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Der FC Bayern ist Jürgen Klinsmanns erste Station als Vereinstrainer © imago

Erst die Blamage, dann die Wutrede: Bei Bayern schrillen die Alarmglocken. Sport1.de erklärt, warum Klinsmann der Kragen platzt.

Über den FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Die Nacht nach der Schmach hat Jürgen Klinsmann vor dem Fernseher verbracht.

Der Bayern-Coach spulte die Aufzeichnung vor und wieder zurück.

Immer und immer wieder hatte er sich die Gegentore der 1:5-Blamage gegen den VfL Wolfsburg 88688(Die besten Bilder) angeschaut.

Frust stieg in ihm auf, am Sonntag- morgen wusch er seiner Mannschaft dann gründlich den Kopf. Drei Tage vor dem Viertelfinal-Hinspiel beim FC Barcelona in der Champions League (Mi., ab 20.15 Uhr LIVE) war es wohl seine bislang emotionalste Rede als Trainer der Münchner.

"Ich konnte die Treffer auswendig schildern, da brauchte ich keine Videountermalung mehr", verriet Klinsmann nach seiner Standpauke für das Team.

Die hatte es in sich. Niemand wurde geschont, jeder Fehler gnadenlos angesprochen - danach herrschte betretene Stille.

"Was da in Wolfsburg vorgefallen ist, das köchelt. Da ist eine Enttäuschung da, eine Wut, die in mir kocht", gestand Klinsmann auch Sport1.de - später im Pressetalk.

Projekt in Gefahr

"Das Jahr 2009 wird sich jetzt in den nächsten sechs, sieben Wochen definieren, für jeden einzelnen Spieler und für den Klub", hatte der 44-Jährige vor der Partie in Wolfsburg betont.

Nun sieht er sein Projekt in Gefahr - und deshalb rot. Es wird langsam eng, Klinsmann nennt es "kribbelig" (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Es ist klar: In der Schlussphase der Saison lassen sich Ausrutscher nicht mehr reparieren.

Sollte am Ende nicht der Meistertitel herausspringen, das weiß auch er, droht Ungemach. "2006 wurde man Vierter, das hat Felix Magath den Job gekostet ...", erinnert er sich.

Bosse schweigen

Die Bayern-Bosse schweigen. Das ist an der Säbener Straße bekanntlich kein gutes Zeichen.

Doch noch hat der FC Bayern die Chance, alles zum Guten zu Wenden. "Wir können nach wie vor alles gewinnen, aber wir müssen umdenken", fordert Klinsmann.

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Im mentalen Bereich sitzt für ihn das Kernproblem. Wenn er darüber spricht, ist sein Blick ernst, seine Wortwahl deutlich.

Die Einstellung seiner Spieler bereitet ihm buchstäblich Kopfschmerzen (Lattek-Kolume: Gefahr für Bayern).

"Gegen Wolfsburg resultierten alle Gegentore aus individuellen Fehlern - das ist eine Frage der Konzentration", kritisiert er.

Klinsmann weiter: "Die Mannschaft muss begreifen, dass es eine reine Willenssache ist."

Er fordert von jedem Einzelnen, sich "aufzuopfern für den FC Bayern und den inneren Schweinehund zu überwinden".

Nur die Pflicht zählt

Für ihn ist alles, was jetzt in der "Königsklasse" noch kommt die Kür, die Meisterschaft ist Pflicht - daran wird Klinsmann sich messen lassen müssen.

Wer jetzt nicht mitzieht, dem drohen am Saisonende Konsequenzen.

In einigen Köpfen ist drin, dass es umgekehrt sei. "Das ist eine fatale Denkweise. Es beinhaltet das Risiko, dass man am Ende ganz mit leeren Händen dasteht."

"Mir geht es darum, dass jeder begreift, was nun auf dem Spiel steht: das gesamte Jahr 2009, die Zukunft des FC Bayern", sagt der Trainer.

Dazu sei zwingend notwendig, dass die Spieler nun mehr Verantwortung übernehmen.

"Ich habe immer den Kopf hingehalten, wenn ein Spiel verloren wurde. Doch jetzt muss jeder Spieler Verantwortung tragen und den Kopf hinhalten", fordert er und kündigte eine schonungslose Abrechnung nach dem 34. Spieltag an.

Konsequenzen am Saisonende

"Die Spieler müssen wissen, dass es irgendwann mal Konsequenzen geben kann. Am Saisonende ziehen wir ein Resümee, wer hat die Arbeit gut gemacht und wer weniger gut gemacht."

Was den akribischen Arbeiter Klinsmann zudem wurmt, ist, dass die Profis seine Philosophie offenbar noch nicht angenommen haben.

"Wir haben beim FC Bayern einen Prozess gestartet. Die Erträge sehen wir in der Champions League, aber uns fehlt die gedankliche Konstanz."

Bei den hohen Ansprüchen beim Rekordmeister, komme es gerade auch auf Details an.

"Wir können nur die Tür öffnen und unterstützen, aber durchlaufen muss jeder Spieler selbst", erklärt Klinsmann.

Lucio fraglich

Auch die Verletztenlage könnte besser aussehen. Der Einsatz von Verteidiger Lucio (Adduktorenprobleme) steht auf der Kippe.

Sein potenzieller Vertreter Daniel van Buyten, dessen Vater schwer erkrankt ist, ist laut Klinsmann "freigestellt, solange er möchte".

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