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Aldo Serena (l.) spielte in den achtziger Jahren für den FC Turin und Juventus © getty

Aldo Serena spricht über den BVB-Stareinkauf Immobile. Er erklärt, warum Conte ihn nicht wollte und welche Aufgabe Klopp erwartet.

Von Mathias Frohnapfel

München - Der Torschützenkönig der Serie A, Ciro Immobile, geht in die Bundesliga.

Vom FC Turin zu Borussia Dortmund .

"Für mich ist es eine wirklich unverzichtbare Gelegenheit. Sie nicht beim Schopf zu packen, wäre Wahnsinn gewesen", schrieb der 24-Jährige in einem offenen Brief an die Fans von FC Turin.

"Meine Energie wird mir helfen, mich in Deutschland einzuleben. Um mein Ziel zu erreichen, brauche ich jedoch die Untertützung aller italienischen Tifosi, weil ich weiß, dass mir Italien fehlen wird. Unterstützt mich, schaut im Fernsehen meine Spiele an, schreibt mir!", so Immobile

Zu den Glanzzeiten von Aldo Serena wäre ein solcher Wechsel undenkbar gewesen. 1989 eroberte er mit Inter den Titel und die Torjägerkrone, nachdem er zuvor für Juventus und den FC Turin gestürmt hatte.(SHOP: Jetzt BVB-Fanartikel kaufen)

Mit 22 Treffern wurde Serena Torschützenkönig - genauso viele Treffer gelangen Immobile in der abgelaufenen Spielzeit.

Im SPORT1-Interview spricht der frühere italienische Nationalspieler über seinen Nachfolger als Toptorjäger, Immobiles Eigenschaften als Stürmer und Mensch sowie dessen Wanderjahre in Italien via Pescara und Genua nach Turin.

SPORT1: Herr Serena, was für ein Stürmertyp ist Dortmunds Stareinkauf Ciro Immobile?

Aldo Serena: Er hat eine außerordentliche Physis, ist sehr widerstandsfähig, schnell auf den entscheidenden 20, 30 Metern und, das ist entscheidend, er ist ein Instinktfußballer. Er ist aber kein großer Taktiker, kein Stürmer, der lauert, um dann seine Tore zu machen. Er ist viel unterwegs und deshalb sehr geeignet für den Fußball in Deutschland.

SPORT1: Warum?

Serena: Der Fußball in der Bundesliga ist sehr intensiv, körperlich anspruchsvoll. Vielleicht kann er sich besonders unter Jürgen Klopp weiterentwickeln - vor allem taktisch. Klopp ist ein Trainer, der sehr didaktisch arbeitet und seinen Spielern viel beibringt. Er wird ihn voranbringen.

[kaltura id="0_pd777ja5" class="full_size" title="Klopp preist Immobile "]

SPORT1: Hat sich Immobile auch wegen des Trainers Klopp für Dortmund entschieden?

Serena: Ich denke schon. Es macht Spaß, Klopps Spielidee anzuschauen, mit drei, vier Pässen vor das gegnerische Tor zu kommen. In Italien gilt Klopp als moderner, extrovertierter Trainer, der sich nicht nur um die Mannschaft, sondern auch um das Umfeld und die Fans kümmert. Und Dortmund spielt auf einem bestimmten internationalen Niveau, ist eine offensiv ausgerichtete Mannschaft, für die aber auch Konter sehr wichtig sind. Die Borussia schaltet sehr schnell um, genau die Eigenschaften dafür besitzt Immobile.

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SPORT1: Immobile wird sich in Deutschland an eine neue Kultur und Sprache gewöhnen müssen. Ist der 24-Jährige schon bereit für diesen Schritt?

Serena: Er wird am Anfang sicher damit einige Probleme haben, er hat in dieser Hinsicht bei seinen Wechseln gegensätzliche Erfahrungen gemacht. In Pescara ist er förmlich explodiert, beim FC Genua stagnierte er dann, er hatte kein glückliches Jahr, fühlte sich nicht wohl. Beim FC Turin hatte er kleinere Sorgen am Anfang, ehe sein Stern unter Trainer Giampiero Ventura aufgegangen ist. Klopp hat immer gut mit jungen Spielern gearbeitet, er wird auch den Schlüssel für Immobile finden.

SPORT1: Immobile hat ja bereits kulturelle Erfahrungen gemacht, als er von Süditalien, aus Torre Annunziata in der Provinz Neapel, in den Norden gegangen ist.

Serena: Ja, besonders die negative Erfahrung in Genua hat ihn reifen lassen. Negative Erfahrungen sind für einen Spieler auch wichtig, sie bringen dich dazu nachzudenken, deine Fehler zu analysieren. Immobile muss sich nun für Dortmund öffnen, bereit sein für eine neue Erfahrung und für ein neues Umfeld, das anders ist als in Italien.

SPORT1: Welche Persönlichkeit bringt Immobile mit?

Serena: Er ist Neapolitaner (schmunzelt), es gefällt ihm also zu kommunizieren, er wird ein Feeling mit der Mannschaft finden. Er ist noch jung, aber die Erfahrung, Torschützenkönig in der Serie A, zu werden, hat ihm geholfen. Die WM mit der Squadra Azzurra wird ihn ebenso für die Zeit in Dortmund vorbereiten.

SPORT1: Dortmund hat für den Angreifer zirka 18,5 Millionen Euro ausgegeben. Wie geht Immobile mit diesem Druck um?

Serena: Ich glaube, er wird damit kein Problem haben, er hat breite Schultern, um das auszuhalten. Die Ablösesumme entspricht ja auch seinem Marktwert als Torschützenkönig der Serie A. Und außerdem wird von ihm während der WM von Italien auch einiges erwartet. Wenn Italiens Sturm versagt, wird es Polemiken geben, das war schon immer so. Die WM ist eine globale Bühne - nicht nur für ihn.

SPORT1: Die Transferrechte für Immobile lagen zur Hälfte bei Juventus zu Hälfte beim FC Turin. Warum haben die Verantwortlichen dieses Supertalent gehen lassen?

Serena: Für den Toro (FC Turin, Anm. d. Red.) war es eine Geldfrage, sie können auf so ein Angebot nicht verzichten. Bei Juventus lag es an der Einschätzung von Trainer Antonio Conte, denke ich. Er hat Zweifel an Immobile, was sich vor allem auf seine taktische Eignung bezieht. Conte will, dass sich seine Stürmer viel bewegen und auf eine Art, wie sie Conte vorgibt. Beim Ballbesitz des Gegners schließt das gewisse Verschiebungen ein, er ist ziemlich orthodox in seinen Vorstellungen. Unter diesem Gesichtspunkt garantiert ihm Immobile nicht das, was Conte vorschwebt. Klopp ist da sicher flexibler.

[kaltura id="0_7885tz4q" class="full_size" title="So sch n trifft Immobile"]

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