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Treffen des doppelten Jürgen K.: Klinsmann (l.) und Klopp © imago

Der FC Bayern steht bereits unter Zugzwang. Um einen Fehlstart zu vermeiden, müssen bei Borussia Dortmund drei Punkte eingefahren werden.

Von Daniel Rathjen

München - Jürgen Klinsmann denkt erst gar nicht daran, sollte es mit dem eingeplanten Auswärtssieg nicht klappen. "Wir gehen davon aus, dass wir nach dem Spiel ingesamt vier Punkte auf unserer Habenseite verbucht haben", stellt der Trainer des FC Bayern klar.

"Wir fahren nicht mit einer negativen Denkweise nach Dortmund, sondern freuen uns auf ein volles Haus - für die Spieler wird das Spiel vor 80.000 Zuschauern eines der Saison-Highlights", weiß Klinsmann.

Beim Saisonauftakt gegen den Hamburger SV (2:2) hatte sein Team noch Probleme mit der Fitness und der Abstimmung, am Samstag soll vieles besser werden.

Pikant ist dabei einmal mehr das Treffen mit Jürgen Klopp. Auch der aktuelle BVB-Coach war im Winter 2007 als Trainer bei Bayern im Gespräch.

Als Bayern-Manager Uli Hoeneß ihm schließlich telefonisch mitteilte, "dass wir uns für einen anderen Jürgen entschieden haben", orientierte sich "Kloppo" in Richtung Ruhrpott.

Sonnenschein in Dortmund

Ob die Münchner in Klinsmann den besseren Jürgen zum Trainer gemacht haben, wird die Zukunft zeigen.

Momentan herrscht jedenfalls in Dortmund - im Gegensatz zu München - eitel Sonnenschein, der lediglich durch den Kreuzbandriss von Außenverteidiger Dede getrübt wird.

Zunächst gewann Klopp beim Supercup das erste Duell gegen Klinsmann und durch das 2:1 seines BVB den ersten inoffiziellen Titel.

Supercup kein Vergleich

Und am Wochenende feierten die Dortmunder durch das 3:2 bei Bayer Leverkusen auch einen gelungenen Saisonstart. Der Sieg wurde jedoch teuer erkauft, denn außer Dede verletzte sich noch Torwart Roman Weidenfeller, der die wie die Langzeitverletzten Alex Frei und Tinga gegen die Bayern fehlen wird.

"Der Supercup war ein Testspiel, das für uns zu früh kam und ist deshalb keine Vergleichskomponente. Samstag werden wir uns steigern. Wir werden versuchen dichter am Mann zu stehen, die Räume enger zu machen und den Gegner unter Druck zu setzen", verspricht Klinsmann.

Von dem Drumherum sind er und Klopp inzwischen aber genervt. "Mich interessiert nicht, was ständig über dieses Aufeinandertreffen von Jürgen und mir geschrieben wird. Das hat für das Spiel mit Sicherheit keine Relevanz", sagte Klopp im DSF.

In der "Bild" ergänzte er: "Jürgen und ich kommen aus völlig unterschiedlichen Sphären. Wir haben nichts gemeinsam. Uns zu vergleichen, das geht gar nicht."

Wer ist der bessere Jürgen?

Auch Klinsmann bestätigt gegenüber Sport1.de: "Es gibt kein Duell Klinsmann gegen Klopp. Ich schätze ihn, er ist ein guter Typ, sprüht Lebensfreude, hat immer einen Spruch auf Lager und belebt die Bundesliga. Ich wünsche ihm Erfolg - außer am Samstag."

Tatsächlich könnten Jürgen K. und Jürgen K. in vieler Hinsicht unterschiedlicher kaum sein. Dass Klinsmann wie Klopp Dreitage-Bart trägt oder unentwegt das Wort "geil" benutzt, ist unvorstellbar.

Die Verpflichtung des rauen, aber herzlichen Klopps hätte wohl einen Kulturschock für das Münchner Umfeld zur Folge gehabt. Außerdem war der Ex-Mainzer vom Namen her wohl noch eine Nummer zu klein für die großen Bayern.

Parallelen in der Arbeitsweise

In der Arbeitsweise verbindet sie einiges. Beide stehen für Reformen und sind offen für neueste Methoden der Trainings- und Sportwissenschaft.

Beide legen großen Wert auf Gemeinschaftssinn und Teamgeist, versprühen sichtlich Optimismus und gute Laune, können intern aber knallhart sein.

"Der Jürgen hat die Grenzen, die uns Trainerteams bisher gesteckt wurden, für alle verschoben. Wenn Jürgen zwölf Trainer im Team hat, wird man nicht mehr völlig schief angeguckt, wenn man mit fünf kommt", meinte der BVB-Coach.

Lieblings-Schüler im Angriff

Als Trainer hat sich der als Aktiver ohne Erstliga-Spiel gebliebene Klopp in kürzester Zeit eine ähnliche Anerkennung erworben wie Welt- und Europameister Klinsmann. Auch weil er wie der Bayern-Coach Lieblings-Schüler hegt und pflegt, die unter anderen Trainern Probleme haben.

Klopp wird in seinem soeben aus Hamburg verpflichteten "Ziehsohn" Mohamed Zidan und dem plötzlich aufgeblühten "Chancentod" Nelson Valdez gegen die Bayern wohl gleich zwei von ihnen im Sturm aufbieten.

Klinsmann will seinen Aushängeschildern bei der WM 2006, Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski, nach zwei schweren Jahren in München zum nächsten Karriere-Schritt verhelfen. Und damit selbst unbequemen Zeiten in München entgehen.

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