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Gut lachen: Claudio Pizarro schoß drei der vier Werder-Tore © getty

Trotz privater Probleme schießt Claudio Pizarro Werder zum 4:1 über Hannover. Eine gute Generelprobe für den UEFA-Cup ist es aber nur bedingt.

Von Tobias Schröter

München - Wenn ein Spieler abseits des Platzes Probleme mit sich herumträgt, wird im Fußball oft vermutet, dass sich das auch auf die Leistung auf dem grünen Rasen auswirkt.

Dass dies nicht zwingend so sein muss, bewies Bremens Claudio Pizarro beim 4:1 (1:0) des SV Werder gegen Hannover 96 eindrucksvoll.

Mit drei Treffern schoss der wegen einer Geldwäsche-Affäre unter Beschuss geratene Peruaner seinen Klub fast im Alleingang zu einem Heimsieg, der weniger für die Bundesliga, denn als Selbstvertrauens-Stärkung für das UEFA-Cup-Spiel gegen Udine am Donnerstag wichtig war.

Wie er das so ausblenden könne, wurde Pizarro nach dem Spiel berechtigterweise gefragt. "Weil ich kein Problem habe. Weil ich mich auf die Arbeit auf dem Platz konzentriere", war die simple Antwort des Stürmers.

Ein Meister des Verdrängens.

Nur teilweise gelungene Generalprobe

Vom Ergebnis her sorgte "Pizza" mit seinem Dreierpack also für ein positives letztes Spiel vor der wesentlich wichtigeren Partie gegen die Italiener.

Aber als wirklich gelungene Generalprobe ließ sich das Spiel auch nicht bezeichnen.

Zu miserabel war die erste Halbzeit, in der die Anzahl der Fehlpässe fast so hoch zu sein schien wie die der gelungenen.

"Lange schwer getan"

Zwar brachten auch die Gäste nicht mehr zustande. Aber nur zwei Torschüsse, von denen sich der eine nur durch Mithilfe von Christian Schulz ins Tor senkte, waren aus Werder-Sicht eindeutig zu wenig.

"Wir haben uns lange schwer getan", sah auch Werder-Coach Thomas Schaaf.

Im zweiten Durchgang besserte sich das nur langsam, erst zum Ende hin steigerte sich Bremen und versöhnte die Fans mit weiteren Toren.

Zu dieser Tempobeschleunigung schien es erst eines drohenden Unentschiedens zu bedürfen, das nach dem verschossenen Elfmeter von Diego (61.) und dem Ausgleich durch Jacek Krzynowek für die harmlosen Gäste durchaus greifbar schien.

Positive Erkenntnis

Doch in diesem Moment gab Werder die richtigen Antworten, was wohl als wirklich positive Erkenntnis aus dem für die Bremer ansonsten eher mäßig wichtigen Spiel übrig blieb.

"Hinterher lief es dann wesentlich runder", stellte Schaaf fest, war sich gleichzeitig aber auch bewusst: "Gegen Udine müssen wir schneller ins Spiel finden."

Auf der Gegenseite machte sich nach einer wieder einmal ertragslosen Auswärtsreise ? seit fast einem Jahr sind die Hannoveraner mittlerweile ohne Sieg in der Fremde ? Frust breit.

"Schießbuden-Enke" bedient

"Beim 1:2 passen wir nicht auf, vielleicht war es sogar ein Foul von Diego an Lala. Aber dass wir dann noch zwei bekommen, geht nicht. Schon wieder vier Stück, das kannst du keinem erzählen. Das ist bitter", war 96-Torwart Robert Enke restlos bedient.

Bis zur Schlussphase hatte er das Duell der National-Torhüter gegen den weitgehend beschäftigungslosen Tim Wiese durch den glänzend gehaltenen Elfmeter nämlich für sich entschieden.

So aber sah er trotz mangelnder Schuld an allen vier Gegentoren schlecht aus ? und wurde obendrein von den Werder-Fans verhöhnt: "Schießbuden-Enke" hallte es ab dem 1:3 von den Rängen.

Abstiegskampf bis zum Ende

Weit mehr als das dürfte dem Hannoveraner Schlussmann jedoch der Blick auf die Tabelle Sorge bereiten.

Dort rutschten die Hannoveraner mit weiterhin 26 Zählern einen Punkt näher an den Relegationsplatz 16 heran, da Mönchengladbach einen Punkt in Karlsruhe mitnahm.

Das Abstiegsgespenst kreist also voraussichtlich bis zum Saisonende über den Niedersachsen, die mit solchem Auftreten auch ein weiteres Jahr ohne Auswärtssieg bleiben.

"Wenn man 1:4 verliert, hat man wenig Argumente", weiß 96-Trainer Dieter Hecking.

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