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Während die Dortmunder jubeln, dreht Raffael enttäuscht ab © imago

Während die Berliner nach der zweiten Pleite in Folge von der Spitze fallen, nutzt Dortmund die wohl letzte Chance auf den UEFA-Cup.

Von Tobias Schröter

München - Die Ernüchterung war deutlich zu spüren.

Zwar bemühten sich Hertha-Trainer Lucien Favre und seine Spieler nach der 1:3-Pleite gegen Borussia Dortmund um eine sachliche Analyse, beklagten die "Unnötigkeit" des zweiten Gegentores oder die nicht immer "zu hundert Prozent konzentrierte Abwehrleistung".

Doch aus vielen Gesten und Mienen konnte man entnehmen, dass die Berliner genau wussten, was sie gerade verspielt hatten: die Tabellenführung.

Durch die zweite Niederlage in Folge, gleichzeitig die erste Heimpleite nach einer Serie von zehn Siegen, wurde die Hertha im engen Meisterschaftskampf gleich auf Rang drei durchgereicht - nach vier schönen Wochen des Hochgefühls auf dem Platz an der Sonne.

Hertha nur phasenweise stark

Dass es so kam, lag einerseits daran, dass die Berliner nur in bestimmten Phasen des Spiels das Leistungsniveau erreichten, das sie an die Tabellenspitze geführt hatte.

Vor allem in den ersten 30 Minuten bekam die Hertha nichts zustande, war mit dem BVB-Führungstreffer durch Alexander Frei (25.) noch gut bedient.

Und gerade, als man nach einer Drangperiode zum Ende der ersten Hälfte und dem Ausgleichstreffer durch Raffael zu Beginn der zweiten Halbzeit (54.) das Gefühl hatte, die Hausherren würden nun das Heft in die Hand nehmen, fielen sie wieder ab.

Voronin nur mäßig

"Das war insgesamt heute zu wenig", urteilte Kapitän Arne Friedrich nach der Partie ganz richtig.

In der Tat fehlte der entscheidende Kick, der die Berliner zuletzt auch bei mäßigen Leistungen als Sieger vom Platz gehen ließ.

Andrej Voronin konnte ihn diesmal nicht liefern, der riskanterweise ohne Schutzmaske für seine gebrochene Nase aufgelaufene Ukrainer blieb unter seinen Möglichkeiten.

BVB taktisch und kämpferisch top

Dass es nach dem 1:2 durch Kehl (63.) im Leistungs-Wellental der Hertha an diesem Nachmittag trotzdem noch einmal nach oben ging und durchaus noch Chancen zum erneuten Ausgleich vorhanden waren, täuschte nicht darüber hinweg, dass der Sieg für Dortmund in Ordnung ging.

Denn die starke Leistung der Borussia war der zweite Grund, warum der eigentlich perfekte Tag mit warmen Temperaturen und ausverkauftem Olympiastadion für die Berliner trist endete.

Angefeuert von 8000 mitgereisten Fans und angeführt von einem starken Sebastian Kehl präsentierten sich die Dortmunder taktisch, aber vor allem auch kämpferisch top.

"Haben richtig gebissen"

"Ein tolles Spiel von uns. Die Jungs haben richtig gebissen", war Trainer Jürgen Klopp zu Recht stolz.

Die Dortmunder nutzten ihre wohl letzte Chance auf das internationale Geschäft, verkleinerten den Rückstand auf Rang fünf von sieben auf fünf Punkte. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Darauf angesprochen, reagierte Klopp amüsiert: "Erst waren wir die Unentschieden-Könige, jetzt sollen wir nach zwei Siegen wieder in den UEFA-Cup kommen. Mal sehen."

Schweres Restprogramm

An den UEFA-Cup denkt nun auch Hertha-Manager Dieter Hoeneß: "Wir haben nur noch wenige Punkte Vorsprung auf Platz sechs, die Lerneffekte müssen schnell einsetzen."

Das müssen sie in der Tat, betrachtet man das anspruchsvolle Restprogramm: Unter anderem warten schwere Auswärtsaufgaben in Hoffenheim (24. April) und Hamburg (3. Mai).

Und bekommen die Herthaner bis dahin nicht die Kurve, verspielen sie am Ende womöglich noch mehr als die Tabellenführung.

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