon medial vermarktet werden, wird so eine totale Orientierungslosigkeit demonstriert", findet Schumacher. (Schumacher-Kolumne: "Kahn geht nicht nach Schalke")

Wer wird denn nun Manager? Die Gerüchteküche brodelt. Kahn, Stevens oder etwa ein Außenseiter wie Jörg Schmadtke oder gar Stuttgarts Sportchef Horst Heldt?

Bruchhagen erneuert Absage

Zu den laut Tönnies "vier Kandidaten" für die Müller-Nachfolge soll auch Heribert Bruchhagen gehört haben. Doch der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Eintracht Frankfurt gab den Schalkern mit Nachdruck einen Korb.

"Ich habe bereits vor 13 Tagen gesagt, wenn ich auf deren Liste als Nachfolger von Andreas Müller stehen sollte, bitte ich darum, mich zu streichen. Daran hat sich definitiv nichts geändert", sagte Bruchhagen der "Deutschen Presse-Agentur".

"Ich weiß, dass ich auf der Liste der vier Kandidaten gestanden haben soll. Aber das ist wirklich nur ein Gerücht", sagte Bruchhagen, der von 1988 bis 1992 Manager der Königsblauen war.

Wer auch immer kommt, ob als Manager oder als Trainer, er sollte Erfahrung haben, über ein dickes Fell verfügen oder sich sehr warm anziehen.

Denn wie sagte "DSF"-Experte Udo Lattek am Sonntag im Doppelpass: "Wer auf Schalke ins kalte Wasser geworfen wird, der erfriert.?

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