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Schlüsselduell: Wolfsburgs Grafite (l.) gegen Bayerns Lucio © imago

Sport1.de checkt Wolfsburg und Bayern vor dem Spitzenspiel - und stellt fest: Der Bayern-Coach wird sein altes Team ärgern.

Von Martin Hoffmann und Mathias Frohnapfel

München - Punktzahl, Torverhältnis, Tabellenplatz - in jeder statistischen Hinsicht liegen der VfL Wolfsburg und der FC Bayern auf exakter Augenhöhe.

Es erhöht den ohnehin schon gewaltigen Reiz des Spitzenspiels am Samstag (ab 15 Uhr LIVE) noch mehr: Es gibt keinen Favoriten, zumindest keinen, der sich tabellarisch ablesen lässt.

Grund genug, genauer hinzusehen.

Vor dem Spitzenspiel checkt Sport1.de alle Mannschaftsteile der beiden Hertha-Jäger.

Die Torhüter:

Im Jahr 1 nach Oliver Kahn hat Bayern-Keeper Michael Rensing schon eins vollbracht: Er hat sich schon ungefähr genauso viele Feinde gemacht wie sein Vorgänger - ohne jedoch gleichermaßen viele Anhänger gewonnen zu haben.

Verdient hat er das nicht so recht: Der reflex- und spielstarke Rensing ist nicht der "Fliegenfänger", als den ihn seine Feinde sehen. Schwächen - etwa bei hohen Bällen - lassen sich aber auch nicht wegdiskutieren.

Dazu fehlt Rensing der "Aha-Moment", die Glanzparade in einem wichtigen Spiel, die sich ins Gedächtnis brennt. Auf Bestellung ist der nicht zu haben - gegen Wolfsburg wäre aber ein guter Anlass gegeben (Rensing kämpft um seine Zukunft).

Auch Wolfsburg Diego Benaglio ist - trotz überragender Leistung zuletzt in Bielefeld - nicht über alle Zweifel erhaben.

Seine Patzer bei UEFA-Cup-Aus gegen Paris - auch hier ging es um hohe Bälle - lenkten den Blick darauf, dass Benaglios Saison nicht so stark war wie seine überragende Rückrunde 2008.

Nicht grundlos wird Nationalkeeper Robert Enke wie mit Bayern auch mit Wolfsburg in Verbindung gebracht.

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Die Abwehr:

Die Defensive war bei beiden Teams in der Hinrunde ein Sorgenkind, was sich zuletzt aber bei beiden Teams relativiert hat.

In der Rückrunde stellt Wolfsburg mit nur sechs Gegentoren die beste Abwehr der Liga - die Bayern sind mit sieben Stück direkt dahinter.

Die VfL-Abwehr funktioniert bestens, seit Jan Simunek sich im neuen Jahre neben Andrea Barzagli den Platz in der Innenverteidigung erkämpft hat - in der Hinrunde hatte er keine Stammformation finden können.

Bayern kann auf diese Kontinuität gerade nicht bauen: Die Sperre von Martin Demichelis schmerzt. Klinsmann muss jetzt Breno vertrauen, da Daniel van Buyten aus familiären Gründen ausfällt.

Auf den Außenbahnen sind beide Teams auf links stärker - Bayern mit Lahm, Wolfsburg mit Marcel Schäfer. Ihre jeweiligen Counterparts Christian Lell und Peter Pekarik müssen da hinten wach sein.

Sport1.de meint: Leichter Vorteil Wolfsburg

Das Mittelfeld:

Hauptunterschied: Die offensiven Schaltzentralen sind anders postiert.

Bei Bayern kommt Sahnestück Ribery über links, Wolfsburgs Zvejzdan Misimovic - mit 14 Vorlagen beste Fütterstation der Liga - in klassischer Manier durch die Mitte.

Beide dürften je zwei Gegenspieler in Beschlag nehmen: Mit Misimovic wird sich neben Mark van Bommel auch Ze Roberto verstärkt beschäftigen müssen, mit Ribery neben Sascha Riether auch van Bommels Wolfsburger Pendant Josue in der Mitte.

Bleibt das Duell zwischen Bastian Schweinsteiger auf Bayerns rechtem Flügel und dem zuletzt starken Christian Gentner auf Wolfsburg linkem - womöglich ein entscheidendes.

Sport1.de meint: Leichter Vorteil Bayern

Die Stürmer:

Das Prunkstück der Wolfsburger: 18 Treffer von Grafite und 13 von Edin Dzeko sprechen für sich.

Hinzu kommt: Dzeko ist auch noch ein patenter Vorbereiter, war an acht weiteren Treffern beteiligt.

Bayern kann heilfroh sein, dass Luca Toni nach seinen Achillessehnenbeschwerden und dem Heimaturlaub rechtzeitig wieder fit ist. "Er ist sehr gut drauf und hat in Bologna sehr gut gearbeitet", weist Jürgen Klinsmann gegenüber Sport1.de jeden Zweifel an Tonis Fitness zurück.

Nicht nur Tonis Torinstinkt, auch die schiere Präsenz des robusten Italieners hat zuletzt gefehlt: "Er bindet immer zwei Leute - Minimum", umschreibt Klinsmann Tonis Wert für sein Team.

Es bleibt das Problem, dass Bayern mit Miroslav Klose der vielleicht kompletteste Stürmer der Liga fehlt - und Ersatz Podolski zuletzt chronisch unter seinen Möglichkeiten bleibt.

Sport1.de meint: Vorteil Wolfsburg

Die Trainer:

Das vielleicht pikanteste Duell: Felix Magath wurde von Bayern trotz Double-Gewinn bei Bayern entlassen, vor allem weil der FCB unter ihm auf internationaler Ebene nicht vorwärts kam - was nun eben Klinsmann bewerkstelligen soll.

Magath profitiert in Wolfsburg davon, dass er das Team mit den VW-Millionen auf den Kopf stellen und die Mannschaft als sportlicher Alleinherrscher nach seinem Gusto formen konnte.

Das ging in München, wo Hoeneß und Rummenigge auf Mitsprache pochen, nicht - das hat auch Klinsmann bemerkt, dessen Reformeifer von den beiden Schwergewichten schön öfters mal eingebremst wurde.

Klinsmann und Magath eint aber auch einiges - etwa das ausgeprägte Faible für Fitnessfragen.

Sport1.de meint: Ausgeglichen

Fazit:

Auf dem Papier hat Wolfsburg im Sport1.de-Check die Nase vorn.

Hauptgrund ist, dass Wolfsburg - abgesehen vom verletzten, zuletzt aber nicht vermissten Abwehrchef Ricardo Costa - in Bestbesetzung antritt, während Bayern mit Klose und Demichelis zwei wichtige Akteure fehlen.

Darum sieht auch Sport1.de-Experte Fredi Bobic Wolfsburg im Vorteil, "da sie ein Heimspiel haben und ihre Offensive derzeit besser drauf ist als die der Bayern, die ja viel mit Verletzungen zu kämpfen hatte und hat. Das wird den Unterschied machen." (Bobics Experten-Tipp)

Obwohl Magath sein Team konsequent kleinredet: Er hat im Spitzenspiel die Trümpfe in der Hand.

Ob die Bayern ihn sie ihn auch ausspielen lassen, ist die andere Frage.

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