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Dieter Hecking trainiert Hannover 96 seit September 2006 © imago

Nach dem trostlosen Unentschieden gegen Cottbus herrscht in Hannover dicke Luft. Der Trainer fordert die Fans zu Nachsicht auf.

Hannover - Die Pfiffe der Fans konnte Dieter Hecking nicht verhindern, aber allen anderen Kritikern versuchte er den Wind aus den Segeln nehmen.

"Wenn jemand schon nach zwei Spieltagen die Geduld mit dieser Mannschaft verloren hat, kann ich nur den Kopf schütteln", erklärte der Coach nach der enttäuschenden Nullnummer im ersten Saison-Heimspiel von Hannover 96 gegen Energie Cottbus.

Auch wenn die erhoffte Trotzreaktion auf die 0:3-Auftaktpleite bei Schalke 04 ausgeblieben war, wollte Hecking von einem Fehlstart nichts wissen: "Natürlich hilft uns das 0:0 nicht wirklich weiter, aber wie jede Mannschaft braucht auch diese Zeit."

Spieler selbstkritisch

Während das Vertrauen des Trainers in sein Team auch nach 180 torlosen Minuten nicht erschüttert war, zeigten sich die Spieler selbstkritisch.

"Es ist schon bitter und enttäuschend, wenn einem in zwei Spielen nicht mal ein einziges Tor gelingt", meinte Stürmer Mike Hanke, der ebenso wie seine Angriffspartner Jan Schlaudraff und der eingewechselte Mikael Forssell die wenigen sich bietenden Chancen nicht hatten nutzen können.

Probleme im Mittelfeld

Der eigentliche Schwachpunkt im Spiel der Niedersachsen war allerdings das Mittelfeld, das kaum einmal einen gelungenen Spielzug zu Stande brachte und die eigene Offensive weitgehend im Stich ließ.

"Cottbus hat mit zehn Mann am eigenen Strafraum gestanden, und wir sind nicht Bayern oder Schalke, die so eine Defensive trotzdem knacken", sagte Hanke und verteidigte das ideenlose Spiel.

Ein Großteil der 34.636 Zuschauer in der Arena hatte dennoch kein Verständnis für das zähe Gekicke und quittierte die Aktionen ab Mitte der zweiten Spielhälfte mit Pfiffen.

Enke rettet einen Punkt

96-Keeper Robert Enke, der seinem Team mit drei Klasse-Paraden zumindest einen Punkt gerettet hatte, wollte denn auch nichts beschönigen.

"Klar ist ein 0:0 gegen Cottbus kein gutes Ergebnis für uns. Ein Punkt nach zwei Spieltagen ist alles andere als ein guter Start, deshalb müssen wir jetzt im nächsten Spiel beim VfB Stuttgart etwas mitnehmen", so der Nationaltorhüter.

Immerhin hatte er nach dem Länderspiel am Mittwoch gegen Belgien (2:0) zum zweiten Mal innerhalb von 48 Stunden seinen Kasten sauber gehalten: "Für einen Torwart ist das natürlich ganz schön."

Hannover scheitert an Energie-Defensive

Ansonsten gab es allerdings kaum positive Ansätze im Spiel der "96er".

Lediglich die erste Viertelstunde zeigten die Gastgeber wirklich druckvolles Spiel, um danach immer häufiger an der kompakten Energie-Defensive zu scheitern.

"So ist das eben manchmal gegen so einen Gegner. Solche Spiele hat man doch schon 1000-mal in der Bundesliga gesehen", sagte Enke.

Cottbus zufrieden

Zufrieden waren nur die Cottbuser, für die der Auswärtspunkt ein deutlicher Fortschritt gegenüber der 0:3-Heimpleite gegen 1899 Hoffenheim bedeutete.

"Wir haben ein ganz anderes Gesicht gezeigt als noch gegen Hoffenheim", lobte Trainer Bojan Prasnikar sein Team und verbuchte den Zähler als ersten Pluspunkt für das angestrebte Ziel Klassenerhalt: "Das war schon mal ein ganz wichtiger Punkt."

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