Thomas Berthold ist überrascht von der Trainer-Wahl des VfB. Im Streit zwischen Klopp und Sammer steht er beim BVB-Coach.

Hallo Fußball-Freunde,

Matthias Sammer hat in den vergangenen Tagen für viel Aufregung in der Bundesliga gesorgt.

Er führt die Dominanz der Bayern auf die Schwäche der Konkurrenz zurück. Was soll dieser Unsinn? Anscheinend hat Sammer viel Zeit, sich mit solchen Themen zu beschäftigen. Womöglich will er aber einfach nur sein Profil schärfen.

Es ist auch immer leicht, von oben nach unten zu schauen. Die Bayern haben ein Budget von 120 oder 130 Millionen Euro zu Verfügung und können sich die besten Spieler zusammenkaufen.

Deswegen dürfte Jürgen Klopp recht haben, dass Bayern ohne Sammer keinen Punkt weniger geholt hätte.

Sammer sollte sich auf andere Dinge konzentrieren. Es steht jetzt eine WM vor der Tür. Da sollten alle Vereine angehalten sein, Joachim Löw zu unterstützen und sich nicht mit solchen Themen zu beschäftigen.

Der Trainerwechsel beim VfB Stuttgart hat mich schon überrascht. Nicht die Tatsache, dass der Verein Thomas Schneider entlassen hat. Das war für mich nach dem Unentschieden gegen Braunschweig klar.

Ich habe mich aber über die Verpflichtung von Huub Stevens gewundert. Schließlich war der ja noch bis vor einer Woche bei PAOK Saloniki tätig. Aber wahrscheinlich wollte der Verein in dieser Phase einen erfahrenen Trainer holen.

Stevens muss jetzt schnell die Defensive stabilisieren. Zuletzt haben die Stuttgarter die Bälle ja fast selber ins eigene Tor gehauen.

Wenn ich sehe, was ein Antonio Rüdiger sich für Fehler leistet. Das geht bei aller Liebe gar nicht mehr. In dieser Situation kannst du keine Spieler mehr mit durchschleppen.

Der neue Trainer sollte einem erfahrenen Mann wie Karim Haggui eine Chance geben. Der ist Nationalspieler in seinem Land. Wann soll der sonst spielen, wenn nicht jetzt?

Huub Stevens könnte sich an Lucien Favre orientieren. Der ist vor drei Jahren bei Gladbach in einer noch heikleren Lage eingestiegen und hat erst mal versucht, den Laden hinten dicht zu bekommen.

Das ist gelungen und die Spieler hatten ein besseres Gefühl. Sie treten dann anders auf und bei Ballverlusten fängt nicht sofort das Zittern an.

So etwas sollte nun auch Stevens gelingen, sein Wahlspruch aus Schalker Zeit war schließlich: Die Null muss stehen.

Auf viele Führungsspieler kann der neue Coach nicht setzen. Bei Stuttgart fallen in diese Kategorie nur Christian Gentner, aber der war jetzt lange verletzt, und Vedad Ibisevic ist ja noch gesperrt. Zwei Führungsspieler sind zu wenig.

Sportdirektor Fredi Bobic muss sich nach der Saison an dem messen lassen, was er gesagt hat: Er will sich ja an der Mannschaft bewerten lassen. Da bin ich gespannt, wie das Resümee ausfällt.

Bis zum nächsten Mal,Euer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf schreibt wöchentlich als Kolumnist für SPORT1.

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