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Ralf Rangnick übernahm Hoffenheim 2006 in der Regionalliga © getty

Im 2. Teil des Interviews spricht Rangnick über langfristige Ziele, die Angriffe auf seinen Klub und seine persönliche Zukunft.

Von Martin Volkmar

Sport1.de: Mit welchem Ziel fahren Sie jetzt zum Verfolgerduell beim HSV?

Rangnick: Unser Ziel ist es nach wie vor, jedes Spiel zu gewinnen. Und wenn wir in Hamburg wirklich diese Sensation schaffen würden, dann sind wir wieder oben voll dabei. Auch bei einem Unentschieden sehe ich weiter große Chancen. Wenn wir verlieren sollten, dann wird es mit den ersten drei Plätzen schwierig, aber nicht unmöglich.

Sport1.de: Platz eins ist also nach wie vor realistisch für Hoffenheim?

Rangnick: Die ersten sechs Teams können alle noch Meister werden, also auch wir. Zumal wir noch gegen die vier Mannschaften spielen, die vor uns stehen. Deshalb haben wir die Meisterschaft nicht öffentlich als Ziel ausgegeben. Aber es ist möglich.

Sport1.de: Wenn Sie von Verletzungen verschont bleiben?

Rangnick: Ja, irgendwann muss diese Pechsträhne mal ein Ende haben. Jetzt sind Obasi, Ba und Salihovic wieder fit und keine Verletzten hinzugekommen.

Sport1.de: War das letzte Aufeinandertreffen mit dem HSV im Trainingslager in Spanien der Knackpunkt, als sich Ibisevic schwer verletzte und Carlos Eduardo vom Platz flog?

Rangnick: Dieses Spiel würde ich im Rückblick sicher nicht mehr machen. Für die Zukunft ist es die Lehre, nicht gegen Ligarivalen in der Vorbereitung zu spielen. Aber jetzt ist das abgehakt, auch die beiden Platzverweise gegen Carlos und Olic.

Sport1.de: Hoffen Sie darauf, dass nun mit dem Wiedersehen mit dem HSV das Pendel wieder umschlägt?

Rangnick: Natürlich. Das war damals der Wendepunkt zu schwierigen Zeiten und vielleicht ist es jetzt der Wendepunkt zu besseren Zeiten. Wenn es so etwas wie einen Fußball-Gott gibt, dann könnte es so kommen. Aber dafür müssen wir auch etwas tun.

Sport1.de: Wenn diese turbulente Saison vorbei ist: Welche mittel- und langfristigen Ziele verfolgen Sie dann?

Rangnick: Wichtig ist, dass die Mannschaft zusammenbleibt. Da sind Dietmar Hopp, Jan Schindelmeiser und ich uns einig, dass kein Spieler verkauft werden soll oder muss. Und wir wollen sie durch junge Top-Talente weiter verstärken. Dann werden wir nächstes Jahr eine richtig starke Saison spielen.

Sport1.de: Gibt es einen Überbau Ihrer Arbeit, eine sportliche Philosophie?

Rangnick: So wie unsere Mannschaft bis Weihnachten gespielt hat, kommt das meinem Ideal sehr nahe: Nach vorne, ohne Quer- und Rückpässe und bei Ballverlust mit schneller Rückeroberung. Wenn man selber im Ballbesitz ist, kann der Gegner nicht gefährlich werden. Das gelingt uns aufgrund der Ausfälle in der Rückrunde leider nicht mehr so gut.

Sport1.de: Ist schöner Fußball ein Ziel?

Rangnick: Meine Überzeugung war immer, dass Fußball auch Unterhaltung sein muss. Wobei das Ergebnis auch wichtig ist. Man kann nicht immer 4:5 verlieren, so wie wir in Bremen. Aber eine attraktive Spielweise ist gerade für uns als relativ kleiner Klub von Bedeutung, um die Fans in unser neues Stadion zu locken. Bisher funktioniert das: Alle Spiele waren ausverkauft.

Sport1.de: Ihr Team hat bei sehr vielen Fußball-Anhängern das Vorurteil eines "Neureichen-Vereins" widerlegt. Was sagen Sie der immer noch großen Fraktion der hartnäckigen Hoffenheim-Gegner?

Rangnick: Die einzig erfolgreiche Antwort ist unser Spiel. Dadurch haben viele ihre Meinung geändert. Dass man manche eingefleischte Anhänger von Traditionsklubs, die eher emotional denken, nicht umstimmen kann, damit kann ich leben.

Sport1.de: Auch Sie sind immer wieder angegriffen worden, unter anderem von Uli Hoeneß.

Rangnick: Das sehe ich eher als Ehre. Denn Uli Hoeneß hat ja jetzt noch mal zugegeben, dass seine Attacken darin begründet sind, dass er uns bereits als ernsthaften Konkurrenten sieht. Wobei ich mich schon frage, warum es ihm wichtig ist zu betonen, dass Hoffenheim von Dietmar Hopp unabhängig werden muss. So etwas würden wir nie über andere Vereine sagen. Aber ich sehe das als Kalkül von Uli Hoeneß und nehme es nicht persönlich.

Sport1.de: Apropos Bayern: Wäre das auch mal ein interessanter Job für Sie oder sehen Sie Ihre Zukunft ähnlich wie Alex Ferguson bei Manchester United dauerhaft in Hoffenheim?

Rangnick: Ich habe noch einen Vertrag bis 2011 und kann mir derzeit nicht vorstellen, woanders zu arbeiten. Und möchte es auch nicht, weil ich sehr zufrieden bin. Trotzdem kann niemand in die Zukunft schauen. Aber das ist auch das Schöne, das habe ich ja am eigenen Leib seit 2006 in Hoffenheim erfahren.

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