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Olaf Thon bestritt 443 Bundesligaspiele für Schalke und Bayern © getty

Olaf Thon spricht im Sport1.de-Interview über Schalkes Turbulenzen und gibt auch eine Trainer-Empfehlung ab.

Von Thorsten Mesch

München - Manager entlassen, Trainer entlassen, sportliche Stagnation: Schalke 04 kommt nicht zur Ruhe.

Dazu hat zuletzt auch Olaf Thon beitragen, der als Berater des Vorstands bei den "Knappen" angestellt ist.

Das S04-Idol klagte, zu wenig in die aktuellen Entscheidungen eingebunden zu werden - es hieß gar, er wolle bei Schalke aussteigen.

Im Interview mit Sport1.de bekräftigt Thon seinen Unmut, spricht die aktuellen Turbulenzen und gibt auch eine Empfehlung, wer den Klub dauerhaft trainieren sollte.

Sport1.de: Herr Thon, sind Sie enttäuscht, dass Sie nicht Manager auf Schalke geworden sind?

Olaf Thon: Clemens Tönnies hat von vorneherein gesagt hat, dass Olaf Thon als Manager nicht in Frage kommt. Von daher war das für mich nicht neu und auch überhaupt kein Thema. Ich bin nicht beleidigt.

Sport1.de: Was braucht der neue Manager?

Thon: Der neue Manager muss, gerade in der schwierigen Situation etwas mitbringen. In meinen Augen muss er Erfahrung haben und fünfzig bis sechzig Jahre alt sein. Auch das Trainergespann braucht Erfahrung. Aber das ist kein Thema für mich, denn in der jetzigen Phase haben wir ein gutes Dreigestirn mit Büskens, Mulder und Reck (Schalker Notlösung: "Eurofighter" sollen es doch richten). Sie haben sich im letzten Jahr bewährt. Von daher ist das überhaupt kein Problem für mich.

Sport1.de: Wie bringen Sie sich im Moment bei Schalke ein?

Thon: Ich habe im vergangenen Jahr einen Vertrag unterzeichnet, dass ich im Marketingbereich arbeite. Ich kann Einiges bewegen und spezielle Dinge machen, wie die Traditionszusammenführung, Reisen organisieren mit unserer Traditionself usw. Das macht alles sehr viel Spaß.

Sport1.de: Welche Rolle sehen Sie für sich außerdem bei Schalke?

Thon: Was ich will ist, Berater des Vorstandes sein. Gerade in dieser Situation habe ich gedacht, dass man sich mehr mit mir zusammen setzt und mich in die Situation mit einbezieht. Das sind Dinge, die mich nicht zufrieden stellen. Deswegen versuche ich das jetzt auch in der Öffentlichkeit mitzuteilen. Und ich komme darauf zurück, zu sagen, wir brauchen jetzt einen erfahrenen Manager, der sich bewährt hat. Zum Beispiel so ein Typ wie Heribert Bruchhagen, der große Erfahrung hat und schon woanders bewiesen hat, dass er erfolgreich und konstant arbeiten kann.

Sport1.de: Bruchhagen hat jedoch genau wie andere Kandidaten abgesagt. Sie sprachen von der Altersstruktur des neuen Managers. Denken Sie, dass man ein bestimmtes Alter braucht, um die nötige Erfahrung mitzubringen? Muss es ein Deutscher sein? Oder kann es auch jemand sein, der aus dem Ausland kommt und die Bundesliga kennt?

Thon: Das ist nur meine Auffassung, wie ich in der jetzigen Situation denke. Ich weiß nicht, was Schalke 04 vorhat. Das ist mein Problem, dass ich nicht mithelfen kann und das würde ich gerne tun.

Sport1.de: Sie fühlen sich außen vor?

Thon: So kann man das beschreiben. Ich habe ein Ziel, wie alle Schalke-Freunde - dass Schalke 04 noch die Kurve bekommt.

Sport1.de: Und ist das möglich?

Thon: Ich glaube, dass man jetzt den richtigen Weg gegangen ist mit dem Trainergespann, das sich letztes Jahr schon bewährt hat. Man muss eine Aufbruchstimmung erzeugen, wie zum Beispiel mit Mike Büskens. Es muss ein Trainer sein, der mit seiner ganzen Familie in Gelsenkirchen eintaucht oder um Gelsenkirchen herum. Das Gleiche gilt auch für den Manager, der kommen wird. Wie ich gehört habe, soll dieser dann auch entscheiden, wer der neue Trainer wird. In meinen Augen könnte das bei gutem Verlauf auch das Gespann machen, das jetzt dran ist.

Sport1.de: Durch das Hin und Her im Bereich Personal und die Außendarstellung sehen viele Schalke als Chaos-Verein, wie bewerten Sie diesen Schaden?

Thon: Man muss bedenken, dass Schalke 1994 wie Phönix aus der Asche kam und dann ab 1994/95 mit dem Uefa-Pokal-Sieg, ab 1997 aber so richtig Fahrt aufgenommen hat. Wenn man alles Revue passieren lässt, ist nicht viel passiert. Es ging eigentlich stetig bergauf und solche Dinge muss man einkalkulieren. Dadurch verzögert sich der Prozess zum großen Erfolg natürlich. Das ist schade. Wir haben uns vor der Saison mit Farfan und Engelaar verstärkt. Doch dann kamen Verletzungen hinzu, der verspielte 3:0-Vorsprung gegen Dortmund und wir kamen einfach nie in Tritt. Das hat zu einer Kette von Fehlentscheidungen geführt, die nun dazu geführt haben, dass wir keinen Manager und keinen Trainer mehr haben.

Sport1.de: Waren die Erwartungen zu hoch?

Thon: Man war zu euphorisch. Man ist Dritter geworden, man hatte die tollen Spiele gegen Porto und Barcelona noch in den Köpfen und wollte natürlich wieder mindestens Dritter werden. Ich glaube, es war nicht utopisch, wenn man sich punktuell mit erfahrenen Leuten und Nationalspielern verstärkt hat. Aber wir haben gesehen, dass der Schuss ganz schnell wieder nach hinten losgehen kann. Es gibt trotz allem aber auch positive Dinge, die man betrachten muss. Wir haben einen Benedikt Höwedes, der sich etabliert hat. Wir haben Riesenchancen gehabt wenn ich an Kuranyi denke, der die einfachsten Dinger nicht reingemacht hat. Wenn Spiele wie gegen Dortmund nicht leichtfertig verschenkt worden wären, wäre vieles möglich gewesen.

Sport1.de: Die Frage nach Oliver Kahn hat enormes Medieninteresse ausgelöst. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Thon: Ich habe bereits beschrieben, dass mein Profil anders aussieht, wobei man sagen muss, dass Oliver Kahn irgendwo in absehbarer Zeit Manager wird. Er hat das Charisma und den Willen. Ob er auf Schalke der Richtige gewesen wäre, weiß ich nicht.

Sport1.de: Wie stellen Sie sich den Spieler vor, der eine Schalker Mannschaft führen kann?

Thon: Marcelo Bordon ist in meinen Augen der wahre Kapitän und das soll er auch bleiben. Man hat einen Neuer im Tor, der vor ein paar Jahren noch in der Kurve gestanden hat und der die Identifikationspapier Nummer eins ist. Wir haben einen Benedikt Höwedes, der in der A-Jugend gespielt hat. Wir haben die Verträge mit Westermann und Jones verlängert und haben ein Gerüst, aber auch diese Spieler sind noch relativ unerfahren und brauchen einen Leader um sich herum. In meinen Augen ist Bordon der richtige Mann, der das noch ein oder zwei Jahre machen kann.

Sport1.de: Aber die Zeichen stehen doch auf Trennung?

Thon: Man muss auch gewisse Personen davon überzeugen, dass sie gebraucht werden. Wie ich den Marcelo kenne, gibt er einem das Vertrauen, was man ihm ausspricht, doppelt zurück.

Sport1.de: Wenn der Vorstand auf Sie zugeht, werden Sie dann noch einmal über alles gesprochen?

Thon: Wenn wir weiterhin in Gesprächen sind und sich das Ganze noch so wendet, dass ich weiterhin bei Schalke bin, wäre das in meinem Interesse. Ich bin weiterhin offen und reiche ihnen die Hand. Ich will auch kein Trainer werden, weil nach meinem beschriebenen Schema gar nicht hinein passe. Was wir jetzt brauchen sind, erfahrene Leute.

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