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Bastian Schweinsteiger feiert beim Sieg der Bayern in Hannover ein starkes Startelf-Comeback. Der Bundestrainer dürfte aufatmen.

Von Christoph Lother

München - Es wirkte fast so, als wollte Bastian Schweinsteiger den Finger heben.

Getreu dem Motto: "Sieh' her Jogi, auf mich kannst du dich verlassen."

Nur wenige Stunden nachdem Bundestrainer Joachim Löw mit Blick auf die WM in Brasilien seine Sorgen über die zahlreichen Verletzten im deutschen Nationalteam geäußert hatte (Bericht), lieferte Schweinsteiger die passende Antwort.

Beim souveränen 4:0 (2:0) des FC Bayern in Hannover (Bericht) stand der Mittelfeldspieler erstmals seit dreieinhalb Monaten wieder in der Startelf - und wusste auf Anhieb zu überzeugen.

An den ersten beiden Toren beteiligt

84 Ballkontakte, 14 gewonnene Zweikämpfe und eine Gesamtlaufstrecke von gut neun Kilometern verzeichnete Schweinsteiger, als er in der 72. Minute gegen Claudio Pizarro ausgetauscht wurde.

Das 1:0 der Bayern durch Thomas Müller hatte er mit viel Übersicht und einem schönen Pass auf die rechte Seite eingeleitet, das 2:0 durch Thiago mit einer traumhaften Flanke direkt vorbereitet (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Es tat gut, von Beginn an zu spielen, ohne irgendwelche Probleme zu haben", sagte der sichtlich erleichterte Schweinsteiger anschließend und ergänzte: "Ich muss wieder in meinen Rhythmus kommen und brauche Spielminuten, um wieder topfit zu werden. Ich hoffe, dass es nun immer weiter bergauf geht."

Traumhaftes Zuspiel für Thiago

Auch Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer, der Schweinsteigers humorvolle Geste bei der Auswechslung als Reaktion auf ein nicht erhaltenes Zuspiel von Arjen Robben verstanden wissen wollte, registrierte den beeindruckenden Auftritt des Mittelfeldstrategen mit Wohlwollen und betonte: "Bastian ist zurück, das ist sehr gut für uns."

Wie gut, das bewies der Nationalspieler in der 34. Minute. Mit feinster Technik und ganz viel Gefühl hob der 29-Jährige den Ball an die Strafraumgrenze, von wo aus Thiago ihn nur noch herunterzunehmen und im gegnerischen Kasten zu versenken brauchte ( 849365 DIASHOW: Die Bilder des 22. Spieltags ).

Ein nahezu identisches Tor hatten die Bayern schon beim 5:0 im DFB-Pokal-Viertelfinale zehn Tage zuvor in Hamburg geschossen. Damals war Robben von Toni Kroos bedient worden - eben jenem Mann, den Schweinsteiger nun in der Anfangsformation vertreten hatte.

Auch Müller kommt mit Schwung von der Bank

Und nicht nur Schweinsteiger feierte ein geglücktes Startelf-Comeback.

Auch Nationalmannschaftskollege Müller, anstelle von Robben im rechten offensiven Mittelfeld aufgeboten, ließ mit seinen Saisontreffern neun und zehn aufhorchen.

Es scheint, als seien die Münchner derzeit in keiner Formation zu knacken. Selbst dann nicht, wenn - wie in Hannover - mit Manuel Neuer der frisch gebackene Welttorhüter nur auf der Bank sitzt.

"Ich bin begeistert", schwärmte FCB-Ehrenpräsident nach dem 14. Liga-Sieg in Folge bei "Sky": "Wie sie harmonieren, mit welcher Kaltschnäuzigkeit sie ihre Chancen verwerten, ist einfach Extraklasse."

Löw sorgt sich um sein Mittelfeld

Extraklasse ist auch die Auswahl an Alternativen im Mittelfeld der deutschen Nationalelf - vorausgesetzt, die Spieler sind fit.

"Acht, neun Spieler haben lange nicht gespielt. Sie haben keinen Rhythmus. Bei einigen ist es fraglich, ob sie überhaupt rechtzeitig zurückkommen. Das macht mir Sorgen und bereitet mir Kopfzerbrechen", hatte Bundestrainer Löw am Nachmittag geklagt.

Nicht zuletzt wegen Schweinsteiger.

Doch während für die langzeitverletzten Sami Khedira (Real Madrid) oder Ilkay Gündogan (Borussia Dortmund) die Zeit bis zum WM-Auftakt Mitte Juni immer knapper wird, macht der Münchner derzeit erstaunliche Fortschritte.

Schnellen Schrittes Richtung Bestform

Seit Anfang November war Schweinsteiger wegen einer hartnäckigen Entzündung der Patellasehne und einer Sprunggelenksverletzung ausgefallen, ehe er beim Pokalspiel in Hamburg vor eineinhalb Wochen ein 25-minütiges Comeback feierte.

Es folgten eine weitere halbe Stunde beim lockeren 4:0 in der Bundesliga gegen Freiburg und nun der starke Auftritt in Hannover.

Sollte er seine Entwicklung in diesem Tempo fortsetzen, dürfte Schweinsteiger für die Titel-Mission in Brasilien bestens gerüstet sein.

Und Bundestrainer Löw um eine Sorge ärmer.

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