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Michael Rensing spielt seit der Saison 2002/2003 für den FC Bayern München © getty

Es wird ernst: Michael Rensing steht bei den Bayern vor den Wochen der Wahrheit. Noch stärkt der Klub seinem Keeper den Rücken.

Von Tobias Schneider

München - Genug ist genug, dachte sich Michael Rensing.

Ende Februar, kurz vor dem Bundesliga-Spiel gegen den 1. FC Köln, war der Keeper des FC Bayern die ständige Kritik an seiner Person leid.

Rensing haute vor der versammelten Journalistenschar auf den Tisch - und wie:

"Ich habe die Schnauze voll von der ganzen Diskussion, dass jeder meint, sich einmischen zu müssen. Dass sich ständig jemand einmischt, geht mir auf die Eier!"

Einen derart aufgebrachten Rensing hatte es bis dato nicht gegeben.

Wochen der Wahrheit

Die Zeit der lauten Töne ist nun aber vorbei.

Rensing muss auf dem Platz beweisen, ein würdiger Nachfolger von Oliver Kahn zu sein.

Der Welpenschutz ist vorüber, in den kommenden Partien spielt Rensing vermutlich um seine Zukunft im Kasten des Rekordmeisters.

In der Bundesliga steigt das Verfolgerduell mit dem VfL Wolfsburg (Sa., ab 15 Uhr LIVE), in der Champions League wartet das Star-Ensemble vom FC Barcelona (Mi., ab 20.15 Uhr LIVE) mit seiner gefürchteten Offensive.

Es sind die Wochen der Wahrheit - für Rensing und den FCB.

Leistet sich Rensing jetzt einen entscheidenden Patzer, könnte es für den Torwart beim FCB keine Zukunft mehr geben. Da würde selbst der verbale Rundumschlag nichts mehr nützen.

"Wir können es uns nicht erlauben, in der Liga einen Gang zurückzuschalten. Wolfsburg ist mindestens genauso wichtig wie Barcelona", sagt der Keeper.

Endlose Diskussionen

Die Diskussionen um Rensing halten die gesamte Saison an.

Stark auf der Linie, Weltklasse in Eins-Zu-Eins-Situationen, amateurhaft in der Strafraumbeherrschung. Am Torwart der Bayern scheiden sich die Geister, auch innerhalb des Vereins.

Trainer Jürgen Klinsmann wollte dem gebürtigen Niedersachsen nach durchwachsenen Spielen im Herbst eine Denkpause verpassen und Nachwuchs-Mann Thomas Kraft zwischen die Pfosten stellen.

Manager Uli Hoeneß und Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge intervenierten, Rensing durfte seinen Platz behalten, spielt aber seitdem unter gestiegener Beobachtung.

Billig, aber Weltklasse

Aus Sicht der Bayern wäre es mehr als fahrlässig, sich nicht nach potenziellen Nachfolgern umzusehen.

Zwar sitzt mit Jörg Butt ein erfahrener Profi auf der Bank, der 34-Jährige wurde aber vor dieser Saison explizit als Nummer zwei verpflichtet und kam nur im Rückspiel gegen Sporting Lissabon (7:1) zum Einsatz.

Hoeneß verkündete jüngst, für die kommende Spielzeit den Kader nur geringfügig zu verändern. Exorbitante Transferausgaben wie vor der Saison 2007/2008 sind nicht geplant.

Da käme Robert Enke gerade recht.

Der 31-jährige Nationalkeeper in Diensten von Hannover 96 bekundete in letzter Zeit immer häufiger Wechselabsichten.

Trotz großer Ambitionen ist das internationale Geschäft für Hannover aber so weit entfernt wie Helgoland von der Münchner Allianz Arena.

Enke will, Enke muss international spielen - auch um seinen Platz in der Nationalmannschaft nicht aufs Spiel zu setzen.

Enke favorisiert Bundesliga

"Es gibt einen Verein im Ausland, der Interesse hat. Ich denke aber, dass meine Zukunft eher in Deutschland liegt", sagte Enke im Interview mit der "Bild".

Enke (Porträt), der sich um die Wirkung seiner Worte bewusst ist, ergänzte aber: "Es wäre jedoch das falsche Zeichen, wenn ich jetzt mit anderen Vereinen konkret verhandeln würde. Ich habe gegenüber Hannover eine riesige Verantwortung", so Enke, der sich aber alle Optionen offen lässt:

"Ich werde sehen, ob und was es für Angebote im Sommer gibt. Da bin ich ganz offen."

Wolfsburg ein Thema?

Entscheidet sich Enke für einen Wechsel innerhalb der Bundesliga, kämen eigentlich nur die Bayern oder der VfL Wolfsburg in Frage.

Bei den "Wölfen", die beste Chancen auf das Erreichen der Champions League haben, ist Keeper Diego Benaglio nicht unumstritten.

Neben starken Leistungen erlaubte sich der Schweizer zuletzt auch einige böse Schnitzer. Felix Magath, stetig auf Verbesserung bedacht, wird das registriert haben.

Trotz der Millionen von Sponsor VW - einen Mann wie Enke, würde Magath wohl nicht verschmähen.

Auch bei den Bayern ist das Thema Enke aktuell, auch wenn sich Hoeneß bemüht, Rensing den Rücken zu stärken:

"Tatsache ist, dass wir mit Michael Rensing einen ausgezeichneten Torwart haben, der sich immer mehr stabilisiert. Wenn das so weiter geht, brauchen wir uns über einen Robert Enke keine Gedanken zu machen und haben uns auch bisher keine gemacht."

Rensing wird es registriert haben - Enke auch.

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