Die Ära Thomas Tuchel bei Mainz 05 ist beendet. Das wirkt überraschend. Aber: Hinter den Kulissen ist es schon lange turbulent.

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Von Tom Vaagt und Martin Quast

München/Mainz - Christian Heidel gab sich betont aufgeräumt.

Keine 24 Stunden zuvor war dem Manager des FSV Mainz 05 der wichtigste Angestellte im sportlichen Bereich abhanden gekommen.

Nun galt es, den vom Trainer Thomas Tuchel angerichteten Flurschaden zu beseitigen und zerschlagenes Porzellan zu kitten. Zumindest in der Wirkung nach außen.

Dass in der sonst so heilen Welt des Europa-League-Teilnehmers seit Samstagnachmittag eine ganze Menge zu Bruch ging, steht außer Frage.

Da konnte sich Heidel noch besonnen geben und Tuchel als "überragenden Trainer" mit "außergewöhnlichen Ideen" loben. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Wie sehr sich der Sportdirektor schon in den vergangenen Monaten darum bemüht hatte, zu retten, was am Ende nicht zu retten war, wurde in seinen knapp einstündigen Ausführungen am Sonntag deutlich.

Und was Heidel berichtete, war durchaus brisant.

Verhandlungen hinter Mainzer Rücken

Mindestens einmal hatte Tuchel im vergangenen halben Jahr hinter dem Rücken der Mainzer mit einem anderen Klub verhandelt.

Dass Schalke 04 dem Coach schon im Januar am liebsten den königsblauen Trainingsanzug in den Spind gehängt hätte, galt schon länger als offenes Geheimnis.

In der Winterpause soll man sich sehr, sehr nah gekommen sein.

[kaltura id="0_2d17b7r5" class="full_size" title="Der Doppelpass diskutiert Tuchels Abgang"]

Der Einblick, den Heidel in die Vorgänge lieferte, warf dann aber endgültig kein sonderlich gutes Licht auf die Beteiligten.

"Mit Schalke gab es ein Gespräch beim Auswärtsspiel im Februar", sagte Heidel.

Die Thematik sei ihm zwar bekannt gewesen. Weder Tuchel noch die Schalker, bei denen Jens Keller bis heute den Trainerjob ausfüllt, hätten ihn allerdings von den Verhandlungen unterrichtet.

Gleichzeitig gestand Heidel: "Sicher waren wir davon überrascht, was da alles gelaufen ist."

Er habe Schalkes Sportdirektor Horst Heldt empfohlen, Tuchel nach dessen Vertragsende 2015 zu holen.

Auch Bayer war dran

Zugleich betonte der Mainzer aber auch, dass er in der nun aufgetrenen Situation "keine Schlammschlacht" wolle.

Wiederholt verwies er auf die hervorragende Arbeit Tuchels in den vergangenen fünf Jahren. Es gebe "keinen Krach" zwischen ihm und dem Trainer.

"Mir war immer klar, dass er nach Vertragsende nicht noch einmal um fünf Jahre verlängern wird", meinte Heidel:

"Er hat das Können und die Ambitionen, einen größere Verein zu trainieren."

So sei es zuletzt auch zu einer Kontaktaufnahme mit Bayer Leverkusen gekommen.

"Es gab ein langes Gespräch mit Rudi Völler. Da ist alles geklärt", berichtete Heidel, für den eine Freigabe Tuchels auch in diesem Fall nicht in Frage gekommen war.

Ein schleichender Prozess

Unabhängig von diesen Verhandlungen und Anfragen scheint sich Tuchel, der sein Engagement in Mainz am Samstag eigenhändig für beendet erklärt hatte, schon seit Monaten von seiner Aufgabe beim FSV entfernt zu haben.

Der Abgang war offenbar ein schleichender Prozess.

Schon im Januar habe Tuchel offenbart, dass er seine Tätigkeit beenden wolle.

"Er hat mir gesagt, dass nun frische Ideen kommen müsste und er bei der Mannschaft alle Register gezogen habe", berichtete Heidel, der zugab, bis zuletzt auf einen Sinneswandel bei seinem Trainer gehofft zu haben.

Dieser blieb aus. Stattdessen sei es während der Rückrunde zu weiteren Gesprächen mit ähnlichem Verlauf gekommen - bis Tuchel am Samstag dann selbst seinen Abschied verkündete und den Verein ein Stück weit vor den Kopf stieß.

Heidel verweigert Freigabe

"Es war alles darauf ausgerichtet, dass er bis 2015 Trainer bleibt", sagte Heidel: "Wir haben sehr viel Geld in den Kader investiert."

Folglich werde auch der bestehende Vertrag nicht aufgelöst.

"Verträge sind Verträge", sagte der Manager. Zwar habe ihm Tuchel gesagt, dass er "nicht auf Vereinssuche" und "zunächst einmal eine Pause machen" wolle.

Sollte er diese Pause beenden, wenn ein Verein kommt, ist sein erster Ansprechpartner Mainz 05:

"Ein Vereinswechsel wäre ohne Mainz 05 ja auch nicht möglich. Thomas weiß, dass er mit allen Rechten und Pflichten unter Vertrag steht. Jetzt geht es darum, eine Lösung zu finden."

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Nicht Heidels einzige Baustelle: Auch ein Nachfolger für Tuchel muss her.

"Wir wissen, was wir machen wollen", sagte Heidel, wollte aber "kein Zeitfenster" für die Verpflichtung des neuen Coaches nennen.

Tuchel gibt Erklärung ab

Tuchel selbst erschien schon am Sonntag nicht mehr auf dem Vereinsgelände der Mainzer.

Die Saisonabschluss-Party am Samstagabend nach dem 3:2 gegen den HSV (Nachbericht) dürfte sein letzter offizieller Termin mit dem FSV gewesen sein. (889082DIASHOW: Die Bilder des 34. Spieltags)

Per Erklärung teilte er am Nachmittag mit:

Die Entscheidung, die Zusammenarbeit mit Mainz nach fünf Jahren zu beenden, "war ein für mich persönlich notwendiger Schritt, um meine Spieler und mein Mitarbeiterteam wieder positiv beeinflussen zu können, sie vorwärtsgerichtet zu coachen und auf unserem gemeinsamen Weg weiter anzuführen".

Gespräche mit anderen Klubs seien nie in ein finales Stadium gelangt, so dass er auch nicht um eine Freigabe habe bitten müssen.

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