vergrößernverkleinern
Jens Lehmann begann seine Profi-Karriere 1988 beim FC Schalke 04 © getty

Trainer und Manager des VfB feiern ihren Torhüter trotz seines Fehlers als "cleveren Hund". Bochums Coach Marcel Koller ist bedient.

Von Felix Götz

München - Gibt es Gegentore, die zu einem psychologisch guten Zeitpunkt fallen? Offenbar ja.

Darüber waren sich zumindest die Stuttgarter nach ihrem 2:1-Auswärtssieg beim VfL Bochum und dem damit verbundenen Sprung auf einen UEFA-Cup-Platz einig. (DATENCENTER: Ergebnisse)

Nach einer ordentlichen, aber an Chancen armen ersten Halbzeit leitete nämlich ausgerechnet ein kapitaler Bock von VfB-Keeper Jens Lehmann den Stuttgarter Sieg ein. (Spielbericht)

"Vor zwei Jahren haben wir hier auch zurückgelegen. Das haben wir ihm vor dem Spiel gesagt. Er ist eben ein cleverer Hund", feierte Stuttgarts Manager Horst Heldt den 61-maligen Nationalspieler mit einem Augenzwinkern.

Folgendes war passiert: Epalle zog in der 48. Minute von der linken Seite eine eigentlich harmlose Flanke auf das Tor der Schwaben. Lehmann hatte den Ball sicher, fiel aber dann mit dem Spielgerät hinter die Torlinie - 1:0 für Bochum.

"Das war clever"

"Er sieht da unglücklich aus. Aber er hat damit die Mannschaft wachgerüttelt. Von daher war es sehr clever von ihm", sagte Trainer Markus Babbel.

Der Unglücksrabe, der nach der Landung den Ball noch schnell, aber erfolglos vor die Linie schummelte, schilderte die Situation so: "Der Ball hat sich immer weiter zum Tor gedreht. Schon im Fallen war ich mir unsicher. Dann habe ich gehofft, dass der Linienrichter nicht optimal steht. Aber ich war mir meines Unglücks gleich bewusst."

Abgesehen von dieser Situation bot der 39-Jährige (Spielerportrait), der seinen Vertrag beim VfB bis 2010 verlängert hat und weiter auf eine WM-Teilnahme in Südafrika hofft ("wenn es Bedarf gibt, dann wäre es für mich ein Anreiz zu spielen"), eine gute Partie.

Hitzlsperger bärenstark

Denn der Deutsche Meister von 2007 erwachte nicht sofort, sondern musste nach dem Gegentor noch brenzlige Situationen überstehen.

In dieser Phase hielt ausgerechnet Lehmann die Stuttgarter im Spiel, in dem er zwei Distanzschüsse von Christoph Dabrowski mit tollen Paraden entschärfte.

Dann aber kam Stuttgart, angeführt vom bärenstarken Thomas Hitzlsperger, der an beiden Toren beteiligt war, immer besser in Fahrt.

Mangelhafte Chancenverwertung

In der 58. Minute verlängerte Martin Lanig eine Ecke von "The Hammer", und Cacau erzielte aus zwei Metern per Kopf den Ausgleich. 88688(Die Bilder des Spieltags)

Dass es bis zur 89. Minute dauerte, ehe der VfB nach einem Hitzlsperger-Eckball durch den angeblich vom AC Mailand beobachteten Serdar Tasci in Führung ging, lag vor allem an der mangelhaften Chancenverwertung der Stuttgarter.

Erst scheiterte Lanig nach einem Doppelpass mit Hitzlsperger freistehend am Außenpfosten, dann sorgte Roberto Hilbert für einen Fehlschuss, der wohl noch des Öfteren zu bestaunen sein wird, wenn es um die kuriosesten Pannen der Bundesliga-Geschichte geht.

Cacau gegen Hamburg gesperrt

Der eingewechselte Jan Simak brachte den Ball von der linken Seite flach nach innen, wo Hilbert aus zwei Metern das Kunststück fertigbrachte, die Kugel am rechten Pfosten vorbeizuschießen.

Babbel war trotz der Pannen glücklich: "Ich bin hochzufrieden, weil meine Mannschaft bis auf die ersten 15 Minuten nach der Pause ein gutes Spiel gemacht hat und am Ende für ihre harte Arbeit noch belohnt worden ist."

Einziger Wehrmutstropfen für den VfB: Torschütze Cacau kassierte seine fünfte Gelbe Karte und ist beim wichtigen Heimspiel am nächsten Sonntag gegen den Hamburger SV gesperrt.

Heldt nimmt Gomez in Schutz

Das könnte für die Schwaben zum Problem werden. Zum einen ist nämlich der Einsatz von Ciprian Marica (Schulter ausgekugelt) eher unwahrscheinlich, zum anderen scheint Mario Gomez seine Seuche von der Nationalmannschaft mit in die Bundesliga transportiert zu haben.

Das deutete sich zumindest im Rewirpower-Stadion an, wo der "Torero" zwar bemüht, aber erneut völlig glücklos war und folgerichtig nach 82 Minuten ausgewechselt wurde.

"Ich fange keine Diskussionen über ihn an. Er ist immer noch ein Weltklassespieler", beendete Heldt das Thema Gomez mit einer deutlichen Ansage.

Koller bedient

Während der VfB mit nur sechs Punkten Rückstand auf Tabellenführer VfL Wolfsburg wieder große Ziele vor Augen hat, müssen die Bochumer den Blick nach unten richten.

"Es ist bitter, dass wir in der 90. Minute den Treffer zum 1:2 bekommen", sagte der restlos bediente VfL-Trainer Marcel Koller.

Angesichts der immer noch annehmbaren Tabellensituation (Platz 14) und starken 14 Punkten in der bisherigen Rückrunde, strahlte zumindest Kapitän Marcel Maltritz Zuversicht aus: "Die Niederlage wird uns nicht umwerfen. Wir haben noch genug Spiele, um die Punkte für den Klassenerhalt zu holen."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel