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Matthias Ginter erzielte in 58 Bundesliga-Spielen zwei Tore © imago

Im SPORT1-Interview spricht Freiburgs Matthias Ginter über seine Zukunft, den FC Bayern, die Nationalmannschaft und Christian Streich.

Von Patrick Mayer

München/Aachen - Er gilt als bestes Abwehrtalent Deutschlands. Viele große Klubs sollen um Freiburgs Matthias Ginter werben.

Für den 20-Jährigen geht es aber in erster Linie um den Klassenverbleib mit dem Sport-Club, das erklärt er immer wieder.

Bundestrainer Joachim Löw nominierte ihn vor dem Länderspiel am 5. März in Stuttgart gegen Chile erstmals für die Nationalmannschaft (News).

Wie jeder andere junge Spieler träumt Ginter zudem davon, irgendwann für eine der weltbesten Mannschaften aufzulaufen. Daraus macht der gebürtige Badener keinen Hehl.

Im Interview mit SPORT1 spricht er über das angebliche Interesse des FC Bayern, Jungmenschen-Begleiter Christian Streich und Verantwortung gegenüber den eigenen Fans. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

SPORT1: Herr Ginter, Sie gelten als bestes Abwehrtalent Deutschlands. Was halten Sie von dieser Einschätzung?

Matthias Ginter: Hhmmm?auf der einen Seite freut es mich, wenn jemand das sagt. Andererseits bringt mir das nicht viel. Ich versuche das in jedem Spiel zu bestätigen. Von daher ist so was eher Ansporn. Es geht aber in der jetzigen Lage nicht um mich. Ich versuche der Mannschaft zu helfen, damit wir in der Klasse bleiben.

SPORT1: Immerhin wurden Sie einst zum besten U-18-Nationalspieler ausgezeichnet, sie gehören zum Stamm der U-21-Auswahl. Der Bundestrainer hat Bedarf in Abwehr. Und Joachim Löw hatte Sie vor Ihrer Nominierung noch nie angerufen?

Ginter: Es gab keinen Kontakt. Aber für mich steht ohnehin Freiburg im Vordergrund.

SPORT1: Sie sprechen vom Sport-Club. Der VfB Stuttgart und der Hamburger SV sind wieder auf Schlagdistanz. Was haben Sie besser gemacht seit der Winterpause?

Ginter: Wir haben im Trainingslager hart gearbeitet. Wir haben viel für den Spielaufbau und die Arbeit gegen den Ball trainiert. Und wir können uns nun voll auf die Bundesliga konzentrieren, weil wir nicht mehr im DFB-Pokal oder der Europa League spielen. Wir haben immer eine Woche Zeit, um uns auf die jeweiligen Spiele vorzubereiten. So gut läuft es aber auch nicht, schließlich haben wir in der Rückrunde erst einmal gewonnen. Nach einem Spieltag kann alles schon ganz anders aussehen.

SPORT1: Es wird kolportiert, dass der HSV und der VfB jeweils einen Etat von 40 Millionen Euro haben. Der des SC Freiburg soll bei 16 Millionen liegen. Was ist dennoch Ihr Vorteil?

Ginter: In Freiburg arbeitet jeder mit jedem. Der Zusammenhalt kann eine sehr entscheidende Rolle spielen im Abstiegskampf, wenn das Umfeld ruhig bleibt und nicht jeden Fehlpass kommentiert. Die Fans stehen hinter uns, das merken wir und das tut uns gut. Ich denke schon, dass das der Unterschied ist zu Hamburg oder Stuttgart, dass dort die Stimmung nicht so gut ist, wie bei uns.

SPORT1: Klingt sozialromantisch. Ihr Trainer, Christian Streich, sagt, dass man - gemessen an der individuellen Qualität - irgendwann an Grenzen stößt.

Ginter: Zusammenhalt kann eine sehr große Rolle spielen. Klar gibt es viele Mannschaften in der Bundesliga, die uns individuell überlegen sind. Aber wir versuchen das als Team aufzufangen. Es geht nicht nur über Zusammenhalt, aber das ist unsere Chance.

SPORT1: Sie wirken bodenständig. Einst haben Sie das Schicksal Ihres Bruders Niklas miterlebt, der vor einer Profikarriere stand, in die Regionalliga ging und nach der Insolvenz von Waldhof Mannheim und einer Leistenverletzung aufgeben musste. Haben Sie immer im Kopf, dass Sie in einem schnelllebigen Geschäft arbeiten?

Ginter: Klar träumt man als junger Spieler von der einen oder anderen Sache. Aber es hilft einem nichts, wenn man die größten Pläne schmiedet und dann verletzt wird. Es kann in jedem Spiel, in jedem Training, in jeder Aktion etwas passieren. Es tut gut, nicht abzuheben.

SPORT1: Dabei hilft Ihnen sicher Christian Streich. Sie sagten einmal, dass es für Sie keinen besseren Trainer geben könne. Warum?

Ginter: Er gibt uns viele Tipps und ist auch in schwierigen Situationen für uns da, wie vor zwei Jahren oder auch in dieser Saison. Er hilft uns wahnsinnig. Gerade die jungen Spieler profitieren, wenn er uns Mut zuspricht und uns sagt, was wir zu tun haben.

SPORT1: Jeder Bundesligatrainer wird für sich beanspruchen, ein gutes Händchen für Talente zu haben.

Ginter: Er erklärt sehr einfach. Er kritisiert uns Jungen aus der eigenen Fußballschule sehr, sehr oft und versucht uns immer weiter zu bringen. Einen väterlichen Ton hat er jetzt nicht unbedingt, auf dem Platz und auch in der Kabine kann es schon mal laut werden. Er erklärt uns die Dinge aber so, dass wir sie auch verstehen.

SPORT1: Eine ganze Region fiebert mit Ihnen. Empfinden Sie Verantwortung, wenn Sie nach einer Niederlage vor die Fans treten?

Ginter: Jeder spürt Verantwortlichkeit. Bei mir ist das noch einmal was etwas ganz anderes, weil ich aus der Region komme und früher als kleiner Junge als Fan im Stadion war. Da weiß man, wie es einem Fan nach einem verlorenen Spiel geht. Das versuchen wir so wenig wie möglich zu zulassen, sondern, dass die Anhänger für ihr Engagement belohnt werden. Wir wissen, dass jeder in dieser Stadt, jeder, der in Freiburg wohnt, auch Freiburg-Fan ist.

SPORT1: Klingt kleinstädtisch vertraut. Woanders herrschen andere Dimensionen. Es heißt schon lange, dass der FC Bayern München an Ihnen dran ist. Was können Sie dazu sagen?

Ginter: Zu Gesprächen kann ich Ihnen leider nichts sagen. Das soll schon intern bleiben. Klar freut es mich, davon zu hören. Es ist eine Ehre, wenn solche Teams auf einen aufmerksam werden. Klar ist es mein Ziel, irgendwann bei einem großen Team zu spielen, das ist kein Geheimnis. Es muss jetzt nicht bei Bayern sein, aber ein großer Klub, davon träumt jeder Fußballer.

SPORT1: Folglich ist schon jemand aus München an Sie herangetreten?

Ginter: Mehr will ich dazu nicht sagen.

SPORT1: Die Bayern werden trainiert von Pep Guardiola. Sie haben jüngst in München gespielt. Wie erleben Sie als junger Fußballer eine solche Persönlichkeit?

Ginter: Ich weiß nicht, wie er so tickt. Aber was man so hört, ist er schon ein sehr, sehr guter Trainer. Ich kann aber nicht mehr über ihn sagen, weil ich noch nie mit ihm gesprochen habe.

SPORT1: Es gibt noch einen anderen sehr, sehr guten Trainer: Jürgen Klopp. Auch Borussia Dortmund soll Sie seit längerem beobachten. Was ist dran?

Ginter: Er ist ein sehr, sehr guter Trainer, wie viele andere auch. Ich schätze beide Arten von Trainern, den ruhigen, als auch den emotionalen. Konkret kann ich aber auch dazu nichts sagen.