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Grafite (M.) erzielte mit der Hacke gegen die komplette Bayern-Abwehr sein 20. Saisontor © getty

Nicht nur das Ergebnis spricht eine deutliche Sprache. Das fantastische Tor des Wolfsburger Stürmers demütigt die Bayern.

Von Christian Stüwe

München - Ein 5:1-Sieg spricht eigentlich eine deutliche Sprache.

Doch im Falle des Sieges des VfL Wolfsburg gegen Bayern München können die nackten Zahlen nicht die Demütigung ausdrücken, welche die "Wölfe" dem Rekordmeister zufügten.

Zunächst wäre der unfassbare Treffer von Grafite (77.) zum Endstand zu nennen, als der Brasilianer die komplette Bayern-Abwehr düpierte und den Ball an Lässigkeit kaum zu überbieten mit der Hacke neben dem Pfosten einschob. 88688(Das Tor in der Diashow)

Spätestens zu diesem Zeitpunkt waren die Münchner am Boden. Doch Felix Magath setzte noch einen drauf und wechselte ohne Not Reservekeeper Andre Lenz für Diego Benaglio ein. (Einwurf: Magaths Retourkutsche)

Der VfL setzte sich durch den furiosen Sieg an die Tabellenspitze, doch erwies sich nach der Partie einmal mehr meisterlich im Untertreiben.

Magath will den fünften Platz sichern

"Von der Meisterschaft brauchen wir noch nicht zu reden", sagte Trainer Felix Magath todernst. "Unser Ziel bleibt weiterhin, den fünften Tabellenplatz zu sichern."

Auch seinen Spielern ließ sich kein Bekenntnis zum angestrebten Titel abringen. Man denke "nur von Spiel zu Spiel", wiederholten die "Wölfe" gebetsmühlenartig.

Und selbst Grafite, der wohl einen der spektakulärsten Treffer der Bundesliga-Geschichte erzielt hat, gab sich bescheiden.

"Hätte nie gedacht, dass der so reingeht"

"Ich hätte nie gedacht, dass der so reingehen würde. Ich wollte es fast gar nicht, aber ich hatte keine andere Möglichkeit", sagte der 30-Jährige.

"So ein Tor schießt er nur einmal im Leben", kommentierte Trainer Magath und auch Grafite vermutete, dass es "eines meiner schönsten Tore überhaupt" gewesen sei.

An das Tor werde er noch lange denken, so Grafite, der nur drei Minuten zuvor das 4:1 gegen den überforderten Bayern-Verteidiger Breno erzielt hatte. (zum Spielbericht: "5:1! Wolfsburg macht sein Meisterstück")

Nach seinem Doppelpack führt Grafite die Torjägerliste mit 20 Treffern souverän an.

Auch Sturmkollege Edin Dzeko (63./65.) traf doppelt, so dass es der VfL-Sturm mittlerweile auf 35 Treffer bringt.

"Das waren fantastische Offensivaktionen und tolle Tore. Die Mannschaft hat wie im Rausch gespielt", konnte sich Magath immerhin noch zu einem Lob durchringen.

Klinsmann ist bedient

Dzeko kündigte eine heftige Party an. "Das muss sein", freute sich der Stürmer. Doch zur Meisterschaft wollte er sich auch nicht äußern.

Klare Worte fand hingegen Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann. "Wir sind bedient", ärgerte er sich: "Jeder Spieler wird sich die Fehlerketten, die zu den Gegentreffern geführt haben, noch mal anschauen."

Dass Daniel van Buyten (familiäre Gründe) und Martin Demichelis (Gelb-Sperre) fehlten und der 19-jährige Breno einmal mehr seine Bundesliga-Untauglichkeit unter Beweis stellte, sollte nicht als Entschuldigung gelten.

Blick richtet sich auf Barcelona

Vielmehr gilt es, den Blick schon wieder nach vorne zu richten. Schon am Mittwoch steht das Hinspiel im Champions-League-Viertelfinale gegen den FC Barcelona an.

"Wir haben eine Klatsche bekommen und das muss man wegstecken", forderte Klinsmann: "Wir sind Manns genug zu sagen, wir stehen jetzt wieder auf und werden ein gutes Spiel in Barcelona machen."

Das ist jetzt auch dringend notwendig. Im DFB-Pokal ist Bayern ausgeschieden und nun setzte es auch im Titelkampf einen bösen Rückschlag.

Drei Punkte sind es auf die Tabellenspitze, zudem wurde gegen einen direkten Konkurrenten das Torverhältnis ordentlich versaut. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) In der Rückrundentabelle stehen die Bayern auf Rang sechs, hinter dem VfL Bochum.

"Müssen den Hebel umlegen"

"Wir hätten einen Riesenschritt nach vorne machen können. So wie ihn Wolfsburg jetzt gemacht hat", erkannte Klinsmann die Situation.

"Wir müssen den Hebel jetzt umlegen und nach vorne schauen, in Richtung Barcelona", so Klinsmann.

Demütigung muss verarbeitet werden

Immerhin: Martin Demichelis ist gegen Barcelona wieder dabei und kann der Abwehr Stabilität verleihen.

Vielleicht findet auch Lukas Podolski, nach der "Ohrfeigen-Affäre" unter der Woche fast ohne Ballkontakte, besser ins Spiel. Und womöglich entdeckt auch Franck Ribery wieder seine Spielfreude.

Am wichtigsten wird es aber sein, die Demütigung aus Wolfsburg zu verarbeiten.

Denn bei aller Klasse, die Wolfsburg in dem denkwürdigen Spiel am Samstag unter Beweis stellte: Der FC Barcelona ist noch ein ganz anderes Kaliber.

Vielleicht bietet ja gerade dieser übermächtige Gegner die perfekte Gelegenheit zur Rehabilitation.

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