In seiner Kolumne für Sport1.de kommentiert Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher das aktuelle Geschehen in der Bundesliga.

Fünf krachende Böller gegen Bayern, ein konstant kämpfender HSV - die "Schlacht um die Schale" (das aktuelle Meister-Motto der "Bild") wird immer verrückter!

"VW-City" heißt der neue Tabellenführer und ist nach der Gala gegen den Rekordmeister gefühlter Nachfolger der Leistungs-Diva von der Isar.

Nie war Wolfsburg so gut wie heute. Nie mehr wird die Chance auf den Titel so groß sein wie jetzt.

Fußball-Deutschland staunt - ist aber so richtig glücklich mit dieser Wendung scheinbar auch nicht.

Als ich am Samstag nach dem "freiwilligen" Ausstieg der Hertha aus dem Titel-Fight am Berliner Flughafen in der Sicherheits-Kontrolle stand, maulte ein Security-Beamter:

"Ne' Werkself als Deutsche Nr. 1 in der Champions-League ? brauchen wir eigentlich nicht."

Warum eigentlich nicht?

Wer soll es denn sonst sein - außer den Bayern?

Eine Hertha als Meister, die sich selber schwach geredet hat mit der Tiefstapelei "Wir sind noch nicht so weit"?

In Hamburg und Wolfsburg beginnt jetzt die wichtigste Entscheidung: Will man tatsächlich die Schale? Wenn ja, dann muss man das sagen und dazu stehen!

In der Autostadt hat man anscheinend schon genickt.

Denn Felix Magath, der "Diktator vom Mittellandkanal", war vor und nach dem Triumph über München überall "on air".

Eine Trainingseinheit mit ARD-Late-Night-Klamauker Oliver Pocher, ein Besuch im Sportstudio und dann noch eine Plauderei im DSF-Doppelpass.

Felix auf PR-Tour ? das gab's so geballt noch nie.

Zwar hat er sich elegant um die geforderte Kampfansage herum manövriert, aber: Er ist für seinen VfL und für seine Mannschaft nach vorne in die Öffentlichkeit gegangen.

Das ist ein Statement! Denn Magath ist eigentlich so kamerascheu wie Michael Jackson?

Ebenfalls gut: Der HSV spricht immer von der Chance auf 3 Pokale. Zumindest. Na, geht doch?

So banal es klingt, so wahr ist:

Die Bayern haben selbst nach der Demontage im VW-Fußball-Werk den Gedanken an den Titel nicht aufgegeben.

Ganz nach dem Glauben: Die Tabellenführung reicht uns am letzten Spieltag, um glücklich zu sein.

Nun sind die 90 Minuten Champions-League-Duell mit den Fußball-Künstlern aus Barcelona die Antwort auf die Liga-Frage!

Noch eine Klatsche für Klinsmann, dann geht das Licht aus. Schaffen die Bayern einen Achtungserfolg im Camp Nou, dreht sich die Weißbier-Seele wieder auf Lauerstellung in Sachen Schale.

Wenn es sein muss, bis zur letzten Sekunde der Saison.

Die ist in Karlsruhe leider schon zu Ende.

Auch wenn einige Kommentare in der letzten Woche meinen KSC-Abstieg zu frühzeitig empfunden haben, so simpel ist es nun einmal:

Der KSC hat gegen Gladbach die finale Signal-Wirkung verballert. Wieder kein Tor geschossen, einen direkten Mit-Konkurrenten ungeschoren ziehen lassen. Sorry, KSC, das war?s.

Ebenso enttäuschend: Punktsieger Gladbach.

Die Borussia hätte im Wildpark siegen müssen, um geballtes Selbstbewusstsein demonstrieren zu können, Bielefeld in den Strudel der Zweiten Liga zu reißen. Ebenfalls verpasst.

Wer für mich den Abstieg verdient hätte: Schießbude 96 Hannover!

Was da an Toren eingefangen wird, ist nahezu unglaublich. Wenn Robert Enke nicht im Kasten stehen würde, gäbe es wahrscheinlich Gegentreffer-Rekord.

Ich erinnere mich an meine Zeit bei Schalke 04 in der Saison 1987 ? da habe ich öfter den Ball aus dem Netz geholt als geatmet?

Das unvermeidliche Ergebnis: Abstieg.

Mein Trainer der Woche heißt diesmal nicht Felix Magath, sondern Mike Büskens.

Mal wieder im Amt, mal wieder gewonnen. Unbesiegt als Chef-Coach im Doppel mit Youri Mulder.

Lieber Clemens Tönnies: Sie müssen nur noch einen Manager suchen, einen Trainerstab mit "blauem Blut" und Ahnung hätten Sie schon?

Bis nächste Woche

Euer Toni Schumacher

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