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Hakan Calhanoglu wechselte im Vorjahr vom Karlsruher SC nach Hamburg © getty

Hakan Calhanoglu möchte den Hamburger SV verlassen. Sein Berater begründet bei SPORT1 den Wechselwunsch des Mittelfeld-Juwels.

Von Reinhard Franke

München - Der Hamburger SV kommt nicht wirklich zur Ruhe.

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Von wegen Erleichterung, Aufatmen und Vorfreude auf das, was kommt. Stattdessen wächst unter anderem die Wut der HSV-Fans auf Mittelfeld-Juwel Hakan Calhanoglu.

Für die Fans ist das Maß voll. Nachdem Calhanoglu seinem Wechselwunsch zu Bayer Leverkusen drastisch Nachdruck verliehen hat, richtet sich der Zorn der Anhänger in den sozialen Netzwerken auf ihren einstigen Liebling. "Luftpumpe", "Heuchler", "Verräter", heißt es da.

Calhanoglus Berater Bektas Demirtas erklärt nun im Gespräch mit SPORT1 den Wechselwunsch des Mittelfeldspielers.

Berater sieht "Win-Win-Situation"

"Ich sehe das nicht so emotional, wie es im Moment rüberkommt. Ich sehe den HSV als Partner, das ist ein großer Klub, und ich bin ein Fan von Win-Win-Situationen", sagt Demirtas. Er fügt hinzu: "Ein Spieler ist für 2,5 Millionen Euro gekommen, hat maßgeblich zum Klassenerhalt beigetragen und könnte mit einem satten Gewinn weitergehen. Ohne die ganzen Emotionen und die Hysterie ist die Entscheidung ganz klar."

Calhanoglu hatte zuvor in einem Interview mit der "Sport-Bild" schonungslos seine Wechselabsichten bekräftigt. "Ich möchte den HSV definitiv verlassen. Meine Perspektive für die kommende Saison sehe ich ganz klar bei Bayer Leverkusen", sagte der 20-Jährige.

Seine Absichten habe er bereits vor einer Woche - und damit vor der Entscheidung im Abstiegskampf gegen Greuther Fürth - bei HSV-Boss Carl Jarchow und Sportdirektor Oliver Kreuzer hinterlegt. (894205DIASHOW: Das Relegations-Rückspiel)

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Demirtas hält diesen Wunsch für völlig legitim: "Nach einer ganz schwierigen Saison in diesem Jahr hat es der Junge geschafft einen Marktwert zu generieren, der unglaublich ist." Jetzt mache man sich "natürlich Gedanken, wie die nächste Saison verläuft, ob die Entwicklung so weiter geht. Der Junge fragt sich, ob er das nochmal schafft elf Tore zu schießen, er steckt voll in der Entwicklung."

Signal für eine Lösung

Calhanoglu habe "von Hamburger Seite ein Signal erhalten, dass nach dem Klassenerhalt nach einer Lösung gefunden werden soll." Calhanoglu brauche "Figuren, an denen er sich hochziehen kann." Die sieht er beim HSV offenbar nicht.

Auf der anderen Seite gilt: Egal, ob ein Wechsel jetzt klappt oder erst in einem Jahr - der nächste Klub dürfe "nicht zu hoch sein für Hakan."

Demirtas hat unter anderem eine Sorge: "Wenn es heißt, dass man eine Mannschaft um Hakan aufbauen will, dann weiß ich nicht, ob er diesem Druck gewachsen ist."

Und was, wenn die HSV-Bosse hart bleiben und auf dem erst im Februar verlängerten Vertrag bis 2018 beharren?

Ärger werde es nicht geben, versichert Demirtas: "Vertrag ist Vertrag, der Junge würde keinen Ärger machen. Wir würden dann über eine Gehaltserhöhung sprechen, die dem Jungen schon in Aussicht gestellt wurde. Dann geht es weiter. Für eine Lösung müssten sich alle Partien bewegen. Von uns wird es keinen Druck geben."

"Es gibt nur eine Karriere"

Dass sein Spieler erst im Februar seinen Vertrag bis 2018 verlängerte und jetzt weg will, erklärt er so: "Man muss das aus der Sicht des Spielers sehen. Es gibt nur eine Karriere, die man machen kann. In zehn Jahren ist es vorbei."

[tweet url="//twitter.com/search?q=%23ChampionsLeague"]

Und weiter: "Die letzten Monate waren nicht einfach und da kam es zu einem Umdenken. Aus Sicht eines HSV-Fans ergibt sich eine ganz andere Situation, aber aus Sicht von Hakan muss man das so sehen, dass der Junge etwas erreichen möchte."

Demirtas nimmt seinen Klienten in Schutz: "Hakan hat den Wunsch deutlich geäußert, zu einem anderen Verein zu gehen. Jetzt kann jeder aus seiner Sicht versuchen, das Richtige zu tun. Wenn der HSV hart bleibt, dann ist das so. Ich würde es zwar nicht verstehen können, aber Hakan würde sich an die Regeln halten, dazu ist er viel zu sehr Sportsmann."

Unabhängig von Bierhoff

Der Hamburger SV plant im Augenblick die Zukunft und möchte DFB-Manager Oliver Bierhoff als neuen Vorstandschef unter Vertrag nehmen, sollte die geplante Ausgliederung der Profiabteilung (HSV-Plus) am Sonntag gelingen.

Davon will Calhanoglu seinen Entschluss aber nicht abhängig machen.

"Ich habe Riesen-Respekt vor Herrn Kreuzer und Herrn Jarchow, aber das hat nichts mit Personen zu tun", sagt Demiertas: "Wir würden gerne mit den Beiden eine Lösung finden, alles andere können wir nur aus der Ferne beobachten."

Ein bisschen verwundert zeigt sich Demirtas über Jarchow. Der habe gewettet, dass Calhanoglu auch in der 2. Liga beim HSV spielen werde. Der Spieler nannte dies respektlos.

Abstiegskampf und Emotionen

"Abstiegskampf pur, Emotionen pur und dann hört man von so einer Wette. Das ist hart. Ich weiß nicht, ob die Aussage so gefallen ist, aber wenn ja, dann ist das aus Sicht des Jungen schon schwierig zu interpretieren. Er gibt alles für den HSV und dann hört er, dass er auch in der 2. Liga bleibt und dann gibt es ein Essen, wenn es nicht so ist."

Die Wette wird Jarchow wohl verlieren. "Egal wie es wird, ich hoffe wir finden eine gute Lösung. Wir wollen schnell Klarheit. Das wäre für alle Partien gut", sagt Demirtas und stellt klar: "Es wird keine Schlammschlacht geben."

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