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Christoph Daum wurde mit Köln 1989 und 1990 Vizemeister © getty

"Messias" kontra "Don Hennes": Christoph Daum überholt Hennes Weisweiler an diesem Wochenende mit der Anzahl von Bundesligaspielen.

Köln - Einen Titel hat er mit dem 1. FC Köln noch nicht geholt, trotzdem ist Christoph Daum für die Fans längst der Messias.

Am Wochenende nun stellt der Trainer einen Klubrekord auf - und zugleich den großen Hennes Weisweiler in den Schatten.

Das Bundesligaspiel gegen Eintracht Frankfurt am Sonntag (16.30 Uhr LIVE ) ist für den extrovertierten Fußball-Lehrer das 131. für den FC an der Seitenlinie.

"Don Hennes" hatte es zwischen dem 1. Juli 1976 und dem 15. April 1980 auf 130 gebracht.

Daum bewundert Weisweiler

"Ich bewundere ihn bis zum heutigen Tag", sagte Daum der "Bild" über Weisweiler.

Der hat dem ersten Bundesliga-Meister Köln 1978 mit dem Double den bisher größten Erfolg in der 60-jährigen Klubhistorie beschert.

"Er hatte immer ein offenes Ohr. Ich habe in jungen Jahren so viel von ihm lernen können." Daum und Weisweiler - Trophäen und Wesen trennen die beiden Lichtgestalten.

Weisweiler war kauzig, in der Öffentlichkeit wortkarg und kein Freund der Stars.

Overath und Netzer leiden

Unter ihm litt nicht nur FC-Ikone und Präsident Wolfgang Overath ("Auch wenn ich meine Schwierigkeiten mit ihm hatte: Er ist der größte Trainer, den der FC je hatte"), sondern auch Günter Netzer bei Borussia Mönchengladbach.

Die Abseitsregel erklärte Weisweiler einst wie folgt: "Abseits ist, wenn dat lange Arschloch (gemeint war Netzer) zo spät abspielt."

Daum ist anders

Daum war und ist anders. Im Alter von nur 32 Jahren übernahm er am 23. September 1986 den Chefposten beim FC - und verkörperte ein grenzenloses Selbstvertrauen.

1989 und 1990 sprang die Vizemeisterschaft für Köln heraus, neben der Arbeit auf dem Trainingsplatz versucht er, die Konkurrenz mit seinem Mundwerk zu verunsichern.

Legendär unter anderem der Auftritt am 20. Mai 1989 im "Aktuellen Sportstudio", als er vor dem Duell Kölns mit Bayern München den Kollegen Jupp Heynckes öffentlich vorführte.

Bewegte Karriere des Kölner Coachs

Prügel bezog "Cassius" Daum dafür, das Spiel gegen die Bayern ging 1:3 verloren.

Es folgten Meistertitel mit Stuttgart, der Wechselfehler in der Champions League gegen Leeds und Trophäen in der Türkei.

Es ging weiter bergab: Das 0:2 mit Leverkusen am letzten Spieltag in Unterhaching 2000 und als Tiefpunkt die Kokainaffäre, die den Traum vom Bundestrainer-Posten platzen ließ.

Stehaufmännchen Daum

Daum gestand noch in diesem Sommer, dass dies immer noch an ihm nage.

Der gebürtige Zwickauer ließ sich trotz dieser beruflichen und persönlichen Rückschläge nicht beirren.

Die Rückholaktion nach Köln im November 2006 glich einem Affentanz.

Immer für Überraschungen gut

Trotz erheblicher Schwächung durch eine Operation hielt er eine Pressekonferenz mit Kultstatus im Krankenhaus in Köln-Hohenlind.

Es folgte der wohl größte Verhandlungsmarathon der Klubgeschichte um die Fortsetzung seiner Tätigkeit in Köln.

Köln und sein Trainer gehören zusammen

Kölle und Daum - das scheint zu passen. Das hat die Lichtgestalt offenbar auch erkannt.

Auf die Frage, warum er eigentlich mit dem Klub in die zweite Liga gegangen sei, sagte Daum: "Es war ein unheimliches Risiko. Aber die Liebe und Leidenschaft für den Klub haben über jegliche Gedanken obsiegt."

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