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Kölns Meister-Trainer Georg Knöpfle (M.) mit Wolfgang Weber (l.) und Wolgang Overath © imago

Die Bundesliga feiert ihren 45. Geburtstag. 1963 startete die Liga mit 16 Teams. Vom ersten Tor gibt es nicht einmal ein Bild.

München - Sonntag ist ein historischer Tag. Am 24. August 1963, also vor genau 45 Jahren, wurde die Bundesliga eingeweiht.

Was kaum noch einer weiß: Die Spiele begannen nicht um 15.30 Uhr, sondern zu verschiedenen Anstoßzeiten, die meisten um 17 Uhr.

So konnte es noch keine Sportschau geben, und auch die Bundesliga-Konferenz im Radio, die samstags das Autowaschen erträglich machte, entstand erst viel später.

Und der "kicker" musste seinen Technikern Druck machen, um schnellstmöglich mit einem farbigen Titel erscheinen zu können.

Denn selbst größte Optimisten hatten sich die Erfolgsgeschichte, die die Bundesliga werden sollte, nicht ausgemalt.

Das erste Tor schoß Dortmund

280.000 Zuschauer kamen zu den damals acht Spielen, nur die Begegnung Preußen Münster gegen Hamburger SV war mit 32.000 Zuschauern ausverkauft.

Erster Spitzenreiter war der 1. FC Köln, dessen 2:0 beim 1. FC Saarbrücken damals mehr wert war als das 4:1 des MSV Duisburg, der damals noch als Meidericher SV firmierte, in Karlsruhe.

Das erste Tor schoss Timo Konietzka für Borussia Dortmund nach rund 50 Sekunden.

Kein Bild vom ersten Tor

Konietzka erinnert sich: "Anstoß, Franz Brungs wurde als ältester Spieler traditionell zuerst angespielt, von ihm kommt ein Pass auf die linke Außenseite zu Emma (Lothar Emmerich/Anm. d. Red.), der gab flach rein. Ich wurde zwischen Fünfmeterraum und Elfmeterpunkt angespielt und habe den Ball flach mit rechts rein geschossen."

Es gibt keine Bilder von diesem Tor. Die wenigen Fotografen kamen alle aus Bremen und hatten sich hinter dem Dortmunder Tor versammelt.

Jahre später hat Radio Bremen die Fernsehaufnahmen gelöscht, der historische Wert wurde nicht erkannt.

"Goldgräberstimmung" bei den Spielern

Bei den Spielern herrschte, so der Kölner Wolfgang Weber, "eine Aufbruchstimmung, fast eine Goldgräberstimmung". Vor allem der finanzielle Aspekt war nicht zu unterschätzen: "Wir waren alle enthusiastisch dabei, denn wir durften ja statt 400 Mark im Monat plötzlich 1200 verdienen."

DFB-Trainer Horst Hrubesch, DFB-Schatzmeister Horst R. Schmidt und Ehren-Vizepräsident Karl Schmidt haben nur noch verschwommene oder gar keine Erinnerungen an diesen konkreten Tag.

Wer hätte auch ahnen können, dass er einmal wichtig werden könnte? Karl Schmidt, neunmaliger Nationalspieler: "Ich weiß nur noch, dass ich großes Bedauern empfunden habe. Als 31-Jähriger war ich zu alt, um mit dem 1. FC Kaiserslautern dieses Abenteuer noch erleben zu dürfen."

Prägende Jugenderlebnisse

Wolfgang Niersbach, inzwischen Generalsekretär des DFB, hat den Bundesligastart als prägendes Jugenderlebnis nicht vergessen: "Mein erstes Spiel live sah ich am 4. Spieltag. Köln - Schalke, 2:2. Und Heinz Hornig hat ein wunderbares Tor geschossen."

Danach fuhr der eingefleischte Fan von Fortuna Düsseldorf mit der Straßenbahn oft nach Duisburg - nicht, um den Meidericher SV zu sehen, sondern Spieler wie Uwe Seeler oder Petar Radenkovic.

Unvergessliches Erlebnis

Peter Keller, 2. Geschäftsführer bei der SpVgg Porz 1919 und in der DFB-Stiftung Egidius Braun aktiv, bestätigt: "In der Regionalliga West kochten wir ja nur im eigenen Saft. Und jetzt sahen wir in Köln Nürnberg, München 60, Hamburg, Kaiserslautern! Ich bin im ersten Jahr mit dem 1. FC Köln zu vier Auswärtsspielen gefahren. Damals setzte die Bundesbahn ja noch Sonderzüge ein. Ich habe dank des Fußballs Städte entdeckt, in denen ich noch nie gewesen war."

Und dass sein Verein, der 1. FC Köln, dann der erste Deutsche Meister wurde, macht für ihn das damalige Baby Bundesliga unvergesslich.

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