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Vor seinem Engagement in Hamburg war Jol Trainer bei Tottenham Hotspur © imago

Der HSV kann als einziges deutsches Team noch drei Titel holen und trotzt allen Widrigkeiten wie Verletzungen und Abgängen.

Von Christian Stüwe

München - Der Hamburger SV hatte zuletzt mit allerhand Widrigkeiten zu kämpfen. Nach zwei Niederlagen Anfang des Monats und zahlreichen Verletzten hatten viele den HSV bereits abgeschrieben.

Doch die Rothosen kamen zurück, erreichten im UEFA-Pokal das Viertelfinale und stehen nach dem 25. Spieltag der Bundesliga nur einen Punkt schlechter da als Tabellenführer Berlin. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Zudem steht die Mannschaft von Trainer Martin Jol im DFB-Pokal-Halbfinale.

Kleiner Finger für einen Titel

Für einen Titel würde der Coach auch Opfer bringen. "Um etwas zu gewinnen, würde ich mein ganzes Vermögen dafür geben. Oder meinen kleinen Finger", sagte der Niederländer dem "Hamburger Abendblatt".

Auch Jols Spieler haben große Ziele. "Den Pott am Ende in den Händen zu halten ist ein unglaubliches Gefühl", meinte Ivica Olic in der "Hamburger Morgenpost". Der Kroate gewann mit ZSKA Moskau den UEFA-Cup und feierte zudem drei russische und eine kroatische Meisterschaft.

Dabei sieht Jol sogar noch Steigerungsmöglichkeiten: "Wir sind immer noch nicht bei hundert Prozent. Das wissen wir."

Weggänge und Verletzte

Als einzige Mannschaft in Deutschland haben die Hamburger die Chance auf ein Triple, und das, obwohl immer wieder Leistungsträger verletzt ausfielen und vor der Saison mit Rafael van der Vaart das Herzstück der Mannschaft verkauft wurde.

"Ich bin ein Fan von van der Vaart, aber ich bin auch ein Fan von meinen Spielern", misst Jol diesem Umstand keine allzu große Bedeutung bei.

Nigel de Jong drehte dem HSV in der Winterpause den Rücken zu, Olic erklärte zeitgleich seinen Abschied für den Sommer in Richtung München. Seiner Beliebtheit bei den Fans tat das jedoch keinen Abbruch.

Jol würde gern verlängern

Und auch Coach Jol genießt hohes Ansehen. "Jol ist ein klasse Typ, er kommt sehr symphatisch rüber", findet nicht nur HSV-Idol Uwe Seeler.

Der Niederländer kann sich ein Engagement bei den Hanseaten über sein Vertragsende 2010 vorstellen. "Wenn der HSV sagt: 'Wir machen noch drei, vier Jahre' - dann bin ich dabei", sagte Jol der "Bild".

Guerrero springt in die Bresche

Beim 2:1-Sieg auf Schalke hatte er erneut auf mehrere Spieler verzichten müssen, darunter die stürmenden Aushängeschilder Mladen Petric und Olic. In die Bresche sprang Paolo Guerrero, der beide Treffer erzielte.

"Es passt einfach in den letzten Wochen und wir haben einen tollen Stürmer", meint Torwart Frank Rost. "Paolo hat zurzeit einen sehr guten Lauf, aber als Stürmer muss man solche Phasen auch nutzen."

Schon beim 3:2-Sieg im UEFA-Cup bei Galatasaray Instanbul hatte Guerrero mit einem Doppelpack innerhalb kürzester Zeit die Wende gebracht.

Beiersdorfer will den Stürmer halten

Guerreros Vertrag läuft im Sommer 2010 aus. Laut Sportchef Dietmar Beierdorfer will der Peruaner mit einer Verlängerung seines Kontrakts noch warten. Und Angebote anderer Vereine sondieren?

Bei Guerrero könnte dem HSV also ein ähnliches Schicksal drohen, wie bei so vielen Topspielern in den vergangenen Jahren.

Allerdings müsste nach den zahlreichen Transfers der jüngeren Vergangenheit auch genug Geld vorhanden sein, um den Stürmer langfristig zu binden.

"Wir wollen, dass Paolo noch lange bei uns bleibt", erklärte Beiersdorfer. Ein Titel würde die Chancen auf eine weitere Zusammenarbeit sicher erhöhen.

Maximal noch 16 Spiele

Sollte im DFB-Pokal und UEFA-Cup jeweils das Endspiel erreicht werden, müsste der HSV in der Schlussphase der Saison noch 16 Partien absolvieren.

Verständlicherweise kommt Jol die Länderspielpause im Gegensatz zu anderen Trainern auch nicht ganz ungelegen.

"Die Pause wird uns gut tun, um neue Kräfte zu sammeln", sagt Jol, der auf die Rückkehr zahlreicher angeschlagener Kräfte hofft, auch wenn sich zwölf Profis auf Länderspielreise befinden.

Inkonstanz und Torverhältnis als Problem

Zwei Dinge könnten im Endspurt dennoch problematisch werden.

Zum einen ist das Team immer mal wieder Leistungsschwankungen unterworfen. So gab es Anfang März eine Schwächephase in der Liga mit Niederlagen gegen Gladbach und Wolfsburg.

Zum anderen spricht das Torverhältnis im Meisterschaftsendspurt nicht für den HSV. Mit einer Bilanz von plus drei Toren sind die Norddeutschen in dieser Kategorie deutlich schlechter als die Konkurrenz.

"Dann ist viel möglich"

Doch den HSV beschäftigt das momentan alles nicht. "Die Mannschaft strotzt vor Selbstvertrauen", bekräftigt Jol.

Und der Mann der Stunde bringt es auf den Punkt. "Wenn wir weiter so konzentriert bleiben, dann ist viel möglich", sagt Guerrero.

Vielleicht sogar der ein oder andere Titel. Es wäre der erste seit dem DFB-Pokal-Triumph 1987.

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