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Youri Mulder und Mike Büskens sollen jetzt doch die Verantwortung auf Schalke tragen © getty

Auf Schalke wird es offenbar keinen "Feuerwehrmann" geben. In den letzten neun Bundesliga-Spielen sollen die "Eurofighter" ran.

Von Daniel Rathjen

München - Es hagelte Absagen über Absagen.

Im Kandidatenkreis tauchten unter anderem der griechische Nationalcoach Otto Rehhagel und Ex-Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld auf.

Selbst bei Aleksandar Ristic und Jörg Berger soll sich der FC Schalke 04 erkundigt haben.

Doch niemand möchte die Gelsenkirchener in der Not wirklich unterstützen.

Nachdem auch Huub Stevens und Kroatiens Nationaltrainer Slaven Bilic abgewinkt hatten (Bilic-Absage und Schalke-Dementi), wird offenbar jetzt die Suche nach einem Interims-Trainer abgeblasen.

Der Vorstand in Person von Peter Peters und Josef Schnusenberg will nun doch die Assistenten Mike Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck bis zum Saisonende in die Verantwortung nehmen.

Keiner zufrieden

"Es wäre kein Problem, denn mit jedem Tag, an dem keine Entscheidung fällt, wird die Situation für den Verein nicht einfacher", meinte Büskens.

Dennoch wäre es eine Notlösung. Denn zufrieden ist damit niemand - weder die Vereinsführung noch die Betroffenen.

"Die wollten es nicht so ganz, dass wir weitermachen, und wir auch nicht", sagte Mulder der "Süddeutschen Zeitung".

Schnusenberg beschrieb es so: "Eigentlich wäre es für Büskens, Mulder, Reck besser, wenn jemand von außerhalb hinzukommt, denn sie gehörten zum Trainerteam von Fred Rutten."

Zuletzt hatten Büskens und Mulder sich tatsächlich noch lautstark über den Rauswurf des Holländers beklagt.

"Mike ist emotional sehr aufgeladen, er hat bis zum Schluss für Rutten gekämpft", verriet Schnusenberg.

Mulder bestätigte das: "Uns ist gesagt worden: Macht ihr bitte das Training. Aber wir hatten da nicht so viel Bock drauf. Wir sind ja auch nicht verrückt, und Mike und ich haben geglaubt, dass es strukturell besser ist, mit Fred Rutten weiterzumachen."

Totales Chaos

Ein ungeliebtes Trainer-Team, dass eigentlich gar nicht will - das Chaos auf Schalke geht offenbar weiter. 84930(DIASHOW: Sonnenkönig und Fritten-Fred)

Neun Bundesliga-Spiele bleiben Mulder, Büskens und Reck nun noch, um Königsblau zu retten und zumindest in den UEFA-Cup einzuziehen.

Derzeit belegen die "Knappen" mit 37 Punkten nur Rang acht. Sieben Zähler fehlen ihnen auf Rang fünf, elf auf einen Champions-League-Qualifikationsplatz.

"Das ist die schwierigste Situation der letzten Jahre. Ich selbst habe so eine turbulente Zeit noch nicht erlebt", gab Büskens zu.

Auf das Spiel bei Arminia Bielefeld (Fr., ab 20 Uhr LIVE) wollten er und seine Kollegen "die Mannschaft auf jeden Fall so gut es geht vorbereiten".

Vielleicht bringt das Trio sogar tatsächlich wieder Schwung in die Arena.

Bereits in der letzten Saison übernahmen sie nach der Entlassung von Trainer Mirko Slomka am 29. Spieltag die Verantwortung.

Die sehr gute Bilanz damals: 16 von 18 möglichen Punkten, Schalke kletterte auf Platz drei und qualifizierte sich noch für die "Königsklasse".

Zuversicht bei Krstajic

"Youri und Mike haben das letztes Jahr sehr gut gemacht. Sie haben bewiesen, dass sie es können", erinnert sich Kapitän Mladen Krstajic.

Stürmer Kevin Kuranyi ergänzt: "Die beiden sind ein starkes Duo, das funktioniert!"

Ob die beiden "Eurofighter" auch in der nächsten Saison noch auf Schalke arbeiten, hängt allerdings vom neuen Trainer ab.

Und der soll vom neuen Manager gesucht werden - der wiederum noch immer von den S04-Verantwortlichen gesucht wird.

Nachdem zuletzt Oliver Kahn abgesagt hatte, weil das Angebot "zu früh" kam, wird nun Kurt Gaugler als möglicher Nachfolger des beurlaubten Andreas Müller gehandelt.

Der bestens vernetzte Ex-Manager von Drittligist Wacker Burghausen ist aktuell Mitglied im DFB-Vorstand und im DFL-Aufsichtsrat sowie Geschäftsführer der Bundesliga-Stiftung der DFL.

Jones trotzt dem Klima

Einen Kontrapunkt zur anhaltenden Unruhe setzte indes Nationalspieler Jermaine Jones, der seinen Vertrag vorzeitig bis 30. Juni 2014 verlängerte.

"Ich wollte damit zeigen, dass ich auch in weniger guten Zeiten zum Verein stehe und mithelfen möchte, hier die Zukunft positiv zu gestalten", sagte der 27-Jährige.

Dafür habe Schalke mit den Vertragsverlängerungern von Heiko Westermann, Benedikt Höwedes (beide bis 2014) und Manuel Neuer (bis 2012) bereits Zeichen gesetzt.

"Ich freue mich, dass wir Jermaine noch langfristiger an uns binden konnten. Er gehört zu den Korsettstangen unserer künftigen Mannschaft", erklärte Schnusenberg.

Die Treuebekenntnisse der Spieler sind momentan der einzige Lichtblick im dunklen Alltag im "Pott".

Bordon kündigt Abschied an

Bei Marcelo Bordon stehen die Zeichen hingegen auf Abschied. Der Brasilianer, der noch einen Vertrag bis 2011 hat, kündigte seinen vorzeitigen Weggang zum Saisonende an.

"Ich habe momentan nicht das Gefühl, dass ich in der nächsten Saison noch Spieler auf Schalke bin", sagte der 33-Jährige, der vor drei Wochen bereits als Kapitän zurückgetreten war.

"Die Mannschaft soll umstrukturiert werden, und wenn ich dabei zu einem Problem werden sollte, dann muss ich eben auch weg", sagt Bordon.

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