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Mit vollem Einsatz: Brinkmann (r.) 2002 in einem Zweikampf mit Robson Ponte © getty

Ansgar Brinkmann bekommt eine Party. Mario Basler und der "Tiger" kicken mit. Der einstige "Bad Boy" berichtet von Angeboten.

München - Er war bekannt als "weißer Brasilianer" oder "Ansgar Trinkmann", war auf fast jeder seiner 14 Profi-Stationen Publikumsliebling und hinterließ bei jedem Trainer ein paar graue Haare: Ansgar Brinkmann war sozusagen der Prototyp des Straßenfußballers - ein Enfant terrible.

Schwierig, aber authentisch. Ein in Ansätzen genialer Fußballer, der sich jedoch zu oft selbst im Weg stand.

Und bei dem die Zahl der bekannt gewordenen Eskapaden und daraus resultierenden Spitznamen nahezu die Anzahl seiner Erstliga-Spiele (59 für Eintracht Frankfurt und Arminia Bielefeld) erreicht.

Am Freitag, fast zwei Jahre nach seinem eigentlichen Karriere-Ende, nimmt der 40-Jährige Abschied von der Fußball-Bühne.

"Die Alm wird wackeln"

Brinkmann verspricht in der "Bild": "Die Alm wird wackeln. Wo Ansgar auftritt, ist immer Leben in der Bude." Man glaubt es ihm gern. Und das nicht nur, weil Brinkmann eine durch und durch ehrliche Haut ist.

Auf die Frage, ob er alles wieder so machen würde, antwortet er: "Ganz sicher nicht! Ich konnte zwar auf dem Feld jeden ausspielen, stand mir aber außerhalb des Platzes oft selbst im Weg. Berti Vogts sagt, ich hätte mich dadurch um 50 Länderspiele gebracht. Die wären mir lieber als 50 Anekdoten."

Einige davon sind unter den Fußball-Fans schon Klassiker. So grüßte er auf dem Anrufbeantworter mit dem Spruch: "Ich bin bis fünf Uhr früh in meiner Stammkneipe zu erreichen".

Und auch mit den Ordnungshütern kam er einige Male in Konflikt.

Flucht aus dem Streifenwagen

"Einmal in Osnabrück hat der liebe Gott es echt gut mit mir gemeint", berichtet er gewohnt offenherzig von einer spektakulären Flucht: "Die Polizei wollte mich mit zur Wache nehmen, ich saß schon im Streifenwagen, habe durchs Fenster den Wagen von außen aufgemacht! Ich bin weg über drei Zäune, fünf Garagen, raus aus der Stadt. Die Polizei konnte mir am Ende zum Glück nichts anhaben."

Als schnellsten Sprint seiner Karriere bezeichnet er einen "Jux" in Gütersloh: "Sechzig Meter über sieben Taxen hinweg, mit Rolle vorwärts auf der letzten. Der Abend ging leider noch weiter. Schaden insgesamt: 25.000 Mark."

Pommes als Treibstoff für das Spiel

Auch seine Trainer brachte Brinkmann mehr als einmal zur Weißglut. So aß er bei der Mannschaftsbesprechung vor dem Spiel genüsslich Pommes Frites und erklärte seinem verdutzten Trainer Benno Möhlmann, das sei "mein Benzin fürs Spiel".

Sein Münsteraner Coach Hans-Werner Moors warf ihn bei der Rückfahrt nach einem Auswärtsspiel mitten auf der Autobahn aus disziplinarischen Gründen aus dem Bus.

Und seinem Trainer bei Tennis Borussia Berlin, Winfried Schäfer, unterstellte der "irgendwo bekloppte Rebell mit großer Klappe" (Brinkmann über Brinkmann) einmal öffentlich, "er könne nicht einmal einen Tante-Emma-Laden führen".

Basler und der "Tiger" kicken mit

Nachhaltig böse sein konnten dem Exzentriker nur wenige. Wenn Brinkmann am Freitag Abschied feiert, sind auch viele Wegbegleiter dabei.

Nicht nur "Brüder im Geiste" wie Mario Basler oder der frühere Box-Weltmeister Dariusz Michalczewski, sondern auch viele seiner früheren Trainer.

Denn Brinkmann hat auch eine andere Seite. Er organisiert Hilfsgüter-Transporte ins ehemalige Jugoslawien, kümmert sich um junge Talente in seinem niedersächsischen Heimatort Bakum und hat für das Abschiedsspiel 500 Fans von Dynamo Dresden eingeladen und ihnen eine Unterkunft in einer Turnhalle besorgt.

Anfragen aus der Bundesliga

Beruflich versucht er sich als Talentspäher und berichtet von "Job-Anfragen aus der Bundesliga".

Mit sich und der Welt ist Ansgar Brinkmann heute im Reinen. "Ich habe ja viel Mist gebaut. Aber ich bin glücklich", sagt er: "Ich habe nie jemandem geschadet, nur mir selbst. Meine Freundin Inga ist die beste Frau der Welt. Und die meisten Menschen mögen mich so, wie ich bin - das werte ich als großes Lob."

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