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Willi Lemke war von 1981 bis 1999 Manager des SV Werder © getty

Willi Lemke können die Stürme, die Werder zuletzt überstehen musste, nicht schocken. Im Interview spricht er über die Lage an der Weser.

München - Willi Lemke hat viel gesehen. Von 1981 bis 1999 war der heute 61-Jährige Manager von Werder Bremen.

Anschließend bestimmte er als Senator bis 2008 in den Ressorts Bildung und Wissenschaft respektive Inneres und Sport die Bremer Politik wesentlich mit.

Seit April 2008 ist Werders Aufsichtsratsvorsitzender als Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport im Dienst von Entwicklung und Frieden tätig.

Die Stürme, die Werder in diesem Jahr überstehen musste, können ihn nicht schocken. "Wenn wir ein paar Spiele verlieren, verlieren wir in Bremen nicht gleich die Nerven, sagt Lemke.

Im Sport1.de-Interview spricht er über die Lage der Dinge an der Weser.

Sport1.de: Herr Lemke, die Bundesliga ist für Werder wohl gelaufen. Wie betrachten Sie die Chancen, im nächsten Jahr dennoch erneut international vertreten zu sein?

Willi Lemke: Wir haben gar kein so schlechtes Blatt in der Hand. Das lässt uns noch zwei Chancen, das internationale Geschäft zu erreichen. Das ist der DFB-Pokal mit dem Halbfinale gegen Hamburg und dann das Finale. Und dann gibt es noch den UEFA-Pokal. Die Mannschaften, die ich dort sehe, sind nicht wesentlich besser als wir. Der internationale Wettbewerb ist aus wirtschaftlichen Gründen schon sehr wichtig für uns.

Sport1.de: Zum Beispiel, um Stars wie Diego oder Claudio Pizarro zu halten. Pizarro trifft derzeit in allen Wettbewerben, hat aber nun ganz andere Probleme. Wie verkraftet er die Klage aus Peru?

Lemke: Das ist manchmal so. Das Leben besteht nicht nur aus Sonnenschein, sondern auch aus schwierigen Situationen und mit denen muss man fertig werden.

Sport1.de: Wie groß ist der Imageschaden für Werder?

Lemke: Wie soll ich das in irgendwelche Skalen messen? Entscheidend ist doch, wie wir damit umgehen und das aufklären. Bleibt etwas nach? Bleibt nichts nach? Auf jeden Fall ist ein Schaden durch die Diskussionen entstanden. Ob wir den weiter begrenzen können, hängt von der Entwicklung der nächsten Tage und Wochen ab.

Sport1.de: Inwiefern liegt Ihnen persönlich die Aufklärung besonders am Herzen?

Lemke: Uns allen liegt der SV Werder sehr am Herzen. Als Aufsichtratsvorsitzender habe ich eine besondere Verantwortung. Wir machen das alles sehr eng abgestimmt, um uns nichts vorwerfen zu müssen. Ich habe daher die Hoffnung, dass wir das begrenzen können.

Sport1.de: Wie wichtig ist es, eine rasche Lösung zu finden?

Lemke: Es ist wichtig, eine vernünftige Lösung zu finden. Rasch ist nicht entscheidend. Wir haben drei hochqualifizierte und erfahrene Leute in der Geschäftsführung sitzen: Klaus Allofs, Klaus-Dieter Fischer und Manfred Müller. Da muss ich nichts übers Knie brechen. Wir haben jetzt eine Personalberatung beauftragt, die wird ordentlich und in Ruhe etwas erarbeiten.

Sport1.de: Ihr Manager Klaus Allofs ist durch die neue Aufgabe als kommissarischer Leiter der Geschäftsführung quasi 24 Stunden im Einsatz?

Lemke: Das sehe ich nicht so dramatisch. Klaus Allofs kann sich personell auf einen hervorragenden Unterbau verlassen und in der Öffentlichkeitsarbeit war er die ganzen Jahre über schon aktiv. Dass er jetzt mehr Verantwortung hat, ist klar.

Sport1.de: Herr Born ist als Präsident zurückgetreten. Vom wem ging dieser Schritt letztlich aus?

Lemke: Von Herrn Born.

Sport1.de: War das absehbar?

Lemke: Der Schritt war folgerichtig.

Sport1.de: Sie haben es schon gesagt, für eine Rückkehr ins operative Geschäft kommen Sie nicht in Frage.

Lemke: Nein. Ich habe bei den Vereinten Nationen für mich einen Traumjob gefunden.

Sport1.de: Ist Marco Bode ein Kandidat für die Geschäftsführung?

Lemke: Ja, er ist mit unter den Kandidaten, die in Frage kommen.

Sport1.de: An Thomas Schaaf und Klaus Allofs haben Sie auch in der schwierigen Phase in dieser Saison festgehalten. Sind Sie froh darüber?

Lemke: Das stand nie in Frage. In der sportlichen Leitung sind wir exzellent besetzt. Schaaf und Allofs haben unser volles Vertrauen. Wenn wir ein paar Spiele verlieren, verlieren wir in Bremen nicht gleich die Nerven. Dann gehen wir unaufgeregt an die Analyse und stützen unsere Mitarbeiter.

Sport1.de: Hat sich daran auch durch die wiederholten Disziplinlosigkeiten in dieser Spielzeit nichts geändert?

Lemke: Und dass es mal den einen oder anderen Zwischenfall gibt, da falle ich auch nicht gleich in Ohmacht. Das haben wir auch früher schon gehabt.

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