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ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder der Mitgliederversammlung © getty

Karl Hopfner wird zum Präsidenten des FC Bayern gewählt, ist aber nur ein Platzhalter. Uli Hoeneß kündigt seine Rückkehr an.

Vom FC Bayern berichten Christoph Lother und Michael Gößl

München - Um 20.09 Uhr war die Ära des Uli Hoeneß beim FC Bayern offiziell beendet - vorerst.

Exakt 50 Tage nachdem der 62-Jährige vom Landgericht München wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt wurde, wählten die Mitglieder des deutschen Rekordmeisters auf einer außerordentlichen Versammlung am Freitagabend Hoeneß' bisherigen Stellvertreter Karl Hopfner erwartungsgemäß zum neuen Vereinspräsidenten (Der LIVE-TICKER zum Nachlesen).

Von den insgesamt 1593 anwesenden Mitgliedern stimmte die überwältigende Mehrheit von 99,6 Prozent für den langjährigen Finanzchef des Klubs, nur fünf gegen ihn. Hopfner selbst hatte sich enthalten.

Zum ersten Vizepräsidenten wurde Rudolf Schels, zum zweiten Professor Dr. Dieter Mayer gewählt.

44 Jahre lang im Dienst des FC Bayern

Für Hoeneß endete an diesem Abend eine Epoche von sage und schreibe 44 Jahren, in denen er dem FCB in verschiedensten Funktionen gedient hatte.

Seit 1970 prägte der gebürtige Ulmer das Bild des Klubs wie kaum ein anderer. Erst als Spieler, dann als Manager sowie zuletzt - bis zu seinem Rücktritt am 14. März - als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender.

Entsprechend emotional fiel seine Rede aus, mit der er sich von den Vereinsanhängern im Audi Dome verabschiedete.

Öffentliche Häme "nicht zu ertragen"

"Das wird jetzt ganz schwer", eröffnete Hoeneß mit brüchiger Stimme und kämpfte sichtlich mit den Tränen ( 885097 DIASHOW: Die Bilder der Mitgliederversammlung ).

"Ich will mich nicht sauberer machen als ich bin. Ich habe durch meine Spekulationen rund drei Millionen Euro verloren und jetzt werde ich 30 bis 35 Millionen Euro an das Finanzamt zahlen. Ich werde für meinen Fehler geradestehen", versicherte er:

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"Doch das, was zuletzt auf mich an Häme eingeprasselt ist - auf einen Mann, der bereits am Boden lag und liegt - hätten meine Familie und ich keine weiteren zwölf bis 18 Monate ertragen."

Er sei als "Schwein" und "Arschloch" bezeichnet worden, berichtete Hoeneß. Auch - oder gerade - deshalb habe er es abgelehnt, Revision gegen das Urteil einzulegen. Denn: "Dieses Drama hätten wir nicht länger ertragen können."

Abrechnung mit den Medien

Er wolle dem Gericht keinen Vorwurf machen, erklärte Hoeneß: "Die machen auch nur ihren Job."

Stattdessen knöpfte er sich die Medien vor. "Was viele Leute mit mir und meiner Familie angestellt haben, ist unglaublich", schimpfte er ins Mikrofon. Seine Stimme hatte der langjährige Bayern-Patron da längst wiedergefunden.

"Die meisten Journalisten, die über mich berichtet haben, haben noch nie mit mir gesprochen", führte er aus: "Da geht es auch gar nicht ums Berichten, sondern ums Kohle verdienen. Das ist frevelhaft."

Hoeneß: Lebenswerk nicht zerstört

Hoeneß sieht sein Lebenswerk nicht zerstört. "Denen, die zuletzt behauptet haben, ich hätte mein eigenes Lebenswerk zerstört", entgegnete er: "Ich sehe das nicht so."

Sein Lebenswerk beruhe auf drei Fundamenten: der Familie, seiner Wurstfabrik und dem FC Bayern. Und hier, so Hoeneß, habe er zuletzt von allen Seiten große Unterstützung erfahren.

"Wenn ich jetzt gehe, gehe ich mit einem ruhigen Gewissen", betonte er. Seine Familie sei noch enger zusammengerückt, die Wurstfabrik an die Kinder überschrieben, und der Verein "ruht sowieso in sich selbst".

Daran könne auch die schmerzhafte 0:4-Klatsche im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid am vergangenen Dienstag nichts ändern. "So ein Rückschlag ist menschlich und normal", stellte Hoeneß klar: "Wir haben trotzdem wieder eine sehr, sehr gute Saison gespielt."

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Kämpfer Hoeneß: "Das war's noch nicht"

Er selbst werde nun den "schweren Gang ins Gefängnis gehen und versuchen, den Rücken frei zu haben", kündigte Hoeneß an.

Er wolle versuchen, "über mich und meine Gefühle nachzudenken. Denn ich habe zuletzt etwas an mir entdeckt, was ich nie hatte: Hass. Ich hoffe, dass dieses Wort bald möglichst wieder aus meinem Kopf verschwindet."

Spätestens zu diesem Zeitpunkt präsentierte sich der zuletzt so niedergeschlagene Hoeneß wieder als der alte Kämpfer.

"Wenn ich zurück bin, werde ich mich nicht zur Ruhe setzen", sagte der 62-Jährige und kündigte mit Nachdruck ein Comeback an: "Das war's noch nicht!"

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Stehende Ovationen von den Mitgliedern

In seinem Vorhaben, nach abgesessener Haftstrafe noch einmal auf die große Bühne zurückzukehren, dürfte sich Hoeneß an diesem Abend jedenfalls bestätigt gefühlt haben.

Sowohl bei seiner Ankunft in der Halle, als auch während seines gut 15-minütigen Auftritts am Rednerpult erntete der Ex-Bayern-Boss immer wieder stehende Ovationen von den anwesenden Mitgliedern, phasenweise gab es sogar Sprechchöre.

Sein Nachfolger Hopfner bezeichnete ihn als "Kopf, Bauch, stets Herz und immer Seele dieses Vereins", an dessen Erfolgen Hoeneß "maßgeblichen Anteil" habe.

Der Vorstandsvorsitzende des Klubs, Karl-Heinz Rummenigge versprach Hoeneß, "in dieser schwierigen Zeit als guter Freund zur Seite zu stehen".

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